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Zuletzt aktualisiert: 10.11.2011 um 20:55 UhrKommentare

Ein Blick in die Mülltonnen unserer Welt

Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landen im Müll. Zur Premiere von "Taste The Waste" kommt der Regisseur Valentin Thurn heute ins Grazer Kiz Royal Kino und stellt sich einer Publikumsdiskussion. Ein Gespräch zum Film.

Foto © DPA

Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel, erklärt Thurn, lande im Müll. Das meiste schon auf dem Weg vom Acker zum Esstisch, bevor es uns Verbraucher überhaupt erreicht. Jeder zweite Kopfsalat, jeder zweite Erdapfel und jedes fünfte Brot. Und das führt auf Dauer zu Erderwärmung und Hungersnöten.

Wie? "Die Landwirtschaft", so der Filmer, "ist für mehr als ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich, der Abbau der Lebensmittel verbraucht Energie und Dünger und zerstört immer mehr Regenwälder. Wenn Nahrungsmittel auf dem Müllhaufen verrotten, entweicht zusätzlich Methangas, das bei der Erderwärmung 25 Mal so stark wirkt wie Kohlendioxid."

Und der Welthunger? "Der entsteht, wenn wir an der Preisschraube drehen. Weizen wird auf dem Weltmarkt gehandelt. An den Börsen. Die reagieren auf Angebot und Nachfrage. Wenn ich etwas esse, erzeuge ich Nachfrage. Aber auch, wenn ich einen Laib Brot wegwerfe. Wenn also die Dritte Welt hungert, dann nicht, weil es zu wenig gibt, sondern weil sich die Menschen dort die Preise nicht leisten können."

Die Gier, ergänzt er, sei eine der Eigenschaften, die immer wieder für Katastrophen sorgen: "Die Gier eines Systems, das immer wachsen, wachsen muss. Das ist Wachstum um seiner selbst willen. Und dieses Wachstum ist dann zum Teil in den Mülltonnen."

Kein exotisches Randthema

Die Initialzündung für "Taste The Waste" entstand bei Valentin Thurn, als er vor vier Jahren eine Doku über die sogenannten "Mülltaucher" drehte, junge Leute, die ihre Lebensmittel aus den Supermarkttonnen beziehen. "Mir sind", berichtet er, "schier die Augen rausgefallen, als ich gesehen habe, was da alles drinnen ist. Einmal war eine halbe Tonne allein mit Schokoriegeln gefüllt! Erst dachte ich, dies sei ein exotisches Randthema, aber am Ende erkannte ich, welche Riesenmengen an Warenwerten das waren."

Warum handeln Supermärkte so? "Nichts ist so gut untersucht wie das Einkaufsverhalten. Diese Firmen tun ja nichts, was sich nicht rentiert. Und die übliche Vorgangsweise ist tatsächlich in ihrem Interesse. Wichtig ist, dass die Regale immer voll sind, weil das den Kunden Überfluss vermittelt. Sie haben unglaubliche Angst, dass der Kunde einmal sein Lieblingsjoghurt oder sein Lieblingsbrot nicht bekommt - und dann zur Konkurrenz geht. Das Wegwerfen ist genau einkalkuliert. Bei zehn verkauften Joghurt-Bechern bezahlen wir zwei mit, die weggeworfen werden."

Brot ist ein besonders gutes Beispiel: "20 Prozent der Tagesproduktion landen im Müll. Das ist Wahnsinn!"

Jeder Einzelne, sagt Valentin Thurn, könnte viel beitragen, indem er seinen Verbrauch so reguliert, dass er nicht zu viel einkauft: "Wir alle wissen, wie verführbar wir sind. Dem kann man auf einfachste Art entgegensteuern. Mit dem guten, alten Einkaufszettel. Der ist vielleicht ein bisschen aus der Mode, aber sehr, sehr wirksam."

"Taste The Waste", ab heute im Kino

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