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Zuletzt aktualisiert: 02.08.2011 um 17:42 UhrKommentare

"Das Hausmädchen"

Kalt ist die Welt der Reichen, in welche die gutmütige Eun-yi als Hausmädchen kommt. Und sie wird gefährlich, als die neue Hausangestellte vom Hausherrn schwanger wird. Ein südkoreanischer Psychothriller in bester Chabrol-Manier.

Foto © Sony

Kalt ist die Welt der Reichen, in welche die gutmütige Eun-yi als Hausmädchen kommt. Und sie wird gefährlich, als die neue Hausangestellte vom Hausherrn schwanger wird: Diese Grundkonstellation schildert "Das Hausmädchen" (Hanyo) des südkoreanischen Regisseurs Im Sang-soo. Basierend auf Kim Ki-youngs gleichnamigem Klassiker des südkoreanischen Kinos, entspinnt sich nach bester Chabrol-Manier ein Kammerspiel, in dem hinter der Fassade des Bürgerlichen stets das Grauen schlummert, das sich sukzessive an die Oberfläche schleicht.

Am Anfang von "Das Hausmädchen" steht ein semidokumentarischer Prolog, der Eun-yi bei der Arbeit in einem Fast-Food-Lokal zeigt - ein lebhaftes, asiatisch-quirliges Seoul entfaltet sich vor den Augen des Betrachters. Allerdings kündigt bereits hier der geradezu beiläufige Selbstmord einer jungen Frau von Unheil. Diese Welt der Straße wird kontrastiert mit dem stillen, enthobenen Mikrokosmos der Villa des Industriellen Hoon (Lee Jung-jae) und seiner Familie, in die Eun-yi (Jeon Do-youn) als Hausmädchen aufgenommen wird. Die Insignien der Macht entsprechen hier denen des Westens: Teurer Rotwein, Espresso, Juwelen, klassische Musik.

Lakonische Figurenführung

Eun-yi soll der mit einer Zwillingsschwangerschaft geschlagenen Hausherrin Hae-ra (Seo Woo) zur Hand gehen, unter Anleitung der gestrengen Hausdame Byung-sik (Youn Yuh-jung). Bald nimmt sich Hoon allerdings, was er will, und beginnt eine Affäre mit seiner neuen Untergebenen, die prompt schwanger wird. Die Situation eskaliert, als Hausdame Byung-sik die Ehefrau und deren Mutter von der Schwangerschaft unterrichtet, welche die beiden Frauen um jeden Preis unterbinden wollen. "Reiche Männer betrügen ihre Frauen - das gehört einfach dazu", so die zynische Analyse von der Schwiegermama (Park Ji-young). Was nicht bedeutet, dass man die Folgen toleriert.

Regisseur Im (49) erweist sich in seinem sechsten Spielfilm als Meister der lakonischen, eindrücklichen Figurenführung. Jeder Charakter hat ein Eigenleben, existiert nicht nur aus der Beziehung zueinander. Dabei muss über die konkreten Situationen wenig gesprochen werden, sie werden gezeigt, oftmals a la Ingmar Bergmann mit überkreuzten Nahaufnahmen.

Als Sinnbild für Hoon als Mann zwischen zwei Frauen, wird dieser im vor der Kamera inszenierten Splitscreen zwischen zwei Räumen gezeigt. Allerdings wird der vermeintlich dominante Hausherr im Verlaufe der Plots marginalisiert, wenn Im mit Hausmädchen/Hausdame sowie Ehefrau/Schwiegermutter zwei gespiegelte Frauenpaare gegeneinander antreten lässt. Ein dunkles Psychogramm, das zugleich einen Blick auf die Klassenverhältnisse im Südkorea des Jahres 2010 erlaubt.


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