"Red Riding Hood": Teenie-Drama im Wolfspelz
"Twilight"-Regisseurin Catherine Hardwicke erzählt das Märchen von Rotkäppchen im modernen Gewand. Jungstar Amanda Seyfried tanzt mit dem Werwolf und überzeugt mit starker Leinwandpräsenz.

Foto © www.redridinghood-derfilm.de Amanda Seyfried als Rotkäppchen
Brave Mädchen sind komplett aus der Mode gekommen. Die Welt gehört den anderen, den bösen Mädchen, die schon mal etwas riskieren, aufs Ganze gehen, sich mit dem Wolf einlassen. Umso besser, wenn der, so wie in dem Film "Red Riding Hood", in Gestalt eines süßen Buben daherkommt. "Ich könnte dich auffressen", sagt der Bursche einmal beim Liebesspiel im Heu. Die junge Frau scheint das nicht weiter zu stören. Am Donnerstag (21. April) startet der Film in unseren Kinos.
Gleich zu Beginn wird klargestellt, dass die strahlend schöne Heldin in diesem Fantasy-Thriller natürlich nicht zur Sorte brave Mädchen gehört. Valerie (Amanda Seyfried) ist verliebt in den verwegenen, aber bitterarmen Holzfäller Peter (Shiloh Fernandez), nach dem Wunsch ihrer Eltern soll sie aber den wohlhabenden Schmied Henry (Max Irons) heiraten.
Die Liebenden wollen fliehen, da wird Valeries Schwester von einem Wolf gemeuchelt. Das Dorf versinkt in Angst und Schrecken, der finstere Wolfsjäger Solomon (Gary Oldman) übernimmt mit eiserner Hand das Kommando, und bald wird klar: Der Wolf ist einer aus dem Dorf, ein Mensch, der sich nachts in eine Bestie verwandelt. Da muss ja dann irgendwann - wie im "Rotkäppchen"-Märchen - die Frage auftauchen: "Großmutter, warum hast Du so große Zähne?"
Jugendliche Gefühlswelten
Die amerikanische Regisseurin Catherine Hardwicke genießt seit ihrem knallharten Pubertätsdrama "Dreizehn" (2003) den Ruf, sich gut in jugendliche Gefühlswelten einfühlen zu können. Sie übernahm die Regie beim ersten "Twilight"-Film und legt jetzt ein überladenes, aber glänzend besetztes Update des Rotkäppchen-Märchens vor. "Red Riding Hood" ist ein Bastard aus Thriller, Märchen, Gruselfilm und Liebesdrama, der durchaus packend ist, auch wenn die haarsträubende Geschichte am Ende arg konstruiert wirkt.
Trotzdem fesselt dieses Teenie-Drama im Wolfspelz mit starken Protagonisten. Gary Oldman gibt sehr überzeugend den zynischen Großinquisitor, der seine ganz private Hexenjagd abhält. Die wunderbare, unglaublich attraktive Julie Christie spielt eine agile Großmutter, die immer ein heißes Süppchen auf dem Feuer hat, aber auch eine eiskalte Rächerin zu sein scheint. Und dann ist da noch die Frau, die mit dem Werwolf tanzt. Amanda Seyfried zieht alle Blicke auf sich. Der Jungstar verfügt über eine starke Leinwandpräsenz, und so schafft es die 25-Jährige fast spielend, in ihren makellosen Zügen die Angst, Lust und Begierde eines so gar nicht braven Mädchens glaubhaft zu zeigen.
Die Epoche bleibt allerdings reine Kulisse. Wenn die Dörfler ihren Mummenschanz abhalten, sieht das so aus wie beim Mittelalter- Spektakel im Museumsdorf. Dazu hören wir Rockmusik. Schauspieler in makellos sauberen Kostümen machen sich mit viel Fackeln und Brimborium auf die Wolfsjagd. Die beiden Newcomer Shiloh Fernandez und Max Irons sind keine dreisten Waldschrate, sondern scheinen mit ihren modisch verwuschelten Frisuren geradewegs aus einem Fitness- Studio in Beverly Hills zu kommen.












