Prometheus im Turiner Grabtuch
Der Krastaler Prometheus nach Aischylos ist eine einzige Peinlichkeit. Trotz der schönen Naturkulisse und Fackeln fehlt der "Funke" gänzlich.

Foto © Patrick Connor Klopf
Wie man es auch dreht und wendet: Michael Weger hätte sich die Anstrengung des Einstudierens des doch langen Prometheus-Textes und dem Publikum seine Darstellung ersparen sollen. Denn die Aufführung von Villachs neuerbuehne im Krastal, gestützt auf zwei Chöre von Schauspielstudenten und Laien, hinterlässt viele offene Fragen und ein laues Gefühl.
Im Steinbruch. Nicht zu rütteln ist an der guten Idee, Prometheus an einen richtigen im Marmorsteinbruch der Firma Lauster aufgetürmten Felsen zu ketten. Allerdings scheint Michael Weger als Prometheus felsenfest überzeugt zu sein, dass er ein großer Schauspieler ist. Das kann man ihm nach dieser Aufführung nicht zugestehen. Ob ihm Hephaistos (Herbert Brunner) zumindest verbal einen "Stahlkeil ganz durch die Brust" treibt, ob man ihm "die Fesseln um die Schenkel zwängt" - Weger bleibt in der immer gleichen Betroffenheitsmiene. Man nimmt ihm die Bedrängnis und Verzweiflung, den abgrundtiefen Zorn, den Prometheus daraus entwickelt, nicht ab.
Unglücklich ist auch die Auswahl der an Ikea-Vorhänge (oder sind sie es?) gemahnenden Kostüm-Stoffe (Janett Sumbera) für die beiden Chöre. Diese mühten sich nach Kräften, konnten in einzelnen Sequenzen beeindrucken. Corinna Wiedenmann als Io zappelt, von der durch Hera auf sie als Kuh losgeschickten Bremse geplagt, über die Bühne. "Okeanos" Franz Robert Ceeh hat in seiner Gewandung und dem seltsamen Kinnbart etwas von einer Kasperltheater-Figur.
Segen. Einzig Alexander Mitterer, der im zweiten Teil des Stücks als Hermes auftritt, wirbelt die im Einschlafen befindliche Szenerie durcheinander. Er empfiehlt, wie bei der Kreuzigungsszene im Film "Leben des Brian": "Always look on the bright side of life." Und wirklich erinnert auch Wegers Gefängniskluft an das Grabtuch von Turin. Wenn er am Ende deklamiert, "wahrlich, ich sage euch", fehlt nur noch der Schlusssegen.
Schöne Atmosphäre. Wer mag, soll es sich dennoch ansehen. Die Atmosphäre ist schön, und wer sich auf eine eher ironisch zu verstehende Mythen-Adaption durch Regisseur Beda Percht einstellt, kann sich trotzdem unterhalten wissen.
Features
Prometheus
Episches Schauspiel nach Aischylos. Die neuebuehnevillach im Krastaler Marmorsteinbruch.
Aufführungen ab 15. Juni bis 1. Juli, 20 Uhr (bis ca. 22.15 Uhr.
Karten
Regenersatztage: Hotline 0664/391 65 52 od. 0650/986 55 55.
Karten: Tel. 0 42 42/273 41.





