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Zuletzt aktualisiert: 08.10.2008 um 10:34 UhrKommentare

La Bohème

Pompöses Starvehikel für Netrebko und Villazon. Robert Dornhelm schaffte es aber nicht wirklich, dem Genre Opernfilm neues Leben einzuhauchen.

Ihre Liebe endet tragisch ...

Foto © Constantin Ihre Liebe endet tragisch ...

Die dicht verschneiten Gassen von Paris in Schwarz-Weiß gehalten, darüber in roter Schrift die Namen einiger der derzeit größten Stars der Opernbühne - so beginnt die Verfilmung von Puccinis "La Boheme". Die Fans von Anna Netrebko und Rolando Villazon dürfen sich freuen, so nahe wie in den etwas mehr als 100 Filmminuten werden sie ihren Opernlieblingen wohl selten kommen.

Denkmal gesetzt. Das größte Problem an der Produktion ist, dass es sich eigentlich nicht um einen Film handelt und trotz diverser visueller Experimente daher auch nie im Geringsten das Gefühl aufkommt, dass man sich in einem Kino befindet. Vielmehr dient die dramaturgisch der Szenenabfolge der Oper folgenden Inszenierung hauptsächlich als pompöses Starvehikel für Netrebko und Villazon. Die beiden Protagonisten sind immer wieder in Großaufnahmen zu sehen, schmachten sich an, küssen sich und gehen in ihrer Rolle als "Traumpaar der Oper" gänzlich auf. Dornhelm ist damit zumindest das gelungen, was er während der Dreharbeiten angekündigt hatte - nämlich den beiden Sängern ein Denkmal zu setzen.

Enttäuschung. Doch wer sich nicht nur an den in München perfekt eingespielten und lippensynchron auf die Sänger übertragenen Musik-Aufnahmen erfreuen will, wird leider großteils enttäuscht: Das "realistische Set" aus den Rosenhügel-Studios vermittelt stets nur den Eindruck einer Bühne, die sanften Kameraschwenks und zahlreichen Überblendungen lassen zumeist nur den Eindruck eines überlangen Musikvideos entstehen. Und leider schafft es der Regisseur auch nicht, seine Sänger in Filmschauspieler zu verwandeln: Hier wird eindeutig noch für die große Bühne gespielt, während die Cinemascope-Kameras den Darstellern aber ganz nahe gerückt sind.

Zum Inhalt. Rodolfo (Villazon) verliebt sich zu Weihnachten im Paris des 19. Jahrhunderts, mitten im Künstlerviertel Quartier Latin in der Nähe des berühmten Cafe Momus, in Mimi (Netrebko), kämpft mit seiner Eifersucht und seiner Angst, die schwerkranke Mimi nicht versorgen zu können. Schließlich muss er hilflos mitansehen, wie sie stirbt. Dornhelm übernimmt zur Gänze die Einteilung der Oper, beginnt bemüht naturalistisch, um schließlich der gesamten Szenerie immer mehr Künstlichkeit zu verleihen. Doch jener "Film Noir" mit "viel Schwarz-Weiß" und "steigender Verfremdung", der ihm eigenen Angaben zufolge vorschwebte, ist es nicht geworden.

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Foto © Constantin

Foto vergrößernIoan Holender in der Rolle des "alten Knackers" AlcindoroFoto © Constantin

Die fünf Millionen Euro teure Großproduktion dürfte aber vor allem Opernfans zum Kinogang verleiten. Neben Netrebko und Villazon spielen u.a. Adrian Eröd (Schaunard), Nicole Cabell (Musetta) und Georg van Bergen (Marcello). Dornhelms Cousin, Staatsopern-Chef Ioan Holender, schlüpfte zudem in die Rolle des "alten Knackers" Alcindoro. Als Verleih fungiert in Österreich Constantin Film.


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