Ein kritischer Geist zeigt die Lügen auf
In seinem neuen Film "Von Löwen und Lämmern" prangert die Kinolegende Robert Redford den Irak-Krieg der Bush-Administration an.

Foto © APARobert Redford mit Freundin Sibylle Szaggars
Sie stellten in Berlin Ihren neuen Film vor, waren aber auch mit Ihrer Verlobten, der deutschen Malerin Sibylle Szaggars, in Hamburg, um mit deren Mutter Geburtstag zu feiern. Wie reagiert denn die deutsche Verwandtschaft auf einen legendären Hollywoodstar in Ihrer Mitte?
Redford: Ich glaube, anfangs wussten sie nicht, wie sie mich behandeln sollen, aber wir kamen uns näher und feierten schließlich bis nachts um halb drei. Es war sehr gemütlich.
Sie benutzen tatsächlich das deutsche Wort "gemütlich". Hat Ihnen Ihre Verlobte die deutsche Sprache schon näher gebracht?
REDFORD: Ein bisschen (auf Deutsch), aber leider zu wenig. Und ich bekomme nur einige Wörter mit, wenn sie mit Verwandten spricht. Dann frage ich immer nach: "Was heißt 'genau', was heißt 'genug'?" Das schreibe ich dann auf, weiß zwar, was es heißt, aber mit der Grammatik haut es nicht mehr hin.
In Ihrer Jugendzeit sind Sie viele Jahre durch Europa getingelt. Könnten Sie sich vorstellen, in ein europäisches Land zu ziehen?
Redford: Vorstellen kann ich mir das schon, denn ich liebe Europa. Ganz ehrlich, ich glaube, meine Bildung habe ich erst erhalten als ich mit 18 entschied, Europa zu entdecken. In Amerika ließ ich mich als junger Mann nur treiben, interessiert mich nicht für die Schule und wurde aus dem College geworfen. In Europa lernte ich dann neue Kulturen kennen und wurde ein Künstler.
Mit "Von Löwen und Lämmern", in dem Sie Regie führten und neben Meryl Streep und Tom Cruise auch mitspielen, greifen Sie George Bush und seine Außenpolitik im Nahen Osten an.
Redford: Ja, ich finde es sehr traurig, was in meinem Land gerade abgeht. Es wird alles polarisiert und in Gut und Böse aufgeteilt. Die Luft in den USA ist dadurch vergiftet worden, und verantwortlich dafür ist unsere Regierung. Ich will mit meinem Film keine Propaganda betreiben, das überlasse ich den Dokumentarfilmern. Aber ich hoffe, damit beim Zuschauer Gedanken zu provozieren. Es geht um Fragen, wie wir Amerikaner in diese Situation geraten konnten und ob wir es hätten verhindern können. Welche Rolle spielen dabei die Medien, wie soll die Jugend damit umgehen?
Glauben Sie denn, weitere Amerikaner mit Ihrem Film wachrütteln zu können?
Redford: Viele Ereignisse der letzten sechs Jahre konnten so nur passieren, weil wir dem zu wenig Aufmerksamkeit schenkten. Wir waren einfach zu sehr mit neuen technischen Errungenschaften wie dem Internet und Handy beschäftigt. Aber nun sehen wir, von wem wir da regiert werden. Eine Regierung, die mit Lügen arbeitet, und das ist für mich das Erschreckende.
Warum sind Sie eigentlich nie in die Politik gegangen?
Redford: Meine politischen Aktivitäten konzentrierten sich immer auf Menschenrechte und Umweltschutz, weil ich finde, dass man als Prominenter sehr vorsichtig sein muss. Als Filmemacher bin ich privilegiert. Wie kann ich mir da herausnehmen, einem Arbeiter zu sagen, wie er zu leben hat? Deshalb gebe ich meine Statements lieber mit meinen Filmen ab.
Sie sind im August 70 geworden. Denken Sie manchmal daran, in den Ruhestand zu gehen?
Redford: Nein, dazu gibt es auf unserer Welt zu viel zu entdecken, und die Zeit, die wir haben, ist ohnehin schon so kurz. Ich will auch weiterhin Filme machen, Filme, die etwas zu sagen haben, aber auch Filme, die unterhalten .
Features
Robert Redford
Geboren am 18. August 1937 in Santa Monica. Ist Schau-
spieler, Regisseur und Produzent.
Filme: The Clou, Die Unbestechlichen, Eine ganz normale Familie (Regie-Oscar 1981), Jenseits von Afrika, Der Pferdflüsterer,...












