Ein Sieg für Mandela und Hollywood
Vor 15 Jahren gewann Südafrika die Rugby-WM. Damals erfasste der Siegestaumel ein ganzes Land - jetzt das Kinopublikum in "Invictus".

Foto © APAHauptdarsteller Morgan Freeman
Es ist ein Film mit einem Schluss, wie Hollywood ihn liebt: ein Land im kollektiven Freudentaumel, grenzenlose Euphorie, Verbrüderung jenseits der Rassenschranke. Weiße Polizisten, die einen schwarzen Straßenjungen auf die Schultern nehmen. Und mittendrin Nelson Mandela, gespielt von Morgan Freeman, in einem grünen Hemd mit einer springenden Antilope auf der linken Brustseite und der Nummer 6 auf dem Rücken - in einem Trikot, wie es eigentlich Francois Pienaar trägt, der von Matt Damon gespielte Kapitän der "Springbokke", Südafrikas Rugby-Nationalmannschaft.
In der Tat hat selten ein Sportereignis eine derart fulminante Wirkung auf eine ganze Nation gehabt wie der Sieg der Springböcke im Finale des Rugby World Cup über den Erzrivalen aus Neuseeland. Mit einem Schlag überkam das Land am Kap vor 15 Jahren ein nie dagewesenes Gefühl der Zusammengehörigkeit. "Nelson, Nelson", hallte es damals aus den fast nur mit hellhäutigen Zuschauern besetzten Rängen, als Nelson Mandela Mannschaftskapitän Pienaar die Siegertrophäe übergab. Weiße Mädchen aus den schicken Villenvororten nördlich von Johannesburg tanzten zu Shosholoza, dem zur Rugby-Hymne umfunktionierten schwarzen Arbeiterlied.
Auch in den Townships kannte die Euphorie keine Grenzen: Niemand konnte sich daran erinnern, wann in den Schwarzensiedlungen zuletzt derart ausgelassen gefeiert wurde - höchstens 1990 nach Mandelas Freilassung oder 1994, als er zum ersten schwarzen Präsidenten vereidigt wurde. Gemäß des von Mandela ausgegebenen Mottos "Ein Team, ein Volk" adoptierte Schwarz-Südafrika die "Springbokke" - 14 weiße und ein dunkelhäutiger Spieler - leicht afrikanisiert als "ama-Bokoboko".
Selbst Akademiker, die gerne über Rugby die Nase rümpften, wollten plötzlich in dem Sport ein "gesellschaftlich relevantes Phänomen" erkennen. "Die Woge des neuen Patriotismus hat gestern Südafrikas Rechte quasi zunichte gemacht", jubelte der Politologe Willie Breytenbach von der Universität Stellenbosch.
Ballspiel der Apartheid
Nur wenige Jahre zuvor wäre all dies vollkommen undenkbar gewesen. Schließlich galt Rugby stets als der Sport der Buren - und damit als offizielles Ballspiel der Apartheid. Rugby wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von englischen Kolonisten ans Kap gebracht. Damals galt es noch als Elitesport der Eroberer. Als kollektives, körperbetontes Kampfspiel zog die neue Sportart jedoch schnell die afrikaansen Pioniere in ihren Bann, deren Geschichte in Afrika durch Kampf geprägt war. Dank ihrer Kriegertugenden liefen die Buren den Briten auf dem Rugby-Feld rasch den Rang ab. Genau dieser Erfolg symbolisierte auch den Aufstieg des kleinen weißen Volkes an der Südspitze Afrikas.
Man muss es den Besuchern von "Invictus" nachsehen, wenn sie beim Verlassen des Kinos überzeugt davon sind, dass der Gewinn des Rugby World Cups den Anfang vom Ende der Apartheid im Sport symbolisiere.
Die Wahrheit ist komplizierter. "Nicht viel hat sich wirklich verändert", sagt Frans Cronje, Vizepräsident des renommierten Instituts für Rassenbeziehungen. "Heute unterscheidet sich die Zusammensetzung des Teams kaum von 1995." Doch "ist es ein Problem, dass nur zwei Spieler schwarz sind, obwohl die Schwarzen fast 80 Prozent der Bevölkerung stellen? Zum Glück ist Südafrika reif genug zu akzeptieren, dass Rugby historisch und kulturell ein weißer und Fußball ein schwarzer Sport ist."
Gleichwohl mehren sich die Forderungen im Afrikanischen Nationalkongress, die "Transformation" im Rugby aktiv zu beschleunigen. Mandela-Nachfolger Thabo Mbeki war sogar der Ansicht, dass man gewisse Opfer in Form von Niederlagen in Kauf nehmen müsse, solange die Rugbyteams dadurch rassisch repräsentativer würden. Doch den Fans ist der Sieg wichtiger.
Dennoch gibt es ein paar hoffnungsvolle Zeichen. "Unser Land ist heute rassisch stabiler, was bei einem Blick auf seine blutige Geschichte überrascht", meint Cronje. "Und der Sport hat ganz sicher dazu beigetragen."
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In seinem neuen Meisterwerk erzählt Clint Eastwood (79) die bewegende Geschichte von Nelson Mandela, der nach 27 Jahren im Gefängnis sein von der Apartheid zerrissenes Heimatland zusammenführt. Eastwoods Film konzentriert sich auf den Zeitraum vom Mai 1994, als Mandela zum Präsidenten von Südafrika gewählt wurde, bis zum Finale der Rugby-WM im Sommer 1995.
Der Staatschef, gespielt von Morgan Freeman, der für diese Rolle auch für den Oscar nominiert ist, entdeckt die einigende Kraft des Sports: Nicht die Zeit der Abrechnung, sondern die Bildung einer Nation sei gekommen. Er will mit allen Mitteln erreichen, dass Außenseiter Südafrika rund um Kapitän François Pienaar (Matt Damon) bei der Weltmeisterschaft vorne mitspielt. Dabei stößt Mandela mit seinem Engagement für den "Weißensport" Rugby auf wenig Gegenliebe bei seinen Mitkämpfern vom ANC.












