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Zuletzt aktualisiert: 04.12.2007 um 16:31 Uhr

Liebesleben

Der Erfolgsroman "Liebesleben" von Zeruya Shalev wurde von Maria Schrader erfolgreich verfilmt.

Netta Garti und Rade Sherbedgia in 'Liebesleben'

Foto © FilmladenNetta Garti und Rade Sherbedgia in 'Liebesleben'

Eine hübsche junge Frau verfällt einem von Wind, Wetter und Leben schon ziemlich gegerbten älteren Mann, wirft ihr Leben über den Haufen und sich ihm an den Hals. Er ist betont zurückhaltend, lässt keine Gelegenheit aus, die junge Frau zu demütigen, doch schlägt er nicht aus, was ihm in den Schoß fällt. Das ist eine Lesart des Romans "Liebesleben". Geschrieben wurde er von einer Frau, der Israelin Zeruya Shalev. Verfilmt wurde er nun ebenfalls von einer Frau, der deutschen Schauspielerin Maria Schrader. Sie feiert mit dem Streifen, der am Freitag in die österreichischen Kinos kommt, ihr Regiedebüt.

Keine Altmännerfantasie. Schrader versucht eine andere Lesart als die Altmännerfantasie, die einst auch im "Literarischen Quartett" rund um Marcel Reich-Ranicki für Erregung gesorgt hatte. Anders als im Roman, der die Vorgänge aus der Sicht der Hauptfigur, der verheirateten Bibelwissenschaftsstudentin Jara, beschreibt, aber nicht begründet, gelingt es ihrer Hauptdarstellerin, der beeindruckenden jungen Theaterschauspielerin Netta Garti, die mit "Liebesleben" ihren erst zweiten Spielfilm drehte, in Schlüsselmomenten ihre Entscheidungen transparent zu machen. Das bringt zwar keine Erklärung, aber doch immerhin eine Ahnung von dem dramatischen Innenleben der jungen Frau, die sich dem um vieles älteren Jugendfreund der Eltern (Rade Sherbedgia, bekannt aus "Before the Rain" ist ebenfalls eine Idealbesetzung) bedingungslos ausliefert.

Symbolische Bedeutung. Schrader (die auch gemeinsam mit Laila Stieler das Drehbuch schrieb) hatte sich zum Dreh am "Originalschauplatz" Israel entschlossen und ihr Kameramann Benedict Neuenfels (ein Sohn von Hans Neuenfels und Elisabeth Trissenaar) fängt in eindrucksvollen Bildern Landschaft und Stimmung ein. Aber da gibt es noch eine weitere Bildebene. Um ihren Verzicht auf eine Erzählstimme aus dem Off wettzumachen, versucht Schrader Träume und Fantasien zu bebildern. In diesen sieht sich Jara mal als von Arie erlegtes Wild, mal als Opfer eines Autounfalls. Auch tote Katzen und fliegende Vögel erhalten starke symbolische Bedeutung. Das wirkt nicht selten als zu viel und ist nicht immer so gelungen wie jene Szene, in der Jaras Vater seine nackte Tochter im Badezimmer seines Freundes Arie entdeckt, aber den sie verbergenden Duschvorhang lieber nicht wegzieht.

Psychotische Familie. Auch sonst verschließen Jaras Eltern (Stephen Singer und Tovah Feldshuh) ihre Augen vor vielem Offensichtlichen. Sie habe der Familiengeschichte mehr Augenmerk gewidmet als der Amour fou, sagt Schrader, und sie hat gut daran getan. Denn nur im direkten Bezug zu der psychotischen Familie, zu den totgeschwiegenen Geheimnissen und Verletzungen von einst, die nie bewältigt, sondern nur oberflächlich kaschiert wurden, lässt sich der verzweifelte Ausbruchsversuch Jaras erklären. Für Jara ist die vorübergehende Unterwerfung ein Lernprozess, aus dem sie befreit und gestärkt hervorgeht. Daran lässt Schrader keinen Zweifel.


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