"Stoff der Heimat"
Die Tracht zwischen Gesinnung und Geschichte: Österreichische Doku über eine umstrittene Kleidungstradition.

Foto © Filmladen
Für die einen ist die Tracht "eine von vielen Antworten auf die Globalisierung". Für die anderen schlicht ein Instrument zur Geschichtsleugnung, "indem man eine Tracht drüber anzieht". Zwischen diesen beiden politischen Polen spannt Othmar Schmiderer in "Stoff der Heimat" ein weites Feld auf, das von Lederhosen und Dirndln bis hin zum Kopftuch und der Dirndl-Moschee reicht. Da finden sich heimatverbundene Politiker ebenso wie nationalismuskritische Intellektuelle, gepflegte Bräuche und Tänze ebenso wie homosexuelle Schuhplatter und weltoffene Modedesigner. Das bunte Panoptikum einer umstrittenen Kleidungstradition, das der österreichische Filmemacher zusammengetragen hat, läuft ab Freitag (13. April) im Kino.
Schmiderer hat sich in Österreich, Bayern, Südtirol und der Schweiz umgesehen, prominente Gesprächspartner aus Politik, Mode und Kultur gefunden und einige wunderbare Zitate eingefangen. "Tracht ist auch Ausdrucksform der inneren Gesinnung, der Kultur, die wir lieben, eine Bindung an die Geschichte, an die Sprache, an den Grund und Boden", formuliert etwa der konservative Südtiroler Politiker Luis Durnwalder und schlägt damit in dieselbe Kerbe wie die Landespolitiker Erwin Pröll und Josef Pühringer (beide V). "Wir könnten jeder Migrantin zum Asylantrag ein Dirndl übergeben", hält dem die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz spitz entgegen.
Die Geschichte, die an Begriffe wie Kameradschaft und Volksgemeinschaft geknüpft ist und an Heimwehren, Nazis und andere Verbindungslinien denken lässt, wird bei Schmiderer ebenso thematisiert wie die Bedeutung und die Symbolkraft des Trachtengewands heute, wenn es um die Konstruktion von Identität geht. Freigelegt wird schlussendlich ein dichtes Netz aus Einstellungen, Bekenntnissen und Widerständen, die der Film in ein großes Ganzes gießt. Dass hier dennoch immer wieder Redundanzen auftauchen, manche Position verwaschen bleibt und die Struktur unter der Anhäufung von Informationen leidet, lässt den Film allerdings schlussendlich an vielen Stellen zu lang wirken - trotz des spannenden Themas.












