"The Dark Knight Rises": Batmans Abschied als abgründige Terroroper
Letzter Teil der Trilogie von Christopher Nolan lädt zum knapp dreistündigen Showdown in Gotham City.

Foto © Warner
Abgründig, dramatisch, rasant, pathetisch, düster und bombastisch: Wenn man "The Dark Knight Rises" mit einigen Adjektiven auf den Punkt bringen möchte, dann werden die genannten durchaus hilfreich sein. Der letzte Teil der "Batman"-Trilogie von Christopher Nolan lädt ab Donnerstag (und in Vorpremieren schon ab heute um Mitternacht) zum knapp dreistündigen Showdown in Gotham City, inszeniert als apokalyptisch-anarchische Terroroper zur wummernden Musik von Hans Zimmer. Der Kinostart des meist erwarteten Blockbusters des Jahres wird jedoch von einer Tragödie überschattet.
Man wird in den kommenden Wochen wohl selten unbefangen über den Film sprechen können, ohne dass die Bluttat im US-Bundesstaat Colorado im Hinterkopf präsent sein wird. Bei dem Amoklauf eines 24-jährigen Studenten in einem Multiplex in Aurora starben in der Nacht auf Freitag zwölf Menschen, fast 60 weitere wurden verletzt. Der Mann hatte bei der Premiere wahllos ins Publikum geschossen und sich, wie die Hauptfigur im Film, mit einer Gasmaske getarnt. Die abstrusen Hirngespinste eines einzigen Menschen rauben so der zwar brutalen, aber dennoch metaphorischen Kunst ihre Unschuld.
Mit Metaphern spart Nolan nicht, denn obwohl in Gotham City in den vergangenen Jahren scheinbar Ruhe eingekehrt ist und viele Verbrecher hinter Gittern sind, herrscht bei den Menschen eine große Unzufriedenheit über die politischen und wirtschaftlichen Zustände. Kein Wunder, dass der Terrorist Bane sich mit seiner Untergrundarmee zuerst einmal die Börse vornimmt - und damit wohl durchaus Anklang findet bei den unterdrückten Bürgern. Bane ist ein populistischer Verführer, der die Macht des Stärkeren für sich beansprucht und auf den ersten Blick die Stadt den Menschen zurückgeben will.
Quelle © darkknight_668youtube.jpg | Foto: youtube.com The Dark Knight Rises
Doch hinter seiner maulkorbartigen Maske verbirgt sich ein triefender Zyniker, der schon lange nicht mehr an die Rettung des Systems glaubt und dessen Fusionsreaktor die dekadenteste der westlichen Metropolen - selten war New York so deutlich als Gotham erkennbar - auf einen Schlag auslöschen soll. Und obwohl der gealterte und zerrissene Milliardär Bruce Wayne ebenfalls so seine Probleme mit der Gesellschaft hat und als dunkles Alter Ego "Batman" selbst am Abgrund taumelt, kann er das dann doch nicht zulassen. Nach acht Jahren Pause muss er wieder seine Kräfte sammeln und zurückkehren.
Christian Bale ist zum dritten Mal als dunkler Ritter im Einsatz, Tom Hardy gibt seinen physisch beeindruckenden Gegenspieler. Als treue Mitstreiter auf Batmans Seite erscheinen einmal mehr Morgan Freeman, Gary Oldman und natürlich Michael Caine als Butler Alfred. Anne Hathaway spielt die nicht nur moralisch gelenkige Catwoman, die Bruce Wayne gerne ein wenig herausfordert. Und Marion Cotillard hat als reiche Philanthropin eine etwas undankbare Rolle. Dazu kommt auch noch ein smarter Jungpolizist (Joseph Gordon-Levitt), der mehr weiß, als man anfangs vermuten würde.
"The Dark Knight Rises" ist mit mehr als 160 Minuten länger als seine Vorläufer "Batman Begins" und "The Dark Knight", bietet spektakuläre bis drastische Schauwerte - nicht zuletzt die Flugzeugentführung gleich zu Beginn oder das bereits aus dem Trailer bekannte, nach und nach gesprengte Football-Feld - sowie viel dramatisches Pathos. Teilweise ist der Score von Zimmer so dominant, dass das Leinwandgeschehen fast in den Hintergrund rückt. Und wenn zum großen Kampf zwischen Gut und Böse noch der Gefangenenchor tief unten in der Mine singt, wähnt man sich tatsächlich in der Oper.
Leider hat man manchmal das Gefühl, dass Nolan - der gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan auch das Drehbuch schrieb - mit dem großen Finale auch zu viel wollte. Da werden Traumata aus dem ersten Teil der Trilogie aufgearbeitet, kaum ein Erzählstrang wird nicht noch einmal aufgegriffen und teils mit langatmigen Dialogen seziert, und der Humor ist den Bewohnern von Gotham City sowieso schon lange abhandengekommen. Trotzdem trifft der Filmemacher mit seiner Interpretation der 1939 von Bob Kane erdachten Saga einen Nerv, wie die Besucherzahlen am Startwochenende belegen.
Und die Comic-Adaption wird auch stark politisch rezipiert - von Anspielungen auf die Occupy-Bewegung über die Unzufriedenheit mit der gierigen Finanzwelt und der hilflosen Politik bis hin zu zerzausten amerikanischen Fahnen, die symbolisch vielleicht mehr über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft ausdrücken, als das so manchem Kommentator lieb wäre. Der rechte Radiomoderator Rush Limbaugh hat Nolan etwa nicht zuletzt anti-republikanische Propaganda vorgeworfen: Ihn erinnerte der Name des Widersachers an die Firma Bain Capital von US-Präsidenschaftskandidat Mitt Romney.












