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    Zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 um 12:46 UhrKommentare

    David und Stephane Foenkinos im Interview

    "Nathalie küsst" (Originaltitel: "La Delicatesse") ist der bisher erfolgreichste Roman des 1974 geborenen Franzosen David Foenkinos. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Stephane, der lange als Casting-Direktor für prominente Regisseure arbeitete, hat er seinen Bestseller verfilmt. Am Freitag startet die Komödie um die ungewöhnliche Liebe einer verwitweten, bildhübschen Abteilungsleiterin (Audrey Tautou) zu einem unansehnlichen Mitarbeiter (Francois Damiens) in den österreichischen Kinos. Die APA traf die Regisseure zum Gespräch über Märchen und Träume, Audrey Tautou und Josef Hader.

    Gibt es für Ihren Roman ein Vorbild? Die Geschichte erinnert ja an Märchen wie "Die Schöne und das Biest", "Das hässliche Entlein" oder "Der Froschkönig"?

    David Foenkinos: Der Beginn ist tatsächlich wie im Märchen. Es dreht sich alles um das Glück und die Frage, wie man es zurückgewinnen kann. Wir werden tatsächlich immer wieder auf "Die Schöne und das Biest" angesprochen. Aber unsere Hauptfigur ist kein Biest. Er ist Schwede, ein Fremder, der sich ziemlich seltsam benimmt, aber man kann nicht sagen, dass er hässlich ist. Es geht eher um die Frage, warum wir von jemandem anderen angezogen werden. Es geht auch um den richtigen Zeitpunkt. Dieser seltsame Mann, Markus, erscheint im Leben von Nathalie im richtigen Moment - wenn ihr Körper sich entscheidet, wieder leben zu wollen.

    Sie hatten also keine persönlichen Erfahrungen, sondern eine Theorie vor Augen?

    David Foenkinos: Ich schreibe nicht autobiografisch, ich erfinde etwas. Dieses Buch war mein achtes Buch - und es wurde mein größter Erfolg. Es hat mehr als eine Million Exemplare verkauft - und ich habe versucht, zu verstehen, warum. Vielleicht, weil es mein persönlichstes Buch ist. Ich habe eine Menge Briefe bekommen, etwa von Frauen, die auch ihre Männer verloren haben. Als ich jung war, war ich sehr krank. Ich weiß, wie das ist, wenn man dem Tod nahe ist und wieder zu leben lernt. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass mit dem Erscheinen des Buches etwas noch nicht ganz abgeschlossen war - und so haben mein Bruder und ich entschieden, dass dies die Grundlage für den gemeinsamen Film sein könnte, den wir immer machen wollten.

    Stephane Foenkinos: Ich komme ja von der Film-Seite her, und wir hatten zuvor bereits zehn Jahre zusammengearbeitet. Wir haben einen gemeinsamen Kurzfilm gemacht und Drehbücher geschrieben. Aber als ich "La Delicatesse" gelesen habe, hatte ich das Gefühl, da ist alles, was man für einen guten Film braucht: die Story, die Figuren, Emotionen, Humor und Tiefgang.

    Wer von Ihnen hatte die Idee, Audrey Tautou zu fragen?

    David: Beide. Es war wie ein Traum.

    Wie ging der Traum in Erfüllung?

    David: Wir hatten großes Glück, dass sie sich für die Geschichte interessierte. Sie macht nur einen einzigen Film im Jahr und hatte vorher zwei Jahre lang überhaupt nichts gedreht, weil sie am Theater gespielt hat. Sie ist sehr fokussiert auf das, was sie gerade macht, sehr professionell. Das bedeutet auch: Wenn sie einmal Ja sagt, ist sie mit dem ganzen Herzen dabei.

    Stephane: Schwieriger war es, die männliche Hauptfigur zu finden. Wir versuchten, einen echten Schweden dafür aufzutreiben, aber das hat nicht funktioniert. Wir haben immer an Francois Damiens gedacht, denn physisch war er eine Idealbesetzung, aber in Frankreich ist er als Comedien und Kabarettist sehr bekannt - wie Josef Hader in Österreich, den ich außerordentlich schätze. Wir hatten gedacht, das kann nicht funktionieren. Aber er hat uns überzeugt.

    Warum erlauben Sie Markus nicht, sich zu verändern? Hätte das die Geschichte nicht glaubwürdiger gemacht?

    David: Aber das ist doch das Schöne an seiner Figur: Er ändert sich nicht. Nathalie sagt einmal: Ich liebe es, dass Du immer derselbe bist. Dieser Typ ist wie ein Fels. Das war die Idee. Wenn er wie jeder andere in dieser Situation zum Friseur gelaufen wäre und sich ein anderes Outfit besorgt hätte, wäre es eine ganz normale Liebeskomödie geworden.

    Der entscheidende Drehpunkt des Films ist der völlig überraschende Kuss. Die Vorgesetzte überfällt ihren Mitarbeiter geradezu damit. Wären die Geschlechterrollen umgekehrt, hieße das wohl sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

    David: Das einzige Mal, dass wir das gehört haben, war in den USA. Aber vergessen Sie nicht: Wir sind hier nicht in der Realität. Und es geht nicht darum, dass sie die Vorgesetzte ist. Es geht nicht um Macht. Es ist eine Komödie.

    Stephane: Wichtiger ist, dass der Kuss als dramaturgischer Wendepunkt funktioniert. Bis dahin verfolgt man die Geschichte aus ihrer Perspektive. Ab diesem Zeitpunkt ist man ganz auf seiner Seite.

    Für die Männer hat Ihr Film eine tolle Botschaft: Man kann jede Frau bekommen, egal, wie man aussieht. Für die Frauen ist sie nicht ganz so positiv. Am Ende verlässt Nathalie fluchtartig ihren Job, fährt aufs Land zu ihrer Großmutter und zieht sich dort mit Markus in traute Zweisamkeit zurück. Heißt das nicht: entweder Glück oder Karriere?

    Stephane: Der erste Teil ist richtig. Der Film macht den Männern Hoffnung: Jeder Mann kann jede Frau bekommen, wenn er nur an sich glaubt, authentisch bleibt und sich nicht verbiegt. Was die Frauen angeht, stimme ich nicht mit Ihnen überein. Im Gegenteil. Nathalie entscheidet sich, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie stellt fest, dass ihr ganzes Leben seit dem Tod ihres Mannes nur aus dem Job bestanden hat. Sie verlässt ihren Chef, der sie immer nur ausgenützt hat. Eigentlich ist es eine Botschaft der ultimativen Freiheit.


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