Von Tod und Teufel und von "Bambi"
Anthony Hopkins liebt es einmal mehr unheimlich: Der Oscar-Preisträger für "Das Schweigen der Lämmer" verkörpert in "Das Ritual" Pater Lucas, den Parade-Exorzisten des Vatikans.

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Sir Anthony, bevor es ums Eingemachte, also um den Satan geht, wäre die Frage zu klären: Wie gläubig sind Sie?
ANTHONY HOPKINS: Was erwarten Sie von einem, der einen Atheisten als Vater und einen Marxisten als Großvater hatte?
Sind Sie demnach Atheist?
HOPKINS: Nein, der Gesinnung eingefleischter Atheisten kann ich mich nicht anschließen. Ich bin zwar ohne kirchliche Prägung aufgewachsen, doch dann kam es in meinem Leben zu einer großen Krise. Da sucht man Beistand und findet auch Gefallen an der Idee einer göttlichen Kraft. Ich jedenfalls fand Hilfe, tauchte durch diese Krise, und am Ende des Tunnels stand das Angebot für "Das Schweigen der Lämmer". Zweifellos der Film, der mein Leben veränderte.
Pater Lucas sagt im Film: "Du kannst dich entscheiden, nicht an den Teufel zu glauben. Aber das schützt dich nicht vor ihm." Wie steht's denn um Sie und den Teufel?
HOPKINS: Ich weiß es nicht. Schon ein Sokrates bekannte: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Bei allen fixen Vorstellungen ist es nicht schlecht, wenn man in seiner Gedankenwelt immer ein Fenster offenlässt. Wenn man etwa in seiner Sterbestunde an etwas glaubt, geht man wahrscheinlich leichter von dieser Erde.
Der Film entstand nach dem Roman von Matt Baglio, und dieser Roman basiert angeblich auf wahren Begebenheiten. Ist Exorzismus für Sie dennoch ein Hokuspokus - oder doch etwas Reales?
HOPKINS: Ich erinnere mich nur an einen Mitschüler am College, der zunächst ziemlich normal war. Auf einmal veränderte sich sein Wesen. Aber da kann man doch nicht gleich behaupten, dass er vom Teufel besessen war. Man könnte es simpel als Geisteskrankheit bezeichnen. Jedenfalls zeigte er Anzeichen von Schizophrenie, und er landete am Ende in der Nervenheilanstalt. Und da waren auch noch zwei hochinteressante Gespräche mit einem jungen Priester aus Sydney.
Vor dem "Ritual"?
HOPKINS: Die Gespräche fanden auch in Rom statt, aber vor elf Jahren. Er fragte mich, warum ich nicht Katholik sei. Ich antwortete, dass ich mich dafür nicht gut genug fühlte. Darauf er: "Na dann, willkommen in der menschlichen Gesellschaft!" Denn auch er selbst fühle sich nicht gut genug, hege höchste Zweifel, habe wahrscheinlich seinen Glauben verloren. Er trage sich mit dem Gedanken, die Kirche zu verlassen. Trotzdem war er ein Mann mit großem Humor.
Wie ist Ihnen dann, wenn Sie, wie im jetzigen Fall, die Rolle eines Exorzisten annehmen?
HOPKINS: Da spielt die Frage, wie gläubig ich bin, überhaupt keine Rolle. Ich bin Schauspieler, mein Lieber. Sie rufen mich also an und fragen, ob ich einen Exorzisten spielen möchte, der teils auch vom Teufel besessen ist. Ich schaue dann, ob die Rolle gut ist und ob Sie mich gut bezahlen. Dann sage ich: "Yes!" Wenn Sie mich besonders gut bezahlen, lese ich auch das Telefonbuch.
Also kein Ehrgeiz mehr?
HOPKINS: Sagen wir so: Ich nehme die Dinge nicht mehr so ernst. Und mich auch nicht. Ich bin heutzutage absolut relaxed und mit meinem Leben sehr zufrieden. Ich kreuze auf dem Set auf und mache meinen Job nach bestem Wissen und Gewissen.
Wer hat Ihnen den besten Tipp für die Schauspielerei gegeben?
HOPKINS: Katharine Hepburn, gleich bei meinem ersten Film "Löwe im Winter". Sie sagte: "Spiel' nicht so viel. Weniger ist mehr." Das war absolut richtig. Ich meine: Es ist nichts Falsches dran, wenn man sich in eine Rolle mit größter Intensität hineinsteigert. Aber mit ein bisschen weniger Anstrengung geht es auch.
Heißt das, dass Sie sich heute nicht mehr anstrengen müssen?
HOPKINS: Ja. Ich bin doch schon so lange im Beruf. Da halte ich mich auch ein bisschen an die "Clint Eastwood Schule": "Schau' in die Kamera und tu was!"
Gibt es Filme, bei denen Sie sich selbst besonders gefürchtet haben?
HOPKINS: Der erste Film, den ich sah, war "Bambi". Da war ich erschrocken, weil ich beim Brand auf der Leinwand glaubte, der ganze Saal würde brennen. Und als dann die Szenen kamen, in denen es regnete, dachte ich, wir würden alle nass werden. Später sah ich "Schneewittchen". Und da hat mich der Charakter der bösen Stiefmutter fasziniert. Besonders die Momente, als sie Schneewittchen überredete, den vergifteten Apfel zu essen. INTERVIEW: LUIGI HEINRICH
Features
Zur Person
Anthony Hopkins, geboren am 31. 12. 1937 in Margam, Wales.
Schauspieler: "Eine unheimliche Liebesgeschichte", "Das Schweigen der Lämmer" (Oscar 1992), "Wiedersehen in Howards End", "Was vom Tage übrig blieb", "Nixon", Amistad", "Der menschliche Makel".
Seit 2003 in dritter Ehe mit der kolumbianischen Schauspielerin Stella Arroyave verheiratet, lebt in den USA.












