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    Goldene Palme" von Cannes für Film-Drama "Winter Sleep" Nachfolger von Haneke gesucht Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Cannes Nächster Artikel Goldene Palme" von Cannes für Film-Drama "Winter Sleep" Nachfolger von Haneke gesucht
    Zuletzt aktualisiert: 28.05.2012 um 20:30 UhrKommentare

    Tröstliches in einer Tragödie

    "Amour - Liebe" bescherte Michael Haneke seine zweite Goldene Palme. Ein Gespräch mit dem Regisseur, der keine Gebrauchsanweisungen liefern will.

    Michael Haneke teilte sich die Goldene Palme mit seinen großartigen Darstellern Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva

    Foto © ReutersMichael Haneke teilte sich die Goldene Palme mit seinen großartigen Darstellern Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva

    Ein Kammerspiel über das Sterben, das gilt doch eigentlich als Kinogift . . .

    MICHAEL HANEKE: Mir wurde tatsächlich schon häufiger gesagt, dass dies ein Tabuthema wäre. Aber man muss ja nur das Fernsehprogramm betrachten, um zu erkennen, dass dieses Thema in den letzten Jahren schon häufig behandelt wurde. Gäbe es dafür beim Publikum kein Interesse, wären solche Themen schnell aus dem Programm gestrichen. Auch im Kino gab es dieses Thema bereits mehrfach.

    Die bisherigen Filme dazu waren freilich sehr viel rührseliger als Ihre "Liebe" . . .

    HANEKE: Es ist immer eine Qualitätsfrage, wie ernst man etwas nimmt. Für mich ist das ein sehr großes und wichtiges Thema, das man auf einer gewissen Höhe behandeln muss. Kitsch oder Klischees wären der Tod jeder Auseinandersetzung damit. Wir haben uns bemüht, Rührseligkeiten so weit es geht zu vermeiden.

    Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

    HANEKE: Wie in fast jeder Familie gab es auch bei mir Fälle, die mit dieser Thematik zu tun haben. Das hat mich persönlich sehr berührt und gab den Anstoß zu diesem Film. Dieses Gefühl einer Empörung, von etwas gekränkt oder gestört zu sein, ist häufig der Ausgangspunkt, sich künstlerisch etwas dazu einfallen zu lassen.

    Dient diese Auseinandersetzung auch dazu, die eigenen Ängste besser zu bewältigen?

    HANEKE: Das wäre überinterpretiert. Es könnte allenfalls in dem Sinne zutreffen, dass jeder Film in gewisser Weise eine Angstbewältigung darstellt, ebenso wie jede Arbeit eines Schriftstellers. Aber für mich war das mit Sicherheit nicht der unmittelbare Zweck, diesen Film zu machen.

    Der Zuschauer stellt sich nach dem Film die Frage, ob er ähnlich wie der Held dem ausweglosen Leiden seiner geliebten Person ein Ende bereitet - wie würden Sie selbst darauf antworten?

    HANEKE: Gar nicht! (lacht) Der Sinn dieses Films besteht darin, dass sich die Zuschauer mit dieser Frage beschäftigen. Wenn der Autor dazu eine Gebrauchsanweisung liefert, dann wäre das kontraproduktiv.

    Und wenn man die Frage nicht dem Künstler, sondern dem Menschen Haneke stellt?

    HANEKE: Mich persönlich werden Sie nicht erwischen! (lacht)

    Wie glauben Sie, dass die Zuschauer aus Ihrem Film kommen: Mit mehr Angst oder fühlen sie sich getröstet?

    HANEKE: Mehr Angst wäre nicht der Sinn der Sache. Das Tröstliche bei einer Tragödie ist ja, egal ob im Buch oder im Kino, dass man das Gefühl bekommt, mit seinen eigenen Problemen nicht ganz allein zu sein, sondern man erlebt, dass es anderen genauso geht. Bei mir haben sich inzwischen jedenfalls schon viele Leute bedankt, weil sie dieses Thema genau so aus ihrer eigenen Familie kennen.

    War von Anfang an klar, dass die Geschichte im bürgerlichen Milieu spielen sollte?

    HANEKE: Ja, denn das ist das Milieu, in dem ich mich am besten auskenne. Für die Kulisse habe ich eigens die Wohnung meiner Eltern nachbauen lassen, um ein besseres Gespür zu bekommen. Zudem wollte ich bewusst kein Sozialdrama machen. Wenn es nur darum ginge, dass sich jemand keine Krankenschwester leisten kann, würde von der viel grundsätzlicheren Problematik ablenken. Auch ohne finanzielle und soziale Nöte bleibt das menschliche Drama übrig.

    Wie kamen Sie auf den Titel? Die liebe Liebe wird ja inflationär und in sämtlichen Spielrichtungen als Begriff verwendet?

    HANEKE: Für eine alltägliche Liebesgeschichte hätte ich diesen Titel sicher nicht verwendet, das kann man nur machen, wenn es einen tragischen Kontext gibt. Die Idee stammt übrigens von Jean-Louis Trintignant. Er meinte nach Lesen des Drehbuchs, die Geschichte sei so voller Liebe, warum der Film nicht gleich diesen Titel trage. Damit war eine lange Suche erfolgreich beendet.

    Was verändert sich durch die Goldene Palme?

    HANEKE: Ich laufe jedenfalls nicht ständig mit der Palme in der Hand herum. Wichtig sind solche Preise, weil dadurch die Popularität steigt und sich die Arbeitsbedingungen für den nächsten Film verbessern. INTERVIEW: DIETER OSSWALD


    Fakten

    Michael Haneke, geboren am 23. März 1942 in München, aufgewachsen in Österreich.

    Karriere: TV-Redakteur, Autor, Bühnen- und Kinoregisseur.

    Filme: u. a. Benny's Video, Funny Games, Die Klavierspielerin, Wolfszeit, Caché, Das weiße Band (Goldene Palme 2009).

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