"Wasser für die Elefanten"
Österreichischer Oscarpreisträger Christoph Waltz und eine Elefantendame sind die wahren Stars in der US-Zirkus-Romanze. Robert Pattinson und Reese Witherspoon können sich nicht überzeugend etablieren.

Foto © Twentieth CenturyChristoph Waltz und Reese Witherspoon
Einen amerikanischen Wanderzirkus zur Zeit der Großen Depression hat sich Österreichs aktueller Lieblings-Export und Oscarpreisträger Christoph Waltz als nächsten Schritt in Hollywood ausgesucht. Den Zirkus leitet er als manisch-cholerischer Direktor mit starker Hand und Wiener Charme in "Wasser für die Elefanten", der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Sara Gruen. Neben "Twilight"-Schönling Robert Pattinson und der Hollywood erprobten Reese Witherspoon ist es Waltz, der das allzu vorhersehbare Liebesdreieck von Francis Lawrence samt Zirkuszauber und Zeitreise durchaus unterhaltsam gestaltet. Am Freitag (29.4.) startet die historische Romanze in unseren Kinos.
Als Jacob Jankowski (Pattinson) kurz vor seinem Uni-Abschluss als Veterinärmediziner steht, kommen seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben. Mit Schulden statt Erbe belastet und ohne Lebensplan springt er orientierungslos auf einen Zug gen neue Zukunft auf - und landet unsanft in den Waggons der "Benzini Bros. Most Spectacular Show on Earth". Vom Zirkusdirektor August (Waltz) anfangs als Wasserträger für die nicht existenten Elefanten verhöhnt und beinahe aus dem Zug geworfen, offenbart sich Jacob als Beinahe-Tierarzt plötzlich als Glücksgriff für den finanziell angeschlagenen Zirkusbetrieb.
Gemeinsam mit Marlena (Witherspoon), die August einst von der Straße aufgelesen und sowohl zum Star des Zirkus als auch zu seiner Ehefrau gemacht hat, nimmt der charismatische Zirkusleiter und Tierdompteur den Jungspund auf. Doch der Ankauf der Elefantendame Rosie, die den Zirkus zu dem berühmtesten seiner Art erheben soll, offenbart die dunklen Seiten des eloquenten Charmeurs. Und während August seine Wut in unkontrollierbaren, cholerischen Anfällen an dem Elefanten auslässt, kommen sich Marlena und Jacob durch die Zuneigung zum gequälten Tier näher.
Zarte Pastellfarben
Nicht schrill, bunt und laut, sondern in zarten Pastellfarben hat Francis Lawrence den Wanderzirkus der "Benzini Bros." aus Sara Gruens Roman wiedererweckt. Doch die Stimmung der Gegensätzlichkeit zwischen dem bunten Spektakel für das Publikum im Zirkuszelt und der Gnadenlosigkeit gegenüber den Tieren sowie den unmenschlichen Arbeitsbedingungen hinter den Kulissen will im Film nicht so ganz rüberkommen - zu sanft, zu wenig schmutzig setzt Lawrence die Geschichte in Szene. Durch den Fokus auf das Liebesdreieck geht auch die Atmosphäre Anfang der 30er Jahre - die Verzweiflung, Armut und Aussichtslosigkeit, die die Arbeiter in die Abhängigkeit des umsatzfixierten Zirkusdirektors treibt - verloren.
Den Charakteren selbst fehlt es - mit Ausnahme von Waltz' Rolle - an Tiefe. Pattinson schafft es zwar, sich von seinem Image als bleicher Teenie-Vampir zu emanzipieren, geht aber aufgrund von mangelndem Charisma neben Waltz unter und lässt die Beziehung zur wesentlich älteren Witherspoon unglaubwürdig erscheinen. Der sonst so starken Darstellerin fehlt wiederum nicht nur die Chemie in ihrer Beziehung zum jungen Feschak, sondern auch die Mehrdimensionalität. Die guten Sätze und Momente bleiben Waltz' Charakter überlassen. Als bedrohlicher, manischer Psychopath und Tierquäler blüht er ebenso auf wie als zweischneidiger Charmeur, der seine Ehe und Würde in Gefahr sieht.
Was der Musikvideo-Regisseur Francis Lawrence bei seinem dritten Film nach "Constantine" und "I Am Legend" verabsäumt, versucht Waltz auszufüllen: Die Rolle scheint ihm wie auf den Leib geschneidert und verleiht dem sonst wenig stimmigen, die Spannung abrupt aufbauenden Film in Interaktion mit den anderen Charakteren das gewisse Etwas, das die zwei Stunden schnell vergehen lässt. Was an optischer Opulenz und tiefgehender Romantik zu wünschen übrig lässt, gleichen Waltz und sein würdiges Gegenüber - die Elefantendame - wieder aus.













