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Zuletzt aktualisiert: 04.07.2012 um 15:21 UhrKommentare

"2 Tage New York"

Filmemacherin und Schauspielerin Julie Delpy präsentiert mit der Neurotische Kulturschockkomödie "2 Tage New York" die nicht ganz so originelle Fortsetzung des französischen Überraschungserfolgs "2 Tage Paris".

Julie Delpy und Chris Rock

Foto © StudioJulie Delpy und Chris Rock

Als vor fünf Jahren die Großstadtkomödie "2 Tage Paris" zum Überraschungserfolg avancierte, wurde die französische Filmemacherin Julie Delpy aufgrund ihrer ebenso pointierten wie neurotischen Beobachtungsgabe schon als legitime Nachfolgerin von Woody Allen gehandelt. Nun kommt die allroundtalentierte Künstlerin, die als Schauspielerin u.a. mit Ethan Hawke eine romantische Nacht in Wien verbrachte ("Before Sunrise"), mit der Fortsetzung "2 Tage New York" ins Kino - mit Chris Rock als neuem Lebensgefährten und Vincent Gallo in einer diabolischen Nebenrolle. Doch trotz so mancher schöner Stelle ist die Kulturschockkomödie nicht einmal halb so originell geraten wie das Original. Ab Freitag im Kino.

Die Ausgangsposition ähnelt jener vor fünf Jahren, doch das Aufeinandertreffen von französischen und amerikanischen Klischees wirkt beim Aufguss schon ein bisschen abgehangen. Die Fotokünstlerin Marion, erneut verkörpert von Delpy selbst, ist inzwischen nicht mehr mit Jack zusammen, sondern mit dem Radiomoderator Mingus (Chris Rock), dessen Name sich auf Cunnilingus reimt und zumindest bei Marions nymphomanischer Schwester Rose (Co-Autorin Alexia Landeau) und deren Freund für Gekicher sorgt. Die beiden sind mit Marions schrulligem Dad (gespielt von Delpys echtem Vater Albert) in New York zu Besuch, um diesen vom Tod der Mutter abzulenken und um Marions Patchwork-Familie endlich kennenzulernen.

Fremdschämreflex

In den kleinen gemeinsamen Haushalt kommt mit dem Besuch mächtig Trubel - und die französischen Eindringlinge kommen schnell als vulgär, dauergeil, rassistisch und drogenaffin rüber, was im überkorrekten Amerika (und damit auch beim schön spießigen Mingus) nicht besonders gut ankommt. Dass Delpy den Fremdschämreflex nicht wirklich entkräften kann, liegt vor allem daran, dass die anfänglichen Gags fast gar nicht zünden. So wirkt es fast überraschend, wie unsympathisch die Regisseurin ihre eigenen Landsleute zeichnet - bzw. karikiert. Doch mit der Zeit funktioniert der Zusammenprall der Kulturen besser, gelingen die Witze, entwickelt der Film einen passablen Rhythmus und eine gewisse Treffsicherheit.

Am lustigsten sind aber oftmals die kleinen Randgeschichten, die nicht mal unbedingt mit dem Hauptplot korrelieren müssen. Da sitzt etwa Daniel Brühl als fanatischer Umweltschützer auf einem Baum, da macht sich Chris Rock mit einem Pappaufsteller von Barack Obama Mut, da will Vincent Gallo die Seele von Marion nicht mehr zurückgeben, nachdem er sie bei deren Vernissage um relativ günstiges Geld erstanden hat. Zwischendurch streiten Delpy und Landeau zudem derart obszön und lauthals auf Französisch, dass es eine Freude ist. Schade, dass das Drehbuch ansonsten eher wie ein sehr konstruiertes Vehikel für diese Momente wirkt, auch wenn die Eskalationsstufen hübsch durchexerziert werden. An Woody Allen kommt "La Delpy" so aber vorerst nicht ran.


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