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Zuletzt aktualisiert: 27.11.2010 um 15:36 UhrKommentare

Zu viel Horror in Kinderfilmen?

"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes": Horror- oder Fantasyfilm? In der Steiermark wurde der Film erst ab zwölf Jahren frei gegegben. Der Kärntner Schulpsychologe Gert Lach hat die Szenen analysiert.

Szene aus dem neuen Harry Potter Film: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1"

Foto © APA/DPASzene aus dem neuen Harry Potter Film: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1"

Eine Gefangene, die mit Angst verzerrtem Gesicht in der Luft schweb, durch den Zauberstab des schrecklichsten und mächtigsten schwarzen Magiers Lord Voldemort getötet und von seiner Riesenschlange aufgefressen wird. Ron, der eine klaffende, blutende Fleischwunde an der linken Schulter hat. Hermine, die von der hochmütigen Hexe Bellatrix Lestrange brutal gequält und mit einem Dolch an der Kehle mit dem Umbringen bedroht wird...

Diese Szenen erinnern eher an einen Horrorfilm als an einen Fantasyfilm, der in Kärnten für Kinder ab zwölf Jahren und in der Steiermark sogar ab zehn Jahren freigegeben ist. Grund genug, um "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Teil 1" von dem Kärntner Schulpsychologen Gert Lach mal genauer unter die Lupe nehmen zu lassen. Schließlich zitterten schon über 220.000 Österreicher mit dem wohl berühmtesten Zauberlehrling mit.

Tötungsaktion: In der Szene wird eine Frau brutal von Lord Voldemort getötet. Man sieht in einer Nahaufnahme, wie Blut aus ihrer Kopfwunde der Toten rinnt. ?Das ist eine bedrohliche Situation und die Detailtreue ist erschreckend. Erst recht die Tatsache, dass sie von einer Schlange aufgefressen wird“, sagt Lach. "Was für ein Menschenbild vermittelt das Kindern? Ein menschenverachtendes – wie im alten Rom, wo die Gladiatoren von Löwen aufgefressen wurden."

Angriff bei Hochzeit: Zu Beginn des Films wird eine Hochzeitsgesellschaft durch die Mächte des Bösen angegriffen. Und dann das Haus von Love Good. Schwarze Streifen fallen vom Himmel und schlagen ein wie eine Bombe. "Diese Szenen könnten Kinder mit Nachrichtenbildern in Verbindung bringen", sagt Lach. "Das ist ein versteckter Kriegsangriff. Ich assoziiere hiermit die fallenden Bomben der USA auf Bagdad bei Nacht."

Dreiecksbeziehung: Ron denkt, Harry Potter will ihm Hermine wegschnappen, ist eifersüchtig und geht mit Fäusten auf den Rivalen los. Doch dann rettet er seinen Freund. Für Lach eine von zwei Szenen, in denen der Film versucht Moral herzustellen: "Ein Konflikt entsteht, wird aber gelöst, weil die wahre Freundschaft der Burschen stärker ist."

Quälen und bedrohen: Die Hexe Bellatrix Lestrange ritzt Hermine das für magische Menschen beleidigende Wort Schlammblut in den Unterarm. Der Kinogast sieht das aber nicht, sondern vernimmt nur den gellenden Schrei des Mädchens, dem später von der Hexe ein Dolch an die Kehle gesetzt wird. ?Durch den Schrei wird die Fantasie des Zusehers angeregt und die dunkle Seite des Selbst angesprochen. Man stellt sich vor, was mit Hermine passiert. Das ist mindestens genauso schlimm, als wenn das Kind die Szene sehen würde", sagt Lach. "Und ein Dolch an der Kehle eines Mädchen hat in einem ,Kinderfilm? nichts verloren! Dem Kind bleibt nur das Bild mit dem Messer in Erinnerung."

Tod des Elfen Dobby: Der kleine Hauself Dobby, der mit Harry eng verbunden ist, stirbt mit einem Messer im Bauch. "Harry will den Elf ohne Zauberei begraben. Man sieht, dass er tief betroffen ist und etwas Wertvolles verloren hat", sagt Lach. "Das ist die einzige Situation, die ich in dem Film als positiv erlebt habe. Harry kann sich durch das Begräbnis ordentlich von Dobby verabschieden."

Offener Schluss: Als problematisch empfindet Lach auch den offenen Schluss: "Es sieht so aus, als hätte das Böse die Oberhand." Und das entspricht so gar nicht dem Kriterium für Filme, die ab zehn oder zwölf Jahren freigegeben werden: Das Wissen des Kindes um ein sicheres Happy-End. Für Lach ein weiteres Argument, warum er seine Tochter (12) den Film nicht sehen lassen würde.

Allerdings macht frei nach Paracelsus die Dosis der Grauslichkeiten für den Schulpsychologen das Gift. "Ein Film allein wird Kinder nicht verderben, aber wenn sie viele solcher Dinge konsumieren, hat das zweifelsohne eine Auswirkung." (Siehe Interview "Ein Gruselfilm wird das Kind nicht schädigen".)

ESTHER FARYS

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