"Ein Oscar wäre Betriebsunfall"
Regisseur Roland Emmerich über "Anonymus" und die Zeit nach 2012.

Foto © SONYRegisseur Emmerich (rechts) mit seinen Hauptdarstellern Rhys Ifans und Vanessa Redgrave
In seinem Geburtsort Stratford wurde bereits gegen die Zweifel an Shakespeare protestiert. Gut für Sie?
ROLAND EMMERICH: Natürlich gut. Es hätte mich verstört, wenn das nicht der Fall gewesen wäre.
Die Diskussion um die Urheberschaft der Shakespeare-Werke ist ja nicht neu. Ihre Meinung?
EMMERICH: Anfangs hatte ich keine Zweifel an Shakespeare. Sie kamen aber im Verlauf der Arbeiten am Film. Der Earl of Oxford ist wirklich der plausibelste Kandidat.
Wie haben Sie selbst Shakespeare entdeckt?
EMMERICH: Durch seine Sonette. Wenn man die liest, glaubt man wirklich nicht, dass die der einfache Mann aus Stratford geschrieben haben kann.
Wie wäre Ihnen, würde man Sie, den "Katastrophenfilmer", für "Anonymus" plötzlich für den Oscar nominieren?
EMMERICH: Das wäre wie ein Betriebsunfall. Doch bei den Schauspielern, bei der Kamera und den Kostümen ist derlei vorstellbar. Nebenbei: Ich habe nur zwei Katastrophenfilme gedreht: "The Day After Tomorrow" und "2012". "Independence Day" war Science-Fiction.
Lesen Sie Kritiken?
EMMERICH: Ich will keine Depressionen kriegen.
Wie war es überhaupt möglich, dem großen Hollywood-Studio Sony Shakespeare einzureden?
EMMERICH: War gar nicht so schwer, nachdem "2012" 769 Millionen Dollar eingespielt hatte. Und da wir keine sündteuren Bauten brauchten - das alte London ist digital gemacht -, kamen wir mit 22 Millionen aus. Für mich ein unglaublich niedriges Budget. Sie werden es im Kino nicht merken.
Sony wollte zunächst US-Stars?
EMMERICH: Ganz am Beginn, als das Budget noch höher war. Meine Bedingung waren aber britische Akteure.
Ihr nächster Film?
EMMERICH: "Singularity". Spielt 40 Jahre in der Zukunft. Das Computer-Netzwerk Skynet versucht, die Kontrolle über die Welt zu übernehmen.
Und was, wenn - wie in "2012" prophezeit - der Weltuntergang beginnt?
EMMERICH: Ich habe ein Paar Schi vorbereitet, mit denen ich mich auf einen hohen Berggipfel stelle.












