"Höhle der vergessenen Träume"
Wortlastige und langatmige 3D-Doku von Werner Herzog über die spektakulären und ältesten bekannten Höhlenmalereien der Welt.

Foto © Studio
Werner Herzog hat einen Kultstatus erreicht, der scheinbar kaum noch Rezensenten, sondern hauptsächlich Bewunderer auf den Plan ruft. Anders lässt es sich kaum erklären, dass "Die Höhle der vergessenen Träume" bisher in den wenigsten Medien auf Kritik gestoßen ist. Keine Frage, Herzogs einmalige und außergewöhnliche Expedition in die Chauvet-Höhle im französischen Ardeche-Tal beinhaltet vergleichsweise spektakuläre Bilder von den ältesten bekannten Höhlenmalereien der Welt. Doch die subjektive Doku, die am Freitag ins Kino kommt, ist gleichzeitig viel zu wortlastig und langatmig sowie teilweise esoterisch und selbstbeweihräuchernd. Und das wäre angesichts des 32.000 Jahre alten Motivs gar nicht nötig.
Dass der 69-jährige Ausnahmeregisseur überhaupt Zutritt zur 1994 entdeckten und für die Öffentlichkeit gesperrten Höhle bekam, verdankte er einer exklusiven Dreherlaubnis des französischen Kulturministeriums. Herzog durfte an sechs Tagen für jeweils vier Stunden in die Wunderwelt, in der Stalagmiten und Stalaktiten einander entgegen wachsen und deren Wände mit archaischen Tierdarstellungen verziert sind. Mit einer 3D-Kamera und nur vier batteriebetriebenen Strahlern, die zwar wenig Licht geben, aber dafür für eine umso geheimnisvollere Stimmung sorgen, zeigt er die beeindruckenden Schraffuren und Staffelungen auf den unebenen Wänden und Felsvorsprüngen, stets begleitet von seiner interpretierenden Off-Stimme.
Herzog dokumentiert damit nicht nur, sondern bastelt sich im gleichen Moment einen mythischen und mythologisch beeinflussten Eindruck der vergangenen Wirklichkeit. Ergänzt werden diese teils erhellend philosophischen, teils fast schon kitschigen Annahmen durch Interviews mit Archäologen und Wissenschaftern, aber auch durch ironisch kommentierte Gespräche mit Figuren wie dem Meisterparfümeur Maurice Maurin, der von sich behauptet, Höhlen dank seines Geruchssinns finden zu können. In seiner typischen Manier kommt Herzog dabei vom Hundertsten ins Tausendste, rekonstruiert und idealisiert, kommt vom Weg ab und landet beim Kulturverständnis von Albino-Krokodilen oder dem Herzklopfen vergangener Völker.
Warum er seinem Sujet nicht stärker vertraut, mehr seine Bilder sprechen lässt und die Staunen machenden Motive, die er mit modernster Technik zum Leben erweckt, das ist leider ebenso wenig verständlich wie die Redundanzen und das ständige Betonen der Besonderheit des Gefilmten. Dieser Außergewöhnlichkeit ist man sich bereits nach wenigen Minuten bewusst - und spätestens nach einer Stunde würde man sich wünschen, dass Herzog ähnlich fokussiert gearbeitet hätte wie etwa in den Oscar-prämierten "Begegnungen am Ende der Welt". Nichtsdestotrotz hat die Doku, die im Auftrag des History Channels entstand, wieder gute Oscar-Chancen, avancierte der Film in den USA doch zum erfolgreichsten Dokumentarfilm des Jahres.












