Stirb langsam 4.0.
Im explosiven und witzigen vierten Teil der Action-Serie ist Einzelkämpfer Bruce Willis auf die Hilfe eines Hackers angewiesen.

Foto © 20th Century FoxBruce Willis in Aktion
Ist John McClane wieder einmal zur falschen Zeit am
falschen Ort, wenn er 2007 etwas verspätet im Internetzeitalter
ankommt? Mag sein, aber "Die Hard" heißt auf Deutsch nicht nur "zäher
Kämpfer" sondern auch "Ewiggestriger". In Zeiten des
Internet-Verbrechens müssen sich aber auch altgediente Heldencops
umstellen. Eine maßgeschneiderte Rolle für den mittlerweile
52-jährigen Bruce Willis, der im explosiven und witzigen vierten Teil
der Action-Serie die USA vor einem Generalangriff aus dem Netz
rettet. Der Film startet am Mittwoch, den 27. Juni in Österreichs Kinos.
Tod im Hackermilieu. Die Story ist schnell erzählt: Computer-Guru Thomas Gabriel
(Timothy Olyphant) hat für die US-Regierung IT-Sicherungssysteme für
die wichtigsten Infrastruktur-Zentren entwickelt. Da er sich schlecht
behandelt fühlt, beschließt er, seine Systeme selbst zu knacken. Mit
einem Spezialisten-Team verursacht er den Zusammenbruch des
Verkehrs-, Finanz- und Energiewesens. Um keine Gegenwehr zu erhalten,
lässt er gleichzeitig die bekanntesten Hacker des Landes umbringen.
Hau-drauf und Schlau-drauf. Doch John McClane (Bruce Willis), mittlerweile Senior Detective
und von seiner Frau Holly erneut geschieden, kann einen von ihnen
retten - den jungen Internet-Wunderwuzzi Matt Farrell (Justin Long).
In der Folge treiben die beiden als Hau-drauf und Schlau-drauf den
von Allmachtsfantasien besessenen Gabriel zusehends in die Enge, bis
dieser den letzten Joker zieht: Er schnappt sich McClanes
sechzehnjährige Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead).
Im Alleingang. Als "Die Hard" (dt. Titel: Stirb langsam) 1988 ins Kino kam,
machte er ein neues Sub-Genre im Action-Bereich auf. In einem
halbfertigen Hochhaus wurde eine beklemmend-klaustrophobische
Stimmung geschaffen, in der McClane im Alleingang eine übermächtige
Einbrecher-Bande ausmerzte. In Teil zwei und drei der Kinoserie
verabschiedete man sich von dem reduzierten Setting, dafür griffen
andere Filme, wie "Speed" (1994) oder "Air Force One" (1997) das
Prinzip auf.
"Shut up". Die Allgegenwart der elektronischen Überwachung rückt im vierten
Teil die Ausweglosigkeit wieder ins Zentrum der Handlung. Freilich
wird damit kein Neuland mehr betreten. Ähnliches hat man
beispielsweise in "Staatsfeind Nr. 1" (1998) gesehen, dessen
Drehbuchautor David Marconi für "Die Hard 4.0" die Vorlage lieferte.
Aber das dicht gestrickte digitale Netzwerk erfüllt eine wichtige
Aufgabe. Es lässt einmal mehr den einsilbigen John "Shut up" McClane
auf einen vermeintlich unbezwingbar schlauen Gegner treffen und - so
viel darf verraten werden - ihn besiegen.
Martial-Arts-Kampfszene. "Ich bin vielleicht nicht so smart wie ihr, aber ich bin noch am
Leben", bringt McClane seine Rolle auf den Punkt. Und so kämpft er
mit Hydranten gegen Hubschrauber und mit klassischen Stunteinlagen
gegen die nicht abzuschüttelnde GPS-Peilung. Regisseur Len Wiseman
("Underworld Evolution") versucht dem erdigen Stil seines Helden
gerecht zu werden, indem er auf Effekte aus dem Computer so weit wie
möglich verzichtet. Als augenzwinkerndes Zugeständnis an die
Entwicklungen im Actionkino seit "Die Hard 3" (1995) gibt es eine
Martial-Arts-Kampfszene zwischen McClane und Mai Lihn (Maggie Q), der
Komplizin und Geliebten von Thomas Gabriel.
Markige Sprüche. Besonders gut funktionieren in "Die Hard 4.0" wieder McClanes
markige Sprüche, die jedem Actionhelden zur Ehre gereichen würden. Da
Drehbuchautor Mark Bomback auch für Matt und die ganz nach ihrem
Vater geratene Lucy einige Gags übrig lässt, entsteht zeitweise der
Eindruck einer explosiven Screwball-Komödie, was über die mangelnde
Logik der Handlung leicht hinwegsehen lässt. Etwa wenn John und Matt
sich klar werden, dass sie bisher in unterschiedlichen Realitäten
gelebt haben - in der echten und in der virtuellen: "Ich dachte, es
würde Spaß machen, das System in die Luft zu jagen", muss sich Matt
eine Lebenslüge eingestehen, während John sein veraltetes Handy
wegwirft wie ein Affe eine Bananenschale. In einem sind sich die
beiden jedoch von Beginn an ähnlich. Auch hunderte MG-Salven aus
geringer Entfernung können ihnen kein Haar krümmen. Das gibt es nur
in der virtuellen Welt des Kinos.














