Nostalgische Hommage: Bully verfilmte "Wickie"
Erstmals versuchte sich Michael "Bully" Herbig nicht in einer Parodie, sondern er schuf einen vergnüglichen Familien-Abenteuerfilm.

Foto © Constantin FilmWickie und die starken Männer
Am Fernsehschatz vergangener Tage hat sich Michael "Bully" Herbig schon in seinen vergangenen Filmen vergriffen: "Der Schuh des Manitu" holte die alten Karl-May-Western aus der Mottenkiste, "(T)Raumschiff Surprise" parodierte die Abenteuer des "Raumschiff Enterprise". Nun bringt der bayrische Komiker und Regisseur die 70er-Jahre-Serie "Wickie und die starken Männer" als Realfilm auf die Leinwand - und verkneift sich erstmals seine parodistischen, meist mit Schwulenwitzen durchsetzten Kalauer, sondern bemüht sich redlich um eine Hommage an den Serienklassiker. Der vergnügliche Abenteuerfilm für die ganze Familie startet am Mittwoch (9. September) in den heimischen Kinos.
"Die Serie hat mich doch ein Stück weit geprägt - und sie hat eine Zeitlosigkeit und nix an Charme verloren", erzählte Herbig in Wien. Er habe sich alle 78 Folgen von damals noch einmal angeschaut und zentrale Elemente und einzelne Story-Teile herausgepickt. Die daraus entstandene neue Story ist wunderbar zugeschnitten auf sein Zielpublikum, die nostalgische Elterngeneration und deren Kinder. Die Wikinger, angeführt vom polternden Halvar, kommen von einem Raubzug zurück und werden bei der anschließenden feuchtfröhlichen Party von den Mannen des schrecklichen Sven überrascht. Dieser entführt alle Kinder des Dorfes, um einen legendären Schatz zu bergen - nur Wickie entkommt und nimmt mit den starken Männern die Verfolgung auf.
Großer Aufwand
Am augenscheinlichsten ist der Aufwand, den Herbig für seinen Film betrieben hat, bei den Kulissen: Gemeinsam mit der Constantin Film im Rücken wurden keine Kosten und im Bereich Ausstattung und Kostüme definitiv auch keine Mühen gescheut, um einen möglichst originalgetreuen Look zu erhalten. Gedreht wurde am bayrischen Walchensee, auf Malta und in den Bavaria Filmstudios, ein nicht genannter zweistelliger Millionenbetrag wurde für die Umsetzung benötigt. Um "nicht in den Parodiestrudel" reinzukommen, besetzte Herbig die Rollen der starken Männer mit unbekannten, aber gut gewählten Gesichtern, die er in einer TV-Castingshow auf ProSieben gesucht hatte.
Star des Films ist dennoch der elfjährige Jonas Hämmerle. Als Wickie trifft er die Mischung aus frech und ängstlich, die den Schlaukopf schon in der Serie so liebenswert macht. Gegen 600 Kinder hatte sich der Berliner beim Casting durchgesetzt - nicht zuletzt, weil er sich nicht vom Schrecklichen Sven einschüchtern ließ. Dabei macht Günther Kaufmann der Piratenrolle mit dröhnender Stimme, schwarzen Zottelhaaren und Vollbart alle Ehre. Ihm zur Seite stehen der stotternde Pi-Pi-Pi-Pirat (Jürgen Vogel) und sein trotteliger Gehilfe Pokka (Christoph Maria Herbst). Waldemar Kobus dagegen ist ein wunderbarer Halvar, der lieber einen starken und nicht einen schlauen Sohn hätte. Aber Wickie schafft es schließlich doch auch, den Vaterstolz zu wecken.
Am überflüssigsten in dem Film ist die Rolle von Herbig selbst, der als spanischer Hofchronist immer wieder ins Geschehen eingreift und gleichsam als Erzähler fungiert. Mindestens ebenso abstrus ist das Auftauchen einer hübschen Chinesin (gespielt von Ankie Beilke), die als Love-Interest den Wikingern den Kopf verdreht. Doch abgesehen von diesen Seltsamkeiten ist Bully, der auch als Produzent und Musiker im Einsatz war, ein stimmiges, unprätentiöses Werk gelungen, das vor Filmzitaten und Anspielungen strotzt, das Fernseherbe ehrenvoll hochhält und im Kino mit Sicherheit wieder eine große Anhängerschar finden wird.















