Goldener Bär der Berlinale nach Peru - Jubel über Minichmayr
Die Österreicherin Birgit Minichmayr hat bei der 59. Berlinale den Silbernen Bären als beste Schauspielerin erhalten.

Foto © APAEinigkeit in der Jury: Tilda Swinton und Christoph Schlingensief
Der Goldene Bär ist erstmals in der Geschichte der Berlinale an einen Film aus Peru verliehen worden. Die Jury der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin zeichnete das Drama "La Teta Asustada" ("The Milk of Sorrow") von Claudia Llosa mit dem Hauptpreis aus. Der Andenstaat war zum ersten Mal im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Gleich zwei Silberne Bären vergab die von der britischen Schauspielerin Tilda Swinton geleitete Jury an den deutschen Beziehungsfilm "Alle Anderen" von Maren Ade. Jubel darüber herrscht auch in Österreich, denn der Silberne Bär für die beste Darstellerin ging an Birgit Minichmayr.
Lateinamerika.
"Das ist für Peru, für unser Land", sagte die 32-jährige Llosa bei der Preisverleihung am Samstagabend strahlend. Nach "Tropa De Elite" (Elite-Einheit) des Brasilianers Jose Padilha gewann damit zum zweiten Mal in Folge ein Film aus Lateinamerika. Die Entscheidung für "La Teta Asustada" fiel nach Angaben von Swinton einstimmig. Mit der Tragikomödie "Gigante" von Adrian Biniez aus Uruguay zeigte ein weiterer Film des Kontinents auf: "Gigante" erhielt nicht nur die Auszeichnung als bester Erstlingsfilm und den Alfred-Bauer-Preis (geteilt mit Andrzej Wajdas "Der Kalmus" aus Polen), sondern wurde schließlich auch mit dem Großen Preis der Jury geehrt.
Der Große Preis der Jury wurde ebenfalls geteilt vergeben: Die Deutsche Maren Ade durfte sich über die Auszeichnung für ihr fein beobachtetes Liebesdrama "Alle Anderen" freuen. "Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich nicht so wirke", meinte Ade, die ganz aufgelöst auf der Bühne stand. Den zweiten Preis für "Alle Anderen" heimste Minichmayr für ihre Darstellung der weiblichen Hauptfigur Gitti ein, ihre bisher größte Rolle im Kino. "Ich freu mich einfach tierisch", strahlte die Schauspielerin nach der Verleihung im 3sat-Interview. In der Berlinale-Sektion Panorama war sie auch an der Seite von Josef Hader in Wolfgang Murnbergers schwarzer Komödie "Der Knochenmann" zu sehen. Der Film landete bei der Panorama-Publikumspreiswertung auf dem dritten Platz.
Goldener Bär.
Im Rennen um den Goldenen Bären machten nicht die explizit politischen Filme wie der als Favorit gehandelte deutsche Justiz-Thriller "Sturm" von Hans-Christian Schmid, der den Amnesty-International-Filmpreis erhielt, oder das US-amerikanische Anti-Kriegsdrama "The Messenger" von Oren Moverman das Rennen. Moverman bekam gemeinsam mit Alessandro Camon aber zumindest den Preis für das beste Drehbuch. Der Film war zuvor schon mit dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet worden.
Silberner Bär.
Das Drama "London River" des Franzosen Rachid Bouchareb brachte dem 72-jährigen Sotigui Kouyate aus Mali den Silbernen Bären für den besten Darsteller. Er begeistert mit der sensiblen Studie eines Mannes zwischen den Kulturen und Religionen. Der Preis für die beste Regie ging an den iranischen Regisseur Asghar Farhadi für sein Gesellschaftspanorama "Alles über Elly". Er beschreibt anhand eines dramatisch endenden Wochenendausflugs das Leben der gebildeten iranischen Mittelschicht. Einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung bekamen die Sounddesigner Gabor Erdelyi und Tamas Szekely für ihre Arbeit an dem in den Karpaten spielenden Rache-Epos "Katalin Varga" vom Briten Peter Strickland.
Besucherrekord.
Nach der Verleihung der Bären ging die Berlinale am Sonntag mit einem Publikumstag zu Ende. Das Festival verbuchte in diesem Jahr mit 270.000 verkauften Eintrittskarten (und damit 30.000 Karten mehr als 2008) einen Besucherrekord. Am Kinotag werden noch einmal ausgewählte Produktionen gezeigt. Insgesamt liefen fast 400 Filme in mehr als 1.200 Vorführungen. Berlinale-Chef Dieter Kosslick zog am Samstag bereits zufrieden Bilanz: "Die Berlinale beweist, dass es ein filmbegeistertes Publikum gibt, das das Kino liebt." Trotz der weltweit wirtschaftlich schwierigen Lage seien auch die Geschäfte beim European Film Market (EFM) gut verlaufen.
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Birgit MinichmayrFoto © APA
Berlinale 2009
Die 59. Berlinale fand vom 5. bis zum 15. Februar statt. Es wurden rund 400 Filme gezeigt.













