"Planet 51": US-Nostalgie mit grünen Außerirdischen
Hollywood lässt in "Planet 51" die Amerikaner von der verlorenen heilen Welt träumen.

Foto © Sony Pictures
Den kleinen grünen Männchen und Weibchen auf dem Planeten 51 geht es gut, denn ihre Welt ist geordnet. Es ist die Welt der weißen Mittelschicht-USA der 50er Jahre. Damals herrschte zwar noch der Kalte Krieg mit all seinen Gefahren. Doch in den USA ging es einer breiten Schicht so gut wie nie zuvor. Diese glückliche Zeit hat Hollywood immer wieder zu Filmen inspiriert, die den Mythos der 50er Jahre wesentlich mitgeprägt haben.
Auf originelle Weise tut das auch der neue Animationsfilm "Planet 51", der am 4. Dezember in die österreichischen Kinos kommt. Für den Regisseur Jorge Blanco ist es das Leinwanddebüt, für den Drehbuchautor Joe Stillman, von dem auch die Vorlagen für die Welterfolge "Shrek 1" und "Shrek 2" stammen, hingegen eine weitere Variante seiner Spezialität, liebenswerte grüne Fantasiewesen zu schaffen. In Stillmans neuem Werk heißen diese Lem, Skiff, Neera, Eckle oder Glar - und kommen einem allesamt ausgesprochen menschlich vor.
Der amerikanische Astronaut Captain Chuck Baker, den es auf den Planeten 51 verschlagen hat, ist ein richtiger Erdenmensch und ganz ohne grüne Körperfarbe. Unter den kleinwüchsigen Planetenbewohnern wirkt der Besucher mit seinem überdimensionierten Kinn bedrohlich grobschlächtig. Solche Eindringlinge will der grimmige General Grawl auf seinem Planeten nicht dulden, deshalb beginnt die militärische Jagd auf Baker. Der hat zugleich ein ganz anderes Problem: Er muss rechtzeitig zurück in sein Raumschiff, weil dieses anderenfalls ohne ihn gen heimatliche Erde zu starten droht.
In dem etwas verträumten, unsterblich in die Nachbarschönheit Neera verliebten Teenager Lem findet Baker neben seinem treuen Aufklärungsroboter Rover unverhofft einen weiteren Verbündeten bei seinem Bestreben, der Gefangenschaft zu entgehen und den weiten Rückflug antreten zu können. Es sind ja auch ziemlich liebenswerte Wesen, die den Planeten 51 bevölkern. Die Filmemacher hatten die gewitzte Idee, einmal nicht die Ängste der Erdenmenschen vor der Invasion der Außerirdischen zum Thema zu machen, sondern ganz im Gegenteil zu zeigen, wie letztere auf unerwünschte irdische Besucher reagieren.
Wenn dabei alle so viel Glück haben wie Baker, muss unseren künftigen Sternenerkundern nicht bange sein. Denn so sanftmütig und auch liebenswert verschroben wie die meisten Bewohner von Planet 51 ist auch die auf allerhöchstem tricktechnischem Niveau animierte Komödie, die ohne Altersbeschränkung in die Kinos kommt. Auch der Astronaut Baker ist eigentlich ein netter Kerl, der trotz seines martialischen Aussehens keinerlei Gefahr für die gesellschaftliche Idylle auf dem Planeten 51 darstellt.
Deshalb lässt sich der 90-minütige Film ohne verstörende Wirkung konsumieren: Es ist nämlich ein ziemlich gnädiger Spiegel, den uns Blanco und Stillman vors Gesicht halten, in dem sie auf unterhaltsame, manchmal auch etwas alberne Art zeigen, wie wir Erdlinge mit unserem unermüdlichen Entdeckungs- und Expansionsdrang den den kleinen grünen Bewohnern eines fernen Planeten auf den Nerv gehen. Diese grünen Wesen leben so, wie sich nicht nur nostalgische Amerikaner das Leben wünschen, wie es aber zumindest auf der Erde nur ganz selten möglich ist.
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