Zwei österreichische Filmemacher rittern um goldene Palme
Michale Haneke ist bei den Filmfestspielen in Cannes, die am kommenden Mittwoch beginnen, mit dem film "Amour" vertreten, Ulrich Seidl zeigt "Paradies: Liebe". Stars von Brad Pitt bis Robert Pattinson haben sich zum Filmfest angekündigt.

Foto © APADie goldene Palme
Die Filmfestspiele von Cannes feiern ihren 65. Geburtstag - und gleich zwei österreichische Filmemacher gratulieren liebevoll. Mit Michael Hanekes "Amour" und Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" konkurrieren erstmals zwei österreichische Regisseure um die Goldene Palme und damit die Gunst der neunköpfigen Jury mit dem Italiener Nanni Moretti an der Spitze. Auf dem offiziellen Plakat des Festivals, das am kommenden Mittwoch (16. Mai) beginnt, bläst Marilyn Monroe die Kerze am Geburtstagskuchen aus - und es haben sich auch zahlreiche Stars von Brad Pitt bis Nicole Kidman, von Robert Pattinson bis Kristen Stewart für Glückwünsche angesagt.
Auch wenn Festivalleiter Thierry Fremaux ankündigte, dass die bedeutendsten Filmfestspiele neuen Ideen gegenüber offen sein müssten, wirkt es angesichts des Aufgebots doch eher so, als würde man vor allem der eigenen Geschichte treubleiben. Im Wettbewerbsprogramm finden sich wenige neue Namen, nur Männer und viele davon über 60. Und fast alle Beiträge stammen von Filmschaffenden, die in Cannes keine Unbekannten, sondern seit Jahren eng mit dem Festival verbunden sind. Dazu gehören nicht nur Ken Loach, der an Croisette schon mehrere Preise gewann, sondern auch der Iraner Abbas Kiarostami, der französische Altmeister Alain Resnais, der Kanadier David Cronenberg - und auch Michael Haneke.
Der Österreicher triumphierte vor drei Jahren mit "Das weiße Band" in Cannes, die damalige Jury-Vorsitzende Isabelle Huppert spielt nun in "Amour", einem intimen, auf Französisch gedrehten Porträt eines älteren Ehepaars, die Tochter von Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva. Ein großer Rummel ist an der Cote d'Azur nicht geplant, mit einem gemütlichen Essen soll die Premiere am Sonntag begangen werden. Ulrich Seidl hingegen thematisiert in "Paradies: Liebe" die Ausbeutung Afrikas durch Europa, dargestellt an einer älteren weißen Frau, die sich in Kenia einen jungen Liebhaber nimmt. Seidls Premierenfeier wird bereits am Freitag in einer Woche stattfinden.
Die österreichische Präsenz hält sich ansonsten in Grenzen: Die Austrian Film Commission ist wie immer am Filmmarkt präsent, die österreichischen Film Commissions werben mit einem Zelt für internationale Dreharbeiten in Österreich. Doch die Politik gibt sich ungewohnt zurückhaltend: Kulturministerin Claudia Schmied und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (beide S) werden nach bisheriger Planung nicht vor Ort sein. Möglicherweise hat man sich nach den Erfolgen der vergangenen Jahre schon ein bisschen an die Erfolgsmeldungen gewöhnt: In Deutschland dagegen wäre die Freude über einen Wettbewerbsbeitrag wohl größer. German Films wird am Montag (21.) dennoch einen großen Empfang abhalten.
Wie zu dem Empfang haben sich zum gesamten Festival unzählige Stars zum glamourösesten Filmfest der Welt angekündigt: Brad Pitt, Robert Pattinson und Nicole Kidman werden ihre Filme vorstellen. Reese Witherspoon, Gary Oldman, Kristen Stewart und Kylie Minogue stehen ebenfalls auf den Gästelisten. Schon beim Eröffnungsfilm "Moonrise Kingdom" von Wes Anderson werden am kommenden Mittwoch wohl Bruce Willis, Bill Murray und Tilda Swinton für ein aufgeregtes Blitzlichtgewitter am roten Teppich sorgen. Festivalleiter Fremaux scheint auch in diesem Bereich im Jubiläumsjahrgang auf Altbewährtes zu setzen.
Bis zum 27. Mai lockt das Festival mit starker US-Präsenz sowie politischem Kino aus Europa: Brad Pitt gibt in dem Gangsterstück "Killing Them Softly" einen Ermittler auf Rachezug. In der Romanverfilmung "Cosmopolis" kämpft "Twilight"-Star Robert Pattinson weiter gegen sein Vampir-Image und lässt sich als gefühlskalter Multimillionär durch Manhattan treiben. Der Italiener Matteo Garrone ("Gomorrha") dagegen erzählt eine Satire über den Wahn der Menschen, im Reality-Fernsehen auftreten zu wollen, und Ken Loach nimmt sich erneut eine Geschichte über Menschen am Rande der Gesellschaft vor. Alles in allem ein Geburtstag mit großen Namen und strahlender Prominenz - ein "Happy Birthday" von Marilyn inklusive.












