"Licht in leeren Häusern": Steirischer Suspense mit schreiendem Twist
Der No-Budget-Streifen des jungen Grazer Filmemachers Kroissenbrunner spielt mit Hitchcock-Elementen.

Foto © SchachtelRilm
Eine verschobene Film-Fertigstellung, weil der Regisseur warten wollte, dass der Wald für eine spezielle Szene wieder Laub trägt - keine Spinnerei eines mit unbegrenzten Geldmitteln und einem geduldigen Produzenten gesegneten Starregisseurs, sondern "Licht in leeren Häusern", ein Grazer Independent-Produktion des jungen Filmemachers Martin Kroissenbrunner, die am Freitag im Rechbauer-Kino startet. Wenige Schauspieler, jede Menge unheimlicher Wald, noch mehr Enthusiasmus des Teams bei nahezu null Budget: Herausgekommen ist ein durchaus ansehnlicher Liebes-Thriller mit einem Twist zum Schreien, der locker einige Schwächen des Streifens vergessen macht.
Schreie im Wald
Joggerin Zilli (Stefanie Kammerhofer) legt in einem Wald am Rande von Graz eine Rauchpause ein - und die gleichfalls im Grünen trabende Bärbel (Christine Vrijs) würde glatt achtlos an ihr vorbeilaufen, wenn nicht plötzlich ein schrecklicher Schrei einer Frau die beiden verunsichert innehalten lassen würde. Von diesem Zeitpunkt an läuft nichts mehr so, wie es die junge, in einer Liebeskrise steckende und die etwas ältere, nach einer gescheiterten Beziehung nach Graz gezogene Frau erwarten. Die Spannungen zwischen Zilli und ihrem Freund Oliver (Markus Hausmann) nehmen zu, Bärbels Hausschlüssel ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Und irgendwie zieht es beide zurück in den Wald, weil ihnen die Schreie keine Ruhe lassen. Bis die beiden Frauen am moosigen Boden eine Hüfttasche finden, in der sich neben Dokumenten das saftlose Handy eines jungen Mädchens findet...
Kameramann Martin Schneider und Regisseur Kroissenbrunner - der auch das Buch schrieb und den Schnitt übernahm - setzten in den Szenen im Forst Licht und Schatten geschickt ein, die ebenso unauf- wie eindringliche Musik von Herwig Holzmann tut ein übriges, um Suspense ohne Blut und aufwendige Spezialeffekte zu schaffen. Da tun einige Dialog- und Schauspielschwächen nichts zur Sache. Kroissenbrunner, Absolvent des European Film College im dänischen Ebeltoft, wo er nach eigenen Worten "auf den Hitchcock" kam, drehte in zweieinhalb Jahren, oft geblockt am Wochenende und im Sommer, ohne Fördermittel, bei einem Budget von rund 2.000 Euro. "Bärbel" Vrijs, mit 46 die bei weitem älteste im jungen Team: "Das sind alles Wahnsinnige - im positiven Sinn." Gedreht wurde im Dialekt, was Wortwitz, Emotion und Komik im Film guttat.
Der dunkle Tann mit seinem ganzen unheimlichen Potenzial hat's dem 26-jährigen Kroissenbrunner offenbar angetan: Ein Gutteil seines demnächst debütierenden Streifens "Tartarus" - ein Mystery-Thriller im Österreich der Napoleonischen Kriege, parallel zu "Licht in leeren Häusern" zusammen mit seinem Independent-Freunden der Grazer Gruppe Loom gedreht - spielt ebenfalls im finsteren Forst: Ein Wald ist nicht genug.
















