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Zuletzt aktualisiert: 12.05.2010 um 12:48 UhrKommentare

"Die Standesbeamtin" - Leichtfüßige Liebeskomödie

Der Film von Micha Lewinsky avancierte in der Schweiz zum Überraschungshit.

Foto © Constantin / Senator

Gebannt blickt das junge Brautpaar auf die Standesbeamtin (Marie Leuenberger), die in einem idyllischen Schweizer Städtchen für sie den Bund der Ehe besiegeln soll. Mit ernster Miene predigt die Sachbearbeiterin ihren Text: Es wird ruhige Seen geben, wilde Wasserfälle, unerwartete Strömungen... doch ihre Rede will kein Ende nehmen. Zwischen langatmigen Pausen fügt sie mit dramatischer Betonung Strudel, Tümpel, Lacken und andere Gewässer des Lebens ein. In seiner Liebeskomödie "Die Standesbeamtin" (ab 13. Mai im Kino) schickt der preisgekrönte Schweizer Regisseur und Autor Micha Lewinsky (Der Freund) seine Protagonisten mit viel Witz, wundersamen Wendungen und schmalzig-stimmigen Songs auf eine turbulente Achterbahnfahrt der Gefühle.

Verdrängte Gefühle

Die routinierte Standesbeamtin, die selbst sehr früh eine Vernunftehe eingegangen ist, glaubt schon lange nicht mehr an die große Liebe. Als in der Buchhandlung plötzlich ihr alter Jugendfreund vor ihr steht, mit dem sie früher in einer Band zusammen gespielt hat, kommen einst verdrängte Gefühle wieder in ihr hoch. Doch der inzwischen sehr erfolgreiche Musiker ist nicht allein in die alte Heimat gekommen, sondern stellt ihr seine Verlobte vor. Ausgerechnet mit dieser zickigen Schauspielerin soll sie ihn nun verheiraten.

"Die Standesbeamtin ist eine sehr dankbare Rolle", schwärmt Leuenberger, die seit ihrem 16. Lebensjahr auf der Bühne steht und mit diesem Film nun ihr Kinodebüt gibt. Zur Vorbereitung auf diesen Part hat die junge Theaterschauspielerin Nachhilfeunterricht auf dem Standesamt in Hamburg genommen. "Das war absurd", erzählt die 29-Jährige. "Ich bin dort ganz allein getraut worden und musste mit der Luft die Ringe tauschen."

Entdeckt hat Lewinsky seine charismatische Titeldarstellerin, die als Deutsche in Basel aufgewachsen ist, auf dem Zurich Film Festival. "Da haben Schweizer Casting-Agentinnen ein Demo-Band mit jungen Nachwuchsschauspielern präsentiert", berichtet Lewinsky. Während Leuenberger am Theater bereits mit dem Förderpreis der Freunde des Deutschen Schauspielhauses ausgezeichnet worden ist, stellte die Filmarbeit für sie völliges Neuland dar. Beim Dreh von "Die Standesbeamtin" war sie zudem gefordert, zusammen mit dem Komponisten Markus Schönholzer verschiedene Songs aufzunehmen.

"Musik spielt in meinen Filmen oft eine Rolle, da ich selbst Gitarrist in einer Schweizer Popband bin", erklärt der Regisseur. Zu dieser Liebeskomödie ließ er sich durch seine eigene Heirat inspirieren. "Ich fand es lustig, dass Beamte für die Liebe zuständig sind und bei der Trauung etwas Poetisches von sich geben sollen", sagt Lewinsky. "Mich interessieren immer Figuren, die am Rand stehen wie der Bar-Pianist, der zusehen muss, wie sich die Anderen zu seinem Geklimper küssen." Das Drehbuch zu "Die Standesbeamtin" verfasste er zusammen mit seinem Co-Autoren Jann Preuss, der auch die Dialoge für Til Schweigers Film "Barfuss" geschrieben hat.

Situationskomik

Mit dieser leichtfüßigen, warmherzigen Liebeskomödie trifft Lewinsky mitten ins Herz des Kinopublikums. In der Schweiz avancierte "Die Standesbeamtin" mit fast 100.000 Zuschauern zu einem echten Überraschungshit. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt der weit gefächerten, emotionalen Bandbreite der jungen Titeldarstellerin, die in diesem aufgeladenen Spannungsfeld eine perfekte Identifikationsfigur darstellt. Ihre spürbaren Hochs und Tiefs ziehen sich nicht nur wie ein Stimmungsbarometer durch den gesamten Film, sondern sorgen in ihrer Tragik auch immer wieder für Situationskomik. Einen zusätzlichen Sympathie-Bonus besitzt dieses Feel-Good-Movie durch das Schwyzerdütsch, das einen geradezu exotisch anmutenden Charme versprüht.


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