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Zuletzt aktualisiert: 12.01.2011 um 14:46 UhrKommentare

Feministischer Streik: "We want Sex"

Die britische Arbeiterkomödie par excellence: 187 Frauen erringen in Nigel Coles Film die Lohngleichheit im Großbritannien der 1960er Jahre und starten Englands ersten feministischen Streik.

Foto © Ascot Elite

Ritas Kampf zwang den mächtigen Ford-Konzern in die Knie - und kurz darauf das männlich dominierte Establishment des gesamten Landes: In seinem neuesten Agitpropwerk "We want Sex" widmet sich Regisseur Nigel Cole dem Kampf der Arbeiterinnen des Dagenhamer Automobilwerks unter Führung von Rita O'Grady (Sally Hawkins) um gleiche Löhne wie die männlichen Kollegen. Cole modelliert den Kampf um Emanzipation zu einer klassischen, britischen Arbeiterkomödie und einem Porträt der Unterschicht zu beginnender Umbruchphase. Der reale Streik der 187 Näherinnen im bedeutungsschwangeren Jahr 1968 hatte zwei Jahre später schließlich in Großbritannien das Gesetz über die Lohngleichheit zur Folge. Am Freitag (14. Jänner) startet der Film in den heimischen Kinos.

Lediglich 187 von 55.000 Arbeitern des veralteten Ford-Werks nahe London sind 1968 weiblich - entsprechend ignoriert die maskuline Führungsriege die Anliegen der Näherinnen, die gegen die Einstufung als ungelernte Kräfte und die Unterbringung im heruntergekommensten Teil der Fabrik protestieren. Aus der Ablehnung heraus nährt sich der Widerstand der Frauen, an deren Spitze sich Rita O'Grady setzt. Und so entsteht aus einem lokalen Warnstreik bald eine landesweite Protestwelle, an deren Ende sich die neue Labour-Ministerin für Arbeit und Produktivität, Barbara Castle (Miranda Richardson), erfolgreich für die Frauen einsetzt.

Nachdem Regisseur Cole zuvor mit "Kalender Girls" und "Grasgeflüster" eher die finanziellen Problemen der Mittelklasse ins Auge genommen hatte, stellt er sich mit "We want Sex" in die Tradition von Kollegen wie Ken Loach, Mike Leigh oder Mark Herman, indem er den Fokus auf die britische Arbeiterschaft und ihren Alltag legt. Mit einem großen Ensemble aller Altersstufen porträtiert Cole liebevoll die englische Unterschicht der Vorstadt in der Zeit der 1968er. Um dabei seinen Authentizitätsanspruch zu untermauern, montiert der Regisseur wiederholt Werbefilme und Nachrichtenschnipsel ein.

Arbeiterinnen im BH

Zugleich nähert sich der Film seinen Hauptfiguren ungeachtet ihrer Vielzahl mit augenzwinkerndem Blick fürs Detail. Da wird ob der Hitze in der Fabrik im BH gearbeitet und den wenigen Männern, die sich in den Arbeitsbereich der Näherinnen trauen, das Leben schwer gemacht. Er habe gegen Rommel gekämpft, aber vor der Kraft der Frauen habe er Angst, bekennt Gewerkschafter Albert (Bob Hoskins), der dennoch über weite Strecken der einzige Mann sein wird, der sich hinter den Kampf der Frauen stellt.

Diese schreiten schließlich mit Thermoskanne zum Streik, bewältigen daheim die sich aus der Rollenumkehr ergebenen Zerwürfnisse und setzten sich auch gegen die im chauvinistischen Grundkonsens verhafteten Altgewerkschafter durch. Und so erreichen die Damen schließlich nach harter Verhandlung bei Ministerin Castle ihr Ziel - ohne es zu verabsäumen, en passant einen kleinen Plausch über die günstige Mode von C&A zu halten.

Während "Happy-go-Lucky"-Star Sally Hawkins die Entwicklung von der braven arbeitenden Hausfrau zur Ikone für den Kampf um gleiche Rechte durchlebt, spielt Rosamund Pike ("James Bond: Stirb an einem anderen Tag") als Managergattin Lisa Hopkins einmal mehr die elegante Dame, die sich allerdings mit ihren Geschlechtsgenossinnen solidarisiert. "We are ladies - whatever anyone else may say", wie es eine der damaligen Aktivistinnen im Abspanninterview ausdrückt.

Ein Rätsel bleibt allerdings, wie Cole auf die Idee kommen konnte, sein Werk mit dem irreführend-anzüglichen Titel "We want Sex" zu brandmarken. Ursächlicher Anlass ist der Fauxpas der Demodebütantinnen, die versehentlich beim Banner "We Want Sex Equality" auf das Ausrollen des letzen Wortes vergessen. Der charmant-emanzipatorischen Charakterkomödie hätte ein weniger altherrenwitzlerischer Titel besser zu Gesicht gestanden.


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