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Zuletzt aktualisiert: 05.06.2007 um 04:32 Uhr

"Man ist 75 Minuten gefesselt"

Gustav Mahler im Paarlauf mit sich selbst gibt es heute beim Wörthersee Classics Festival.

Gleich zwei Abende der Wörthersee-Classics bestreitet das Volksopern-Symphonieorchester Wien. Gestern hob der Klangkörper unter Stabführung von Alexei Kornienko das Auftragswerk 2007 aus der Taufe. Da war Chefdirigent Leopold Hager ganz Ohr, heute steht er selbst am Pult. Welchen Ruf das von der Geigerin Elena Denisova und ihrem Mann Alexei Kornienko (Pianist, Dirigent) engagiert betriebene Festival in Wien hat, kann Hager nicht beurteilen. Für ihn zählt: "Ich habe die Programme der letzten Jahre angesehen, und welche prominenten Musiker dabei waren." Außerdem gefällt ihm der Gedanke, die Wörthersee-Komponisten "in der Region zu pflegen, die ihre Inspiration war".

Ungewöhnlich. Sein Abend heute wird ungewöhnlich: Nicht allein, weil Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1 ("Der Titan") für das Orchester ungewohnt ist, sondern vor allem in der Kombination mit dem Zyklus "Lieder eines fahrenden Gesellen". Leopold Hager dazu: "In zwei von vier Liedern hat Mahler dieselben Themen wie in der Symphonie. Deshalb wollte ich, dass sich die Inszenierung des Abends nicht nur über die Symphonie ergibt."

Mit Musik sehen. Also sollen auch die Zuhörer mit der Musik sehen, wie sich der fahrende Geselle "zunächst ganz freundlich dem Ort nähert, wo seine Liebste lebt, die leider mit einem anderen verbandelt ist. Dann kommt der zweite Satz der Symphonie mit dem Tanzboden, es folgt das dritte Lied mit dem ,Ich fühl ein Messer in meiner Brust'. Worauf er resigniert, hinausgeht in die Natur, sich unter den Lindenbaum legt . . . und dann kommt der Lindenbaum im dritten Satz der Symphonie."

Gefesselt. Was Leopold Hager da vorschwebt, hat er schon einige Male ausprobiert. Mit dem "ganz großen Effekt, dass man eine Stunde 15 Mahler pur hat und zwar in einer sehr intensiven Knüpfung. Ohne Pause, in der man zur Ablenkung hinausgeht und Sekt trinkt. Nein! Man ist wirklich 75 Minuten gefesselt."

Klagenfurt ist - innerhalb von Österreich - übrigens die Stadt, in der Hager am seltensten dirigiert hat: "Vor Urzeiten einmal, mit den Wiener Symphonikern und dem Rudolf Buchbinder."

USCHI LOIGGE

Wörthersee Classics

Dienstag, 19.30 Uhr, Konzerthaus Klagenfurt.

Zur Person

Leopold Hager ist seit der Spielzeit 2005/06 Chefdirigent der Volksoper Wien. Der gebürtige Salzburger arbeitet seit 1988 eng mit dem English Chamber Orchester beim Würzburger Mozartfest zusammen. Hager ist regelmäßiger Gast an der New Yorker Met und ständiger Dirigent der Wiener Staatsoper.

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