"Der Flachmann muss besser besser zu sehen sein"
Intendant Josef Ernst Köpplinger lud zur ersten öffentlichen Probe ins Klagenfurter Stadttheater. Auf dem Programm: "Ariadne auf Naxos".

Foto © Peter JustAls Chefdramaturg Heiko Cullmann von Adriane erzählte, da bekamen nicht nur die Kinder spitze Ohren
"Wir tun einfach so, als wären Sie nicht da", teilte Josef Ernst Köpplinger von seinem Regiepult hinter dem Publikum aus mit. Ganz so war's dann freilich doch nicht: Denn die Sänger warfen sich entgegen seiner Ankündigung, sie würden ihre Partien nicht aussingen, für die Zuhörer ganz schön ins Zeug. Was ein wahrer Stimmakrobat ist, der will seinem Publikum eben eine ordentliche Kostprobe seines Könnens geben. Und die Tafel ist bei dieser "Ariadne" - so viel Gusto muss gemacht werden - reichlich gedeckt.
Seltenes Ereignis.
Am Montagabend durften knapp hundert Feinspitze eine Probe von Köpplingers Eröffnungsproduktion "Ariadne auf Naxos" miterleben. Ein Ereignis, das selten ist, weil sich Bühnenteams normalerweise nicht gerne schon vor einer Premiere in die Karten schauen lassen. Ganz anders der neue Intendant und "Ariadne"-Regisseur: Er wird künftig für Stadttheater-Produktionen eine kostenlose Schnupper-Stunde anbieten, bei der (aus sicherheitstechnischen Gründen) maximal 99 Besucher die Künstler hautnah beim Arbeitsprozess erleben können. Und damit man sich auf der Bühne auch wirklich auskennt, gibt´s eine Einführung, für die zum Auftakt Heiko Cullmann, der neue Chefdramaturg des Hauses, verantwortlich war.
Feinschliff.
Wer sich allerdings erwartete, dass der Regisseur mit seinen Bühnenstars noch intensiv szenisch arbeitet, der wurde enttäuscht: Eineinhalb Wochen vor der Premiere läuft das "Werkl" so rund, dass nur mehr hier und da ein bisschen Feinschliff notwendig war. Auch das Bühnenbild ist fast fertig und wer am Sonntag beim Theaterfest war, der hat mit der Stiege im Marmorlook schon einen Teil davon gesehen. Die Kostüme allerdings wurden nur angedeutet und das Kärntner Sinfonieorchester wurde noch von Solo-Korrepetitor Konstantin Priadeev ersetzt.
Ariadne & Zerbinetta.
Dank der nur kleinen Einschränkungen gab's schon wahren Operngenuss zu erleben: Nachdem Köpplinger seine Anweisungen in atemberaubenden Tempo und - je nach Sänger - in deutscher und englischer Sprache auf die Bühne geschleudert hatte, führte der Erste Kapellmeister Michael Brandstätter vom Dirigentenpult aus Sänger und Klavier durch den gesamten ersten Teil der Oper. Und da gibt es für Ohren und Augen einiges zu erleben, wird doch die Bühne zur Bühne: Zwei Gruppen sollen im Haus des reichsten Wieners ihre Stücke aufführen, die eine die Oper "Ariadne auf Naxos", die andere ein heiteres Stück rund um die Tänzerin Zerbinetta und ihre Liebhaber. Doch der reiche Wiener will´s dann plötzlich anders: Sie sollen gleich gemeinsam auftreten, ein Crossover sozusagen, eine Vermischung von E- und U-Musik.
Besetzung.
Dass sich ab 13. September nicht nur das schwarz-weiße Schoßhündchen Willi ins Herz des Publikums spielen wird, ist leicht zu prophezeien: Edith Haller etwa, kürzlich noch bei den Bayreuther Festspielen im Einsatz, singt die Ariadne, Daniela Fally, zuletzt an der Staatsoper und Volksoper tätig, die Zerbinetta. Erstere bekam übrigens eine besonders g'schmackige Regieanweisung: "Der Flachmann muss besser zu sehen sein", forderte Köpplinger. Wer wissen will, was es damit auf sich hat, der muss allerdings schon selbst in die "Ariadne" gehen.
Features
Premieren & Proben
Ariadne auf Naxos: Premiere: 13. September, 19.30 Uhr.
Karten: Tel: 0463/54064. Kostenlose Zählkarten für die nächsten Proben sind ab sofort an der Theaterkasse erhältlich.
Foto

Rund 100 Opernfans besuchten am Montag die ProbeFoto © Peter Just
Eröffnung
"Die Eröffnung" am 27. September um 18 Uhr; "Rigoletto" am 12. Oktober um 18 Uhr.





