Elke Krystufek - eine ehemals Wilde mit Humor
Die international renommierte Künstlerin Elke Krystufek hat den Großen Diagonale-Schauspielpreis 09 gestaltet und gestiftet. Er wird am Dienstag vergeben.

Foto © APAElke Krystufek
Sie war schon eine Wilde. 1990, mit 20, unterzog sie sich bei ihrem ersten Auftritt im Wiener Institut für Gegenwartskunst einer ausführlich Körperbemalung. Ihr Mentor Arnulf Rainer hatte sich noch mit der Übermalung von Abbildern beschieden. Um den Eindruck noch zu verstärken, fügte sich Elke Krystufek ein paar Schnitte zu.
Tabuthemen. Es folgten (möglicherweise) vermeintliche Indiskretionen über (angebliche) Sexpartner aus der Galeristenszene. Auch beschäftigte sich Elke Krystufek offensiv mit Bulimie, Masturbation und anderen Tabuthemen. Stets setzt sie dabei kühn den eigenen Körper ein: als Motiv oder auch als Medium ihrer Kunst. Die Grenzen zwischen bedientem Voyeurismus und Voyeurismus-Kritik waren oft fließend.
Kein Anliegen mehr. "Die damaligen Provokationen haben mir natürlich genützt, aber auch geschadet: Viele Institutionen haben sich davor gescheut, mich auszustellen", sagt die heute 38-Jährige. Jetzt seien ihr solche kein Anliegen mehr: "Bekannt genug bin ich ohnedies".
Kleidungsstücke. Krystufek trug aber nicht immer die Haut allein zu Markte: In ihrer letzten großen Schau im Museum für Angewandte Kunst ordnete sie zum einen die Bestände neu um. Zudem rückten selbst geschaffene Objekte aus ihrem Leben ins Zentrum musealer Aufmerksamkeit. Und auch in ihrer Grazer Camera-Austria-Ausstellung vor ein paar Monaten fanden sich Kleidungsstücke, von Krystufek bearbeitet.
Portraits. Dazu kam eber seit je die exzellente Malerin Elke Krystufek. Auch in diesem klassischen Bereich der Bildenden Kunst war sie sich selbst lange Zeit das bevorzugte Motiv. Aus dieser Zeit stammen sehr berührende Portraits, in denen die kühne Künstlerin ihre verletzliche Seite sehen lässt. Aber auch ihren ausgeprägten Sinn für bissigen Humor.
Symbolik von Namen. Ihr Name stammt aus dem Tschechischen. "Der kleine Christophorus" bedeute das, habe ihr Vater immer erzählt: "Derjenige, der Menschen übers Wasser trägt. Mich hat in den letzten Jahren die Bedeutung und Symbolik von Namen immer stärker beschäftigt", sagt sie.
Weibliches Starren. Derzeit ist sie wieder stark am Malen: In der Wiener Galerie Meyer-Kainer wird am Dienstagabend die Schau "the female gaze at the male or unmale man" ("das weibliche starren auf den männlichen oder unmännlichen mann") eröffnet. Es ist eine Reihe furios gemalter, meist mittelformatiger Portraits; die Galerieräume hat Elke Krystufek neu eingefärbt.
Neue Leidenschaft. Der ellenlange Titel verweist bereits auf eine neue Leidenschaft der Künstlerin: "Die Sprache wird in meiner Arbeit immer wichtiger", sagt sie, und in der Tat erinnern manche Objekte formal an die berühmten "Bilddichtungen" von Günter Brus.
Weitere Ausstellungen bzw. Beteiligungen gibt es alsbald in Zürich, Paris und in Graz bei Eugen Lendl. Ihr Biennale-Beitrag wird ein Film-Kunstwerk sein.
Preisvergabe. Zur Diagonale-Eröffnung werden Dienstagabend die Schauspielpreise vergeben. Die sehr prominenten Preisträger sind uns bekannt, bleiben aber - auf Diagonale-Wunsch - noch geheim.
Features
Zur Person
Elke Krystufek, geboren 1970 in Wien. Studium bei Arnulf Rainer. Ausstellungen und Aktionen in Europa und in den USA. Biennale-Vertreterin 2009. Ab Dienstag: "the female gaze..." Galerie Meyer- Kainer, Eschenbachgasse 9, 1010 Wien.









