Kleine Konflikte statt großer Gesten
Samstagabend werden bei der 62. Berlinale die Goldenen und Silbernen Bären für Kurz- und Langfilme vergeben. Eine Übersicht über mögliche Favoriten.

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Es würde wohl nicht mit rechten Dingen zugehen, käme bei der 62. Berlinale nicht einer der drei deutschen Wettbewerbsbeiträge in den Genuss einer Bären-Auszeichnung.
"Barbara" von Christian Petzold, ein DDR-Drama mit einer jungen Ärztin (Nina Hoss), die 1980 in die ostdeutsche Provinz strafversetzt wird, nachdem sie einen Ausreiseantrag gestellt hat.
"Was bleibt" von Hans-Christian Schmid, die Geschichte einer gut situierten deutschen Familie, in der eingefahrene Verhaltensmuster durch eine sehr persönliche Entscheidung der an Depressionen leidenden Mutter (Corinna Harfouch) auf den Prüfstand gestellt werden.
Und "Gnade" von Matthias Glasner, ein in Norwegen spielendes Drama, in dem ein deutsches Pärchen (Birgit Minichmayr, Jürgen Vogel) durch eine Fahrerflucht nach einem tödlichen Unfall in seiner brüchigen Ehe wieder zusammenwächst.
Alle drei Filme sind jeweils ruhige Kammerspiele, denen spannende Geschichten zugrunde liegen, solide Regiearbeit vorherrscht und in denen überzeugenden Hauptdarstellerinnen agieren. Nicht zuletzt aus diesem Grund darf sich für "Gnade" auch die 34-jährige Linzerin Minichmayr nach dem Darstellerinnen-Preis 2009 für Maren Ades "Alle Anderen" wieder Bären-Hoffnungen machen.
Alle drei Filme widmen sich alltäglichen Konflikten im Kleinen, ohne große Geste. Für diese waren andere Filme verantwortlich, etwa die Beiträge aus China, die in jeweils mehr als zwei Stunden Geschichtsunterricht geben und dabei weder an Produktionsmitteln, Filmblut, Sex- und Folterszenen sparen. Da wirken der Schweizer Beitrag "L'enfant d'en haut" ("Sister") von Ursula Meier über einen zum Dieb gewordenen Buben in den Alpen oder das filmische Essay "Cesare deve morire" ("Caesar Must Die") der italienischen Brüder Vittorio und Paolo Taviani über Shakespeare-Proben von Strafgefangenen gleich schon viel bärenwürdiger.
Auch die zarte Liebesgeschichte aus Griechenland zwischen einem Mönch und einer Nonne in "Meteora", in dem animierte Szenen im orthodoxen Heiligenbilder-Stil eingesetzt werden, oder das berührende Lebensgemälde in einem indonesischen Tiergarten ("Postcards from the Zoo"), konnten im heuer nicht sonderlich hoch stehenden Programm überzeugen.
Bei den Kurzfilmen hat die 44-jährige Wiener Experimentalfilmerin Billy Roisz mit ihrem Musikvideo "Zounk!" durchaus Chancen auf einen Goldenen Bären. Die abstrakte Übersetzung der Klangstrukturen eines Songs der Wiener Band "Broken Heart Collector", bei der "einem im Kino fast die Augen herausfallen", hat aber zum Beispiel mit einem Kurzfilm mit Charlotte Rampling oder einer Uraufführung von Christoph Schlingensief starke Konkurrenz.
Features
62. Berlinale
Fakten
Bären-Verleihung: Samstag, 19 Uhr, arte.











