Rückkehr zu berühmten Sandalen
Der TV-Winzer kehrt an die Stätte seiner ersten reifen Bühnenleistungen zurück: Wolfgang Hübsch ist nun als "König Lear" im Stadttheater Klagenfurt zu erleben.

Foto © APAWolfgang Hübsch 2005 in Nestroys "Nur Ruhe!" am Wiener Volkstheater
Als Wolfgang Hübsch "ein hübscher Bursche" war, stand er in Klagenfurt auf den Brettern, die ihm die Welt bedeuten. Zunächst als Schauspielschüler mit Sommerjob bei der legendären Volksbühne Schnutt, ein paar Jahre später auch im Stadttheater, wo er Mitte der 1960er Jahre bei Intendant Otto Hans Böhm seine ersten großen Rollen bekam. Vom Valentin in Raimunds "Der Verschwender" über den Cowboy in John Steinbecks "Von Mäusen und Menschen" bis zum Prinzen Orlowsky in der "Fledermaus" bewies Hübsch seine Vielseitigkeit.
"Keine Rückkehr, sondern fast eine Wiedergeburt," scherzt der Charakterdarsteller über die Tatsache "als Anfänger und als Aufhörer" auf der gleichen Bühne zu stehen. Noch dazu als Shakespeares "Lear", in dessen Schuhe Wolfgang Hübsch schon vor 40 Jahren schlüpfte. Wie das kam?
Wolfgang Hübsch: "Der Schauspieler Reinhold Siegert, der am Wiener Burgtheater eigentlich nur kleine Rollen bekam, wollte sein Leben mit dieser berühmten wunderbaren Altersrolle abschließen. Am Stadttheater Klagenfurt bekam er die Möglichkeit, er hat auch inszeniert und die Kostüme kamen als Leihgabe vom Burgtheater. Ich spielte den Diener des Herzogs von Cornwall, der gleich einmal erstochen wird. Ein kleiner dramatischer Auftritt also. Bei Kleidungsstücken aus dem Fundus steht auf einem Klebeband immer der Name dessen, der das zuletzt getragen hat. Und in meinen Sandalen stand: Werner Krauß, Lear. Stellen Sie sich vor! Dieser berühmte Krauß, der größte Schauspieler seiner Zeit, der zuvor im Wiener Burgtheater den Lear gespielt hat. Und ich bekomme zufällig diese Sandalen und habe wenn auch in einer kleinen Rolle in Klagenfurt damals in den Schuhen des Lear gespielt. Da hat sich das Schicksal einen Spaß erlaubt, jetzt schließt sich der Bogen.
Die Welt von Shakespeares Lear ist eine chaotische. Sehen Sie Parallelen zur Gegenwart?
Wolfgang Hübsch: Das ist schwer mit heute vergleichbar. Chaotische Zeiten waren bei Shakespeare normal. Auch die blutrünstigen Handlungen, die sich entweder aus der Liebe oder den politischen Verhältnissen ergeben. Dazu kommt Lear, diese wüste Figur. Allein was sich der durch sein Verhalten einbrockt und dann bis zum Tod durchleiden muss. Der benimmt sich ja von Anfang an völlig verrückt. Ausgerechnet seine Lieblingstochter, die keine Liebeshymne singen kann, zu verstoßen, wo er doch wissen muss, dass er sie liebt und sie ihn! Aber für Shakespeare war das die perfekte Grundlage für ein grausames Stück.
König Lear gilt als Altersrolle. Sind Sie dafür nicht noch zu jung?
Wolfgang Hübsch: Naja, der Lear hat Töchter im heiratsfähigen Alter. Die Cordelia ist ja eine zwanzigjährige Person. Sicher, oft wird diese Rolle von 80jährigen Schauspielern gespielt, aber mit meinen 67 fühle ich mich nicht zu jung dafür. Ausschauen tu ich mit meinem weißen Bart auch wie ein alter Mann.
Zu Ihren Klagenfurter Erinnerungen gehört das Burgtheater-Gastspiel von Robert Musils "Die Schwärmer" und die Premiere der Burgtheater-Produktion von Schnitzlers "Anatol" mit Michael Heltau. 1990 haben Sie das Burgtheater verlassen. Haben Sie diesen Entschluss je bereut?
Wolfgang Hübsch: Nein. Wenn ich am Burgtheater geblieben wäre, hätte ich alle fünf Jahre einmal eine Hauptrolle bekommen und dazwischen nur kleine Sachen. Als ich gegangen bin, war ich fünfzig und wusste: Meine guten Jahre kommen ja erst. Aber ich war ja keiner eigenen Familie verpflichtet. Von meinen gleichaltrigen Kollegen an der Burg war ich der einzige, der sich das leisten konnte, die anderen waren Familienväter und konnten das nicht riskieren.
Ihre Rechnung ist aufgegangen. Sie haben vom Oberst Redl, über Egmont bis zu Schnitzlers Männerfiguren und Bernhards "Theatermacher" alles gespielt. Und im Fernsehen hat sich auch einiges ergeben, zuletzt im "Winzerkönig".
Wolfgang Hübsch: Diese Winzerrolle macht allergrößte Freude. Dass mir das noch vergönnt ist auf meine alten Tag. Und dass gerade das ältere Paar, Christine Ostermeyer und ich, so gut ankommt. Jahrzehnte lang habe ich immer die Mörder gespielt. Das ist interessant, aber zum Publikumsliebling wird man so nicht. Das war zwar nie meine Absicht, aber beim Winzerkönig empfinde ich es doch als angenehm, jemanden sympathischen zu spielen.
Features
Zur Person
Wolfgang Hübsch, geb. 1939 in Steyr, als Sohn eines Tischlermeisters. Tischlerlehre; dann Schauspielausbildung am Mozarteum Salzburg.
Erste Rollen
Landestheater Salzburg, Stadttheater Klagenfurt, ab 1966 Volkstheater Wien, ab 1970 Burgtheater. Seit 1990 freier Schauspieler und Regisseur.





