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    Zuletzt aktualisiert: 22.04.2007 um 06:00 Uhr

    Eine Parabel auf die Urangst

    Uraufführung im Rosental: Selbstironie und Spiellust machen Bernd Liepold-Mossers dreisprachige Textcollage "Romeo und Julia" zum Erlebnis.

    Foto © KK/Gerhard Maurer

    Eine Postkarte, adressiert mit "Celovec", wird in Klagenfurt mit heimattümelnden Anmerkungen als unzustellbar zurückgeschickt. Der Landeshauptmann gratuliert dem Postler. Realsatire made in Carinthia, berichtet in der Zeitung vom Vortag.

    Parabel. "Und schließlich wird der nächste LH sowieso ein Slowene!", heißt es am Abend deselben Tages bei der Premiere von "Romeo und Julia" im k&k Zentrum in St. Johann/Rosental, "Servus. Srecno. Ciao!" - Und die Produktion hat die Lacher auf ihrer Seite. Eine beschwingte, humorvolle, emotional-deftige Parabel auf die Kärntner "Urangst" ist diese Shakespeare-Paraphrase von Bernd Liepold-Mosser geworden, eine kurzweilige, temporeiche tour-de-force durch die Kärntner Seele, die zwischen Beschwichtigung und Aggression ("es gibt eh immer mehr Anmeldungen zum zweisprachigen Unterricht!"), gegenseitigem Verständnis und vehementer Ablehnung ("Partisanenschweine!" - "Nazischlächter!") pendelt.

    Der Hass ist das Thema, die Liebe bleibt bei Shakespeare auf der Strecke. Nicht so bei Liepold-Mosser, der seine dreisprachige Textcollage versöhnlich ausklingen lässt: Die deutschsprachige Julia (erfrischend unbekümmert: Sissi Noe) und der Slowene Romeo (sehr körperbetont zwischen verzweifelter Gewalttätigkeit und inniger Zartheit spielend: Marjan Stikar) finden über das Nachspielen des englischen Original-Textes im Second-hand-Shop zueinander.

    Galgenhumor. In der oft turbulenten Szenenfolge geht es rund zwischen den beiden - da wird mit Spazierstöcken gefochten, mit Spritzpistolen gemordet und immer wieder das Missverstehen zelebriert - augenzwinkernd macht sich dabei aber die Produktion auch über sich selbst lustig, etwa wenn Leonardo di Caprio als Romeo zitiert wird, der dann inbrünstig den Titanic-Titelsong anstimmt. Galgenhumor oder Selbstironie? Liepold-Mosser, Regie führender Autor und aufmerksamer Beobachter Kärntner Befindlichkeiten, spannt mit Hilfe des Shakespeare-Klassikers und einem Soundtrack zwischen Kärntnerlied, Rock und Orgelklang von J.S. Bach einen klugen Bogen von der Vergangenheitsbewältigung bis zur modernen Lebenswelt, vom Privatleben zur Politik.

    Gelungen. Manchmal vielleicht etwas bemüht, immer aber mit viel Gespür für Wortwitz und Situationskomik bietet er in dieser Produktion des slowenischen Kulturverbandes seinen Darstellern die optimale Möglichkeit zum Ausleben ihrer Spiellust. Ein gelungener Abend, dem man noch viele Wiederholungen wünscht!

    KARIN WALDNER-PETUTSCHNIG

    Romeo und Julia"

    Im k&k-Zentrum St. Johann/Rosental/Sentjakob v Rozu.
    Noch zu sehen: am 26., 27.4., 20 Uhr.
    Karten: 0 46 3/51 43 00-22.

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