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Zuletzt aktualisiert: 31.08.2010 um 15:41 UhrKommentare

"Gypsy Spirit" - Harry Stojka und der Wüsten-Jazz

Der Roma-Jazzgitarrist sucht in Rajasthan seine musikalischen Wurzeln und brüht in "Gypsy Spirit" eine kräftige wienerisch-indische Melange.

Harri Stojka findet musikalische "Haberer" in Indien

Foto © www.gypsyspirit.atHarri Stojka findet musikalische "Haberer" in Indien

"Ich bin so glücklich, weil ich gespürt habe, dass ich wirklich ein Roma bin", sagt der serbisch-österreichische Geiger Mosa Sisic, nachdem er mit einer Truppe von Gypsy-Musikern in einem kleinen Wüstendorf in Rajasthan den Groove ausgepackt hat. Während Europa über "die Roma-Problematik" diskutiert, kommt am 3. September ein fröhliches Filmdokument in die österreichischen Kinos: "Gypsy Spirit" erzählt von der Suche des Wiener Roma-Jazzgitarristen Harri Stojka nach seinen musikalischen Wurzeln und brüht in Bildern und Musik eine kräftige wienerisch-indische Melange zusammen.

Mit Gitarre und Geige machen sich Harri Stojka und Mosa Sisic von Wien nach Delhi und von dort weiter in die Ebenen von Rajasthan auf - wo sie dem Ursprung der Roma auf die musikalische Schliche kommen wollen. In derbem Wienerisch besprechen sie am Weg Durchfall und Linksverkehr, Autostoppen und "Wüsten-Jazz", den sie bei der Teepause ganz nebenbei fabrizieren. Dann kommen sie in das nächste Dorf und suchen das musikalische Oberhaupt zur Session auf. Nur 17 Tage hat das Team um Klaus Hundsbichler in Indien gedreht, acht weitere dann in Wien. Und doch ist der fast 90 Minuten lange Film voll von konzertreifen Begegnungen: Sie müssen gleich beim ersten gemeinsamen Improvisieren im Kasten gewesen sein.

"Meine Haberer aus Indien"

"Das sind meine Haberer aus Indien", stellt Harri Stojka jene Musiker später am Wiener Yppenplatz vor, mit denen es besonders gefunkt hat. Kutle Khan, den Kastagnetten-Virtuosen, oder die Brüder Azeem und Hafeez Ahmed Alvi an Sitar und Tabla hat er nach Wien eingeladen, um hier Roma-Musik, nicht nur mit Stojka und Sisic, sondern auch mit einer ganzen Truppe rumänischer Gypsy-Burschen und letztlich sogar mit dem Wienerlied-Altmeister Karl Hodina zu machen. Da sitzt man dann beisammen, im "Herrgott aus Sta", und spürt den Verwandtschaften nach, über Jahrhunderte und Kontinente hinweg.

Wien und Rajasthan, Quetschn und Sitar, Nachfahren von Pferde- und von Kamelverkäufern, Mähne und Turban, Ottakringer Straßenverläufe und indische Wüste: Hundsbichler hat die Bilder mit fast so viel Gespür zusammengemischt, wie die Instrumentalisten ihre Rhythmen. "Gypsy Spirit" ist ein freudvolles Road-Movie mit viel Weltmusik-Groove und ein willkommenes, musikalisches Porträt einer Volksgruppe, deren Besonderheiten gerade in der jüngeren Zeit viel zu einseitig betrachtet worden sind.


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