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Zuletzt aktualisiert: 05.05.2010 um 11:57 UhrKommentare

Vom Bett ans Brett: Bonnaire als "Schachspielerin"

Die Romanverfilmung von Caroline Bottaro ist nett anzusehen, doch allzu harmlos.

Sandrine Bonnaire

Foto © FilmladenSandrine Bonnaire

Kürzlich startete Yolande Moreau als Putzfrau im Kino sehr erfolgreich eine Karriere als Malerin. "Seraphine" wurde in Frankreich mit Filmpreisen nur so überhäuft. Gleiches dürfte Sandrine Bonnaire wohl nicht widerfahren, die in "Die Schachspielerin" von Caroline Bottaro eine ebenso ungewöhnliche Putzfrauenkarriere hinlegt: vom (Hotel-)Bett ans (Schach-)Brett. Die deutsch-französische Koproduktion, die am Freitag (7. Mai) in Österreich anläuft, erweist sich als hübscher, doch ziemlich harmloser Film. Bonnaire-Fans kommen allerdings voll auf ihre Kosten.

Obwohl Sandrine Bonnaire als eines von zehn Kindern einer Arbeiterfamilie im Pariser Banlieu aufgewachsen ist, wirkt sie als einfache Putzfrau in einem idyllischen Fremdenverkehrsort in Korsika nicht richtig besetzt - und doch erspielt sie sich auch diese Figur mühelos. Helene verbringt mit ihrem Mann, einem Hafenarbeiter, und ihrer 15-jährigen Tochter ein mühseliges, eintöniges Leben als Mutter und Ehefrau, Zimmermädchen und Putzfrau. Als sie eines Tages ein junges Paar im Hotelzimmer beim Schachspielen beobachtet, wird ihr Interesse geweckt, und schon bald findet sie im Schach jene intellektuelle Herausforderung, die ihr abgeht.

Putzen gegen Schachspielen

Als sie im Spiel gegen den Schachcomputer schon bald nicht mehr weiterkommt, bittet sie Dr. Kröger (Kevin Kline ist Bonnaire ein kongenialer Partner), einen verschrobenen, allein stehenden Mann, zu dem sie einmal in der Woche putzen kommt, ihr Schach-Lehrer zu werden. Putzen gegen Schachspielen lautet der Deal, an dem beide immer mehr Gefallen finden. Der ganze Ort tuschelt schon, der eifersüchtige Mann pirscht sich an die einsam gelegene Villa heran - und "ertappt" das ungleiche Paar doch nur beim Schach. Mehr als einen nahezu keuschen Kuss gibt diese immer leidenschaftlicher werdende Lehrer-Schülerin-Beziehung aber nicht her, denn Helene ist eine treue Gattin, und die (für Bonnaire-Verhältnisse) durchaus heiße Liebesszene ist den Eheleuten vorbehalten.

Die 1969 in Bielefeld geborene Produzentin und Drehbuchautorin Bottaro, die mit dieser Verfilmung des Romans von Bertina Henrichs ihren ersten Langspielfilm vorlegt, hat einen sehr konventionellen, mit vielen Klischees des französischen Unterhaltungsfilms - schön beleuchtetes Setting, ansprechende Landschaft, nette Menschen beim Fahrradfahren, Plaudern oder Essen - spielenden Streifen vorgelegt.

Vom Geheimnis, dem tiefgründigen Reiz und der intellektuellen Herausforderung des Schachspiels erzählt "Die Schachspielerin" nichts. Dass das Aufsteigermärchen von der Putzfrau zur Schachmeisterin dennoch sehenswert ist, liegt alleine an Sandrine Bonnaire. An Großaufnahmen der sympathischen Französin herrscht in dem Film kein Mangel. Eine Großtat wie "Auf das, was wir lieben" (1983) und "Vogelfrei" (1985), den beiden Filmen von Maurice Pialat und Agnes Varda, die die damals noch nicht einmal 20-Jährige berühmt machten, ist es leider nicht geworden.


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