Cannes: Viel Blut und nichts für schwache Nerven
Die 62. Filmfestspiele in Cannes, vom 13. Mai bis zum 24. Mai, sind nichts für schwache Nerven. Ob Thriller oder Drama - es fließt viel Blut.

Foto © ReutersDirektor Audiard begrüßt seine Gäste
Wie etwa in Johnnie Tos erster internationaler Produktion "Vengeance".
Sein Rachethriller, der philippinische Beitrag "Kinatay" und Jacques
Audiards "Un Prophete" lassen das Blut spritzen, den Puls rasen und
zeigen teils Mord in Großaufnahme. "Kinatay" und "Un Prophete" feiern
heute, Sonntag, Premiere.
Französischer Film aus China.
Der Hongkong-Filmemacher Johnnie To ("Sparrow", "The Mission",
"Election") huldigt in seinem Beitrag weiter seinen Vorbildern aus
dem französischen Kino. Nachdem er zum einen an einem Remake zu
Jean-Pierre Melvilles "Der rote Kreis" arbeitet, hat der 54-Jährige
nun den Rachethriller "Vengeance" nach Cannes gebracht. Der spielt
zwar größtenteils in Hongkong, hat aber einen sehr starken
französischen Einschlag. Die Geschichte handelt von einem ehemaligen
Killer (Johnny Hallyday), der von Frankreich nach Hongkong reist, wo
er Rache für einen Mord verüben will. Seine Tochter (Sylvie Testud)
hat ihre ganze Familie verloren und selbst nur schwer verletzt
überlebt. Johnnie To geht gleich in medias res: Drei Minuten nach
Filmbeginn der erste Schuss, das erste Blut, die erste Leiche. Im
B-Movie Stil gedreht provoziert der Film bei der Pressevorführung oft
herzhafte Lacher. Der Vater als Mafiaboss für Arme, der auf die
asiatischen Kollegen trifft, mit langsamen pathetischen Gesten in
Großaufnahme, das unterhält. Die Mordopfer werden vor allem durch
Türen hindurch erschossen, fliegende Sägespäne sorgen für optische
Effekte.
Mord und Totschlag.
Mord scheint das Thema beim Filmfestival zu sein. Besonders
grausame Morde sind in den beiden Wettbewerbsbeiträgen "Un Prophete"
und "Kinatay" zu sehen, die beide heute, Sonntag, Premiere feiern.
"Un Prophete" beginnt mit Freiheitsentzug. Malik kommt in ein
französisches Gefängnis. Warum ist nebensächlich. Dort wird er gleich
vom rauen Alltag hinter Gittern überrollt. Es regiert die korsische
Mafia, und die will ihn nur beschützen, wenn er für sie einen
arabischen Häftling ermordet. Wahl gibt es keine. Mit einer
Rasierklinge schlachtet er sein Opfer ab. Der Film beginnt als ob
Audiard eine Sozialstudie des Gefängnisalltags machen würde und zeigt
die Spannungen zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten. Ab dem
Zeitpunkt als Malik sein Opfer als Geist erscheint, kippt das Ganze
in Richtung Thriller. Malik will einerseits glaubwürdig bleiben, und
ist zwischen den Moslems und den Korsen hin und hergerissen. Der
achtfache Cesar-Gewinner Audiard (für "The Beat That My Heart
Skipped") könnte mit seinem Film ähnliche Wellen schlagen wie im
Vorjahr "Gomorrah".
In Stücke hacken.
Wenn auch nicht weniger brutal, allerdings mehr im Dunklen
verhüllt, ist die Mordszene in Brillante Mendozas Film "Kinatay", das
philippinische Wort für "schlachten" oder "niedermetzeln". Darin
tappt ein junger Mann in ein gefährliches Geschäft. Peping braucht
einen gut bezahlten Nebenjob, um heiraten zu können. Zu spät erkennt
der 20-Jährige, dass er dafür eine Frau töten und in Stücke hacken
muss. Schnell wird er zum Mittäter und Mitwisser und erwacht aus
seiner Naivität. Der Film beginnt harmlos, man sieht den
Hauptdarsteller verliebt umherwandern, Straßenszenen. Dann kippt er
in die Dunkelheit der Nacht und schemenhaft kann der Zuseher
verfolgen, wie eine Prostituierte entführt, ihre Leichenteile in der
ganzen Stadt verteilt werden. Schneller als die Polizei ist immer das
lokale Fernsehen vor Ort. Mendozas Film beruht auf einer wahren
Geschichte, ein junger Polizeistudent erzählte ihm sein Leben.
Buhrufe gibt es in der Pressevorführung trotzdem.
Antichrist.
Heftig dürfte es auch mit Lars von Triers Wettbewerbsfilm
"Antichrist" weitergehen. Willem Dafoe ("Spiderman") und Charlotte
Gainsbourg ("Science of Sleep") spielen die Hauptrollen in dem
Psycho-Thriller.












