"Baaria": Sizilianische Familiensaga wie durch ein Kaleidoskop
Oscar-Preisträger Tornatore widmet seiner Heimatstadt Bagheria eine Hommage und zeigt einen bildgewaltigen Film mit einer zerrissenen Handlung.

Foto © Tobis Film
"Und deswegen denk immer drüber nach, bevor Du sagst, dass jemand gut oder schlecht ist", sagt der Sizilianer Peppino zu seinem kleinen Sohn. Wieder einmal geht es um die ganz großen und vorwiegend familiären Werte, wenn der italienische Oscar-Preisträger Giuseppe Tornatore ("Cinema Paradiso") Bilder auf die Leinwand bringt. Erzählt wird eine sizilianische Familiengeschichte von 1930 bis 1980 anhand dreier Generationen. "Baaria" ist der sizilianische Ausdruck für "Bagheria", die Heimatstadt des Regisseurs, der er nun eine Hommage gewidmet hat.
Opulentes Epos des Regie-Altmeisters
Das opulente Epos des Regie-Altmeisters erstreckt sich nicht nur über drei Generationen einer Familie, sondern auch über ein halbes Jahrhundert wildbewegter sizilianischer Geschichte. Die Hauptfigur Peppino, Sohn eines Schafhirten und ein stolzer Sizilianer, kämpft trotz aller politischen Wirren und Umstände immer für Werte, Aufrichtigkeit und die wahre Liebe. Tornatore bezeichnet den Film im APA-Gespräch als seinen "persönlichsten": "Ich lernte in meiner Heimat, wie ich in der Welt zu Recht komme, wie man die anderen, unsere Träume respektiert. Wir haben schnell verstanden, dass die zivile Leidenschaft am wichtigsten ist. Das ist etwas, das heutzutage verloren gegangen ist."
Tornatores Eifer ist in den wunderschönen Aufnahmen zu sehen und hat vielleicht auch zur inhaltlichen Überladung zugleich beigetragen. Denn man hat den Eindruck, als wolle "Baaria" einfach zu viel erzählen: vom Faschismus und dem Krieg, vom kargen, handwerklich-bäuerlichen Leben, von Hunger und sozialer Ungerechtigkeit, vom Kommunismus, Familienbeziehungen, der Liebe, den Träumen und Enttäuschungen, von Sizilien, seiner Mentalität und seinen Mythen, schließlich auch noch vom Kino selbst. "Baaria" reißt all diese Themen an, bleibt aber überall nur an der Oberfläche und lässt zu viele Fäden der Erzählung lose enden.
35.000 Komparsen sowie 1.500 Tiere
Doch der Aufwand, den der Star-Regisseur betrieb, ist auf jeden Fall zu würdigen: Die 25-wöchigen Aufnahmen, die viermal wegen schlechtem Wetter und aus organisatorischen Gründen unterbrochen werden mussten, erstreckten sich über zehn Monate. Für die mehr als 2.600 Einstellungen holte Tornatore 63 Schauspieler, 147 Laiendarsteller, 35.000 Komparsen sowie 1.500 Tiere vor die Kamera. Als extrem aufwendig erwies sich auch die Nachbearbeitung mit mehr als 1.100 visuellen Effekten und rund 3.200 Filmschnitten. Darüber liegt die melodramatische Musik von Oscar-Preisträger Ennio Morricone. Doch auch die lässt den Zuseher schlussendlich nicht vollends in die Geschichte eintauchen.












