Physisch, dreckig, schnell: "Ein Quantum Trost" für James Bond
Der Schweizer Marc Forster inszenierte den zweiten Bond-Film mit Daniel Craig. Ab 6. November darf man sein neuestes Werk im Kino begutachten.

Foto © ReutersDaniel Craig auf der Jagd nach dem Bösen
Die Eingangssequenz offenbart gleich, was den
Zuschauer beim 22. James-Bond-Abenteuer "Ein Quantum Trost" ("Quantum
of Solace") erwartet: schnelle Schnitte, raffinierte Parallelmontagen
und ungemein physische, dreckige und teils auch brutale Action. Bond
ist auf Rache aus, trauert um seine im Vorgängerfilm "Casino Royale"
getötete Frau, fühlt sich gleichzeitig noch von ihr hintergangen. Und
kommt dabei der seltsamen Organisation "Quantum" des Öko-Magnaten
Dominic Greene auf die Spur. Der Schweizer Regisseur Marc Forster
hatte im zweiten Bond-Film von Daniel Craig keine leichte Aufgabe,
hat diese aber mit Bravour gemeistert.
Böses unter dem Deckmäntelchen. Die richtigen Bösen sind heutzutage keine schizophrenen
Psychopathen mit Weltherrschaftsansprüchen mehr, sondern - das legen
die Drehbuchautoren rund um Oscar-Preisträger Paul Haggis nahe -
definitiv in der undurchschaubaren Welt der transnationalen
Wirtschaft zu suchen. Dominic Greene ist einer jener slicken und
elegant gekleideten Herren, die sich mit engen Kontakten zu
politischen Führern und unter dem Deckmäntelchen des Umweltschutzes
auf ebenso skrupellose wie hintertriebene Art und Weise bereichern.
Und das Interesse gilt schon lange nicht mehr so sehr dem Öl, um das
sich in vergangenen Jahrzehnten alles drehte. Wasser ist die neue
Ressource, derer es in Zeiten des Klimawandels habhaft zu werden
gilt.
Schwammige Unternehmen. Auch wenn es dem auf Rache sinnenden Geheimagenten des britischen
Secret Service nicht um die politischen Implikationen seiner Arbeit
geht, dem Regisseur Forster war diese Dimension auf jeden Fall
bewusst. Er zeichnet die Organisation "Quantum" als eines jener
schwammigen und schwer festzumachenden Unternehmen, dem im
transnationalen Wirtschaftstreiben wohl oft zu wenig Misstrauen
entgegengebracht wird. Bond ist in diesem Fall ein perfekter
Gegenspieler: Er misstraut allen und jedem, und seine Jagd auf die
Drahtzieher der Organisation (die auch hinter dem Tod seiner Frau
stecken) führt ihn diesmal von Italien über Haiti und Österreich bis
nach Bolivien, wo auch das schön inszenierte, fast archaische Finale
steigt.





