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    Zuletzt aktualisiert: 17.05.2012 um 22:26 UhrKommentare

    Wenig Applaus und Buh-Rufe für österreichische Produktion

    Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" enttäuscht: Er erinnert an einen zu langen Urlaub in Afrika. Der neue Film des Österreichers ist zu behäbig geraten. Jacques Audiards Drama überzeugt mit Hauptdarstellerin Marion Cotillard.

    Foto © APA/Reuters

    Verhaltener Applaus, ein paar Buhs, wenige Pfiffe: Die Reaktionen nach der ersten Vorführung von Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" zeigen, dass damit aus Österreich kein Favorit kommt. Und bei Weitem auch kein Skandal. In den Sexszenen mit den afrikanischen Beachboys wird nichts gezeigt, was nicht schon auf Festival-Leinwänden gelaufen wäre.

    Dabei ist der Zuschauer beim Urlaub einer 50-jährigen Wienerin am Flamingo Beach von Kenia - und der ist Seidl etwas zu lang, ja behäbig geraten, wenn auch das Publikum immer wieder lachen konnte. Beklemmend und tieftraurig hingegen die erste körperliche Begegnung der Protagonistin mit einem Schwarzen.

    Mutig und berührend die Darstellung von Margarethe Tiesel als Teresa, die nicht aufgeben will, in einem der "gekauften" Männer mehr als Sex zu finden. Seidl zeigt gerne die ungeschminkte Körperlichkeit, Speckfalten und Hängebrüste der Touristinnen. Dem Vernehmen nach hat er aus 94 Stunden Filmmaterial die nun gezeigten zwei Stunden gefertigt. Die Palme wird er dafür nicht bekommen.

    An die Nieren geht "De rouille et d'os" ("Von Rost und Knochen") des 60-jährigen Franzosen Jacques Audiard, der schon 2009 (mit "Ein Prophet") Konkurrent von Michael Haneke war. Damals bekam er mit dem Großen Preis der Jury quasi Silber. Wieder erzählt er von Außenseitern, zwischen denen sich bedächtig eine Liebes- und Vertrauensgeschichte entwickelt - in starken Bildern, mächtig, auch poetisch. Sie ist Orkawaltrainerin, die bei einem Unfall im Aquapark beide Beine verliert, er ist Faustkämpfer.

    Viel Applaus gab es nach der Premiere für die Protagonisten, die Chancen auf die Darstellerpreise haben: Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard ("La vie en rose") in ihrer ersten Rolle nach der Schwangerschaft. Ihr Partner, der Belgier Matthias Schoenaert, wird als große Hoffnung gefeiert, dem der internationale Durchbruch prognostiziert wird. Er gesteht aber: "Ich plane keine Karriere, ich lasse das Leben auf mich zukommen."

    Bestätigt wurde an der Croisette, dass Nicole Kidman als Grace Kelly in einem 25 Millionen teuren Biopic über Monacos Prinzessinnen-Legende auf die Leinwand kommen wird. Die Filmfestspiele von Cannes ist eben auch für solche Deals gut.

    CHRISTIAN UDE, CANNES

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