La Bohème
Pompöses Starvehikel für Netrebko und Villazon. Robert Dornhelm schaffte es aber nicht wirklich, dem Genre Opernfilm neues Leben einzuhauchen.

Foto © Constantin Ihre Liebe endet tragisch ...
Die dicht verschneiten Gassen von Paris in
Schwarz-Weiß gehalten, darüber in roter Schrift die Namen
einiger der derzeit größten Stars der Opernbühne - so beginnt die
Verfilmung von Puccinis "La Boheme". Die Fans von Anna Netrebko und
Rolando Villazon dürfen sich freuen, so nahe wie in den
etwas mehr als 100 Filmminuten werden sie ihren Opernlieblingen
wohl selten kommen.
Denkmal gesetzt. Das größte Problem an der Produktion ist,
dass es sich eigentlich nicht um einen Film handelt und trotz
diverser visueller Experimente daher auch nie im Geringsten das
Gefühl aufkommt, dass man sich in einem Kino befindet. Vielmehr dient
die dramaturgisch der Szenenabfolge der Oper folgenden Inszenierung
hauptsächlich als pompöses Starvehikel für Netrebko und Villazon. Die
beiden Protagonisten sind immer wieder in Großaufnahmen zu sehen,
schmachten sich an, küssen sich und gehen in ihrer Rolle als
"Traumpaar der Oper" gänzlich auf. Dornhelm ist damit zumindest das
gelungen, was er während der Dreharbeiten angekündigt hatte - nämlich
den beiden Sängern ein Denkmal zu setzen.
Enttäuschung. Doch wer sich nicht nur an den in München perfekt eingespielten
und lippensynchron auf die Sänger übertragenen Musik-Aufnahmen
erfreuen will, wird leider großteils enttäuscht: Das
"realistische Set" aus den Rosenhügel-Studios vermittelt stets nur
den Eindruck einer Bühne, die sanften Kameraschwenks und zahlreichen
Überblendungen lassen zumeist nur den Eindruck eines überlangen
Musikvideos entstehen. Und leider schafft es der Regisseur auch
nicht, seine Sänger in Filmschauspieler zu verwandeln: Hier wird
eindeutig noch für die große Bühne gespielt, während die
Cinemascope-Kameras den Darstellern aber ganz nahe gerückt sind.
Zum Inhalt. Rodolfo (Villazon) verliebt sich
zu Weihnachten im Paris des 19. Jahrhunderts, mitten im
Künstlerviertel Quartier Latin in der Nähe des berühmten Cafe Momus,
in Mimi (Netrebko), kämpft mit seiner Eifersucht und seiner Angst,
die schwerkranke Mimi nicht versorgen zu können. Schließlich muss er
hilflos mitansehen, wie sie stirbt. Dornhelm übernimmt zur Gänze die
Einteilung der Oper, beginnt bemüht naturalistisch, um schließlich
der gesamten Szenerie immer mehr Künstlichkeit zu verleihen. Doch
jener "Film Noir" mit "viel Schwarz-Weiß" und "steigender
Verfremdung", der ihm eigenen Angaben zufolge vorschwebte, ist es
nicht geworden.
Die fünf Millionen Euro teure Großproduktion dürfte aber vor allem Opernfans zum Kinogang verleiten. Neben Netrebko und Villazon spielen u.a. Adrian Eröd (Schaunard), Nicole Cabell (Musetta) und Georg van Bergen (Marcello). Dornhelms Cousin, Staatsopern-Chef Ioan Holender, schlüpfte zudem in die Rolle des "alten Knackers" Alcindoro. Als Verleih fungiert in Österreich Constantin Film.
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