"Eine ganz heiße Nummer": Lachen über Klischees
Erzkonservative Bayern und ein Sextelefon sorgen in dieser deutschen Komödie für Unterhaltung.

Foto © Universum Film
Ein verschlafenes Dorf in Niederbayern, ein strenger katholischer Pfarrer und Sex - das sind die Zutaten für die Komödie "Eine ganz heiße Nummer", die ab Mittwoch in Österreichs Kinos läuft. Eine Aneinanderreihung von Klischees, so scheint es. Und in der Tat bedient der Film Vorurteile, die viele gegenüber einem Dorf im Bayerischen Wald haben. Hinter schmucken Fassaden wird getratscht und intrigiert. Sonntags in der Kirche beten alle fleißig. Und nachts spaziert der Pfarrer durch die Gemeinde und achtet darauf, dass seine Schäfchen nicht vom Pfad der Tugend abkommen. Ein Bayern fernab der Realität.
Geschmeichelt und gestöhnt
Dass der Film trotzdem unterhält und bisweilen auch komisch ist, liegt an den Schauspielern: Gisela Schneeberger, Rosalie Thomass und Bettina Mittendorfer als fröhliches Damentrio, das aus Angst vor der Schließung ihres Tante-Emma-Ladens sein Geld nun mit Telefonsex verdienen will. Nachdem die Zettel mit der kostenpflichtigen "heißen Nummer" erst einmal anonym verteilt sind, wird viel geschmeichelt und gestöhnt - allerdings nur in den Telefonhörer. Die Anrufer können zwischen Sarah, Lolita und Maya wählen. Die eine schnurrt, die andere schimpft und die dritte steht auf tiefsinnige Gespräche. Das Geschäft floriert.
Bloß herauskommen darf der flotte Verdienst der Damen aus dem Tante-Emma-Laden nicht. Deshalb ist es umso unverständlicher, dass die drei so nachlässig sind. Denn gestöhnt wird nicht nur im geheimen Kämmerlein. Im Maisfeld, mitten im Tante-Emma-Laden und sogar in der Kirche bedienen die Freundinnen ihre liebeshungrigen Kunden. Und bald ist er da, der Skandal - nicht im "Sperrbezirk", sondern mitten in der heilen Dorfidylle.
Ein bisschen schämt man sich für die Freundinnen, dass sie im Verbergen nicht geschickter sind. Fast möchte man rufen: Mach doch die Tür zu! Oder geh wenigstens ins Hinterzimmer! Doch so müssen die argwöhnischen Nachbarn nicht sehr raffiniert sein, um das lukrative Treiben aufzudecken. Vor allem Frau Bürgermeister (Monika Gruber) hat keine Ruhe, bis sie nicht alles bis ins Kleinste ausspioniert hat. Und über allem schweben die mahnenden Worte des Pfarrers (Sigi Zimmerschied): "Gott sieht alles!"
Die Geschichte hätte gewonnen, wenn ihren Protagonisten mehr zugetraut worden wäre, vor allem mehr Raffinesse und Lebensklugheit. Schließlich geht es auch um wirkliche Probleme, etwa wenn das Dorf in seiner Existenz bedroht ist, weil die nahe Glashütte als großer Arbeitgeber vor der Pleite steht. So aber wirken die Figuren ein bisschen sehr naiv, eben so, wie sich der Städter die Unschuld vom Lande gern vorstellt. Fazit: Nette, harmlose Unterhaltung und eine etwas konstruierte Geschichte, bei der zweideutige Witzeleien und ein bisschen Situationskomik für einige Lacher sorgen.












