"Griffen": Auf den Spuren von Peter Handke
Bernd Liepold-Mosser besuchte für eine Doku Handkes Kärntner Heimatort und sprach mit den Bewohnern über den "großen Sohn" Griffens.

Foto © Stadtkino
Am 6. Dezember feiert der österreichische Schriftsteller Peter Handke seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass gibt es bereits von 20. bis 23. September im Kunsthaus Mürz in Mürzzuschlag ein Symposium zu seinem Leben und Werk. "Das Symposium reflektiert die Relation von Leben und Schreiben in einem größeren Rahmen, indem es (erstens) der Frage nach der Rolle des Erzählens für die Ausbildung von Selbst-Konzepten nachgeht und (zweitens) die Lebensgeschichte des Autors ganz bewusst neben die Entstehungsgeschichte seiner Werke stellt", heißt es in einer Ankündigung. Ganz hervorragend passt dazu ein Film, der am Freitag seinen österreichweiten Kino-Einsatz startet: "Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke".
Erinnerungen
Der Autor und Filmemacher Bernd Liepold-Mosser, der im Vorjahr mit seiner Bearbeitung und Inszenierung von Franz Kafkas "Amerika" den Nestroy für die beste Bundesländer-Aufführung nach Klagenfurt geholt hatte, besuchte für seine ungewöhnliche Doku Handkes Kärntner Heimatort und sprach mit den Bewohnern über den großen Abwesenden. Denn der "große Sohn" Griffens kommt in dem 80-minütigen Film, der bei der vergangenen Diagonale mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, nie persönlich vor, immer nur in Erinnerungen der Bewohner und Verwandten.
Dabei lernt man etwa Peter Handkes Bruder kennen, der stolz einige Postkarten mit Grüßen seines Bruders vorzeigt, aber auch keinerlei Scheu hat, zu bekennen, nie eine Zeile aus dessen literarischer Produktion gelesen zu haben. Man erfährt von den Dorfbewohnern, dass Peter Handke schon als Kind ein Einzelgänger gewesen sei und auch als Jugendlicher seine Nase nur in Bücher gesteckt habe. "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" habe Handke nie selbst erlebt, wundert sich ein Bewohner über einen Buchtitel des scheuen Literaten. "Am Fußballplatz hab ich ihn nie gesehen!" Man bekommt aber auch einen Besuch Handkes in der Griffener Schule geschildert, bei dem der Autor wie ein Popstar gefeiert wurde. Und natürlich ist Handkes Einstellung zu Slowenien, ja zu ganz Ex-Jugoslawien immer wieder ein Thema. Damit hat sich Peter Handke in Griffen nicht viele Freunde gemacht.
Liepold-Mosser ist selbst in Griffen aufgewachsen und versteht es, anhand der abwesenden Figur des Schriftstellers ein Porträt der kleinen Unterkärntner Marktgemeinde zu gestalten, in der die Skurrilität mancher Bewohner nicht ausgestellt, aber auch nicht versteckt wird, und die verdrängte zweisprachige Geschichte ebenso zur Sprache kommt wie das nicht unproblematische Verhältnis der "kleinen Leute" zur "großen Literatur". Ein gelungener Porträtfilm, der weniger Peter Handke porträtiert als den Ort Griffen. Auf eine Ausstrahlung im mitfinanzierenden ORF darf man sich freuen.












