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Zuletzt aktualisiert: 02.01.2010 um 22:30 UhrKommentare

"Brandauer war für mich der Beste"

Hugh Grant über seinen neuen Film, über Hollywood, Reichtum und den idealen James Bond-Schurken.

Hugh Grant

Foto © APHugh Grant

Schon wieder hört man, dies sei Ihr letzter Film. Heuer werden Sie 50. Zu diesem Anlass sollte es ja doch noch eine Art Jubiläumsfilm geben?

HUGH GRANT: Habe ich das wirklich schon wieder gesagt? Ich habe geglaubt, dass ich damit aufgehört habe. Aber selbst wenn es mir noch einmal rausgerutscht ist, seien Sie unbesorgt. Es braucht nur ein gutes Drehbuch zu kommen, und ich kann nicht widerstehen.

Mögen Sie die Filmerei wirklich immer noch?

GRANT: Ich liebe am Filmen alles. Nur nicht die Schauspielerei. Es ist nun einmal so: Pro Tag dreht man gerade zwei Minuten. Da steht man so viel herum und langweilt sich. Dann beginnt man sich zu ärgern. Und so weiter, und so weiter. Auf einmal ist man ein bisschen seltsam.

Wie äußert sich das?

GRANT: Beispielsweise so, dass ich die Produktion nerve, indem ich verlange, dass in meinem Wohnwagen nur antiallergische Kopfpolster sind, und dass sie sieben Mal mit Weichspüler gewaschen werden müssen. Ist das nicht der Weg zum Monster? Bin ich nicht verrückt?

Wie betrachten Sie Ihre Karriere rückblickend?

GRANT: Ich habe in ein paar kleinen britischen Filmen mitgewirkt, und dann kommen die aus Hollywood und bezahlen mir Unsummen. Nein, nicht ich bin verrückt, die sind es.

Mögen Sie romantische Komödien?

GRANT: Keineswegs werde ich einmal den alternden Liebhaber spielen und mir das Gesicht liften lassen. Aber wenn Sie über "Haben Sie das von den Morgans gehört?" reden: Das ist keine romantische Komödie. Kann keine sein. Der Film handelt ja von einer Ehe, die am Scheitern ist.

Sarah Jessica Parker ist Ihre Film-Ehefrau. Kamen Sie mit ihr gut aus?

GRANT: Seit ich sie einmal für "Extrem", meinen blamablen Ausflug ins Thrillerfach, engagierte, mag ich sie. Das ist viel, denn die meisten hasse ich ja, und sie mich wohl auch. Mehr noch: Ich respektiere Sarah, und das mit dem Respekt passiert mir überhaupt ganz selten. Ich hab' mir auf einmal auch dauernd "Sex And The City" angeschaut, sie nachher angerufen und damit genervt, dass ich ihr jedes Mal erklärte, wie toll sie das gespielt hat. Sie war dann in London, wir haben uns zum Dinner getroffen und viel gelacht.

Laut Drehbuch werden Sie beide just in der kritischsten Ehephase Zeugen eines Mordes. Sie sehen das Gesicht des Täters. Das bedeutet: Zeugenschutzprogramm, ab nach Wyoming. Das tut der Ehe letztendlich gut. In der Einöde haben Sie auch eine Szene mit einem Riesenbären. Echt oder getrickst?

GRANT: Echt. Er stand in meiner unmittelbaren Nähe. Ich war sehr tapfer. Natürlich war sein Trainer auch da. Der lehrte mich: Nicht in die Augen schauen, keine schnellen Bewegungen, nichts essen. Ich habe selten eine solche Diva gesehen wie diesen Bären. Er verlangte nach jeder gelungenen Aktion Applaus. Und der Trainer küsste ihn dauernd.

Ehemann sind Sie nur im Film. Privat gehören Sie in dieser Hinsicht seit jeher offensichtlich einer Widerstandbewegung an.

GRANT: Das schließt aber nicht aus, dass ich eines Morgens aufwache und mir einbilde, dass ich ab nun mit jemandem mein Leben verbringen möchte.

Lust auf Kinder?

GRANT: Kommt drauf an, von wem. Zwar bilde ich mir ein, ich wäre ein miserabler Vater, aber immerhin habe ich viel Umgang mit meinen Nichten und Neffen. Fragt sich nur, ob sie mich auf Dauer länger als nur eine gewisse Zeitspanne aushalten würden.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Paparazzi?

GRANT: Sie kennen mich doch! Ich jage und schlage sie, und dann geh' ich halt für ein paar Tage ins Gefängnis.

Hugh Grant als "böser Bube"? Würde es Sie da nicht auch einmal reizen, den Bösewicht etwa in einem James-Bond-Film zu spielen?

GRANT: Warum nicht? Ich liebe die Bond-Filme. Aber der Bösewicht müsste so sein, wie ihn damals Klaus Maria Brandauer in "Sag niemals nie" angelegt hat. Der war für mich der Beste.

Sie haben sich bis jetzt ein sehr jugendliches Aussehen bewahrt. Wie halten Sie sich in Form?

GRANT: Ich habe in Los Angeles eine tolle Trainerin. Ach, ist die schön! Und in London habe ich auch eine. Ebenfalls sehr schön, das motiviert stark.

Stimmt es, dass Sie Opfer der jüngsten Finanzkrise wurden?

GRANT: Blödsinn aus dem Internet. Ich hatte ja nur ein Haus. Das habe ich noch immer.

Also können Sie heuer im September zum Fünfziger beruhigt Bilanz ziehen. Aufgewachsen als Sohn eines Offiziers und einer Lehrerin in einer eher armen englischen Familie im Londoner Stadtteil Chiswick, heute ein reicher Mann. Was bedeutet Ihnen der Reichtum?

GRANT: Ich halte mich da an Mae West, die auch aus armen Verhältnissen kam. Sie hat einmal gesagt: Beides probiert. Reich ist besser.

INTERVIEW: LUIGI HEINRICH


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