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    Zuletzt aktualisiert: 07.04.2008 um 21:32 Uhr

    "Ich spielte den Mundl mit Absolutheit"

    Mit seinem Stück "Der Blunzenkönig" gastiert Karl Merkatz am Freitag in Klagenfurt. Ein Gespräch über das Sauschlachten, Dietmar Pflegerl, eine zerplatze Galle und die Genügsamkeit in der Schauspielerei.

    Foto © KK/Kosmata

    Herr Merkatz, Sie spielen in Klagenfurt Ihr Ein-Personen-Stück "Der Blunzenkönig". Eine Frage drängt sich auf: Essen Sie selbst gerne Blunzen?
    Karl Merkatz: Absolut. Ich war in meiner Kindheit auch beim Sauschlachten dabei und musste das Blut auffangen und rühren und meine Großmutter hat dann die burgenländische Blunzen gemacht, wie sie heute aufgrund der EU-Vorschriften nicht mehr gemacht werden darf. Sie hat noch geröstete Semmelwürfel hineingeben können, damit war sie etwas trocken, von der konnte man abbeißen wie von einem Würstel. Und auch die andere war nicht so fließend wie die jetzige, die konnte man schön rösten, serviert mit Erdäpfel war das ein wirklicher Genuss. Und ich esse das heute noch gerne.

    Worauf dürften sich die Zuschauer beim "Blunzenkönig" freuen?
    Karl Merkatz: Es geht um einen Fleischhauer, der in Pension geht und der seine Fleischhauerei und sein geliebtes Wirtshaus "Zum Blunzenkönig" seinem Sohn übergeben muss. Der hat eine Frau kennen gelernt, eine sogenannte G´studierte und noch dazu eine "Blutleere", also eine Vegetarierin und das kränkt den Vater. Er hält eine Art innere Zwiesprache mit sich selbst, das Lokal ist schon leer und aufgeräumt und er wartet nur noch auf den Notar, um zu übergeben.

    Das klingt sehr traurig, zumindest melancholisch.
    Karl Merkatz: Nein, es ist sehr lustig, ein bisschen sarkastisch und auch mit ein paar politischen und gesellschaftlichen Seitenhieben.

    Was sind das für Seitenhiebe?
    Karl Merkatz: Naja, er kränkt sich zum Beispiel, dass überall, wo er hingeht, Englisch gesprochen wird. Er ist ja schon ein älterer Herr, über 60 Jahre alt und ärgert sich über Ausdrücke wie "Shoppen" und ähnliche Ausdrücke.

    Ärgert Sie das auch?
    Karl Merkatz: Ja, absolut, das habe auch ich selbst in das Stück hineingelegt. Sie brauchen ja nur in die Nachrichten hineinhören: Ältere Menschen verstehen oft gar nicht, was da geredet wird von News und Primetime usw. Diese Anglizismen sind schon so schlimm wie damals zur Zeit von Napoleon oder Maria Theresia, wo halt das Französische sehr verbreitet war.

    Sie haben oft in Klagenfurt unter Dietmar Pflegerl gespielt. Vermissen Sie ihn?
    Karl Merkatz: Absolut, ich vermisse ihn sehr. Wir waren sehr befreundet, unter ihm als Regisseur habe ich die schönsten Sachen meines Lebens gespielt - "Kabale und Liebe" im Volkstheater oder "Anatevka", das ich in Wien über hundert Mal gesungen habe. Und mit ihm habe ich am besten gearbeitet in meiner ganzen Laufbahn. Er wusste, was er wollte, er konnte führen und er hat Vertrauen gehabt in einen.

    Nur mit Ihrer letzten Rolle am Stadttheater Klagenfurt als "King Lear" hat es nicht mehr geklappt.
    Karl Merkatz: Ja leider, das war in seinem letzten Jahr als Intendant. Er hat gesagt: Such dir eine Rolle aus und ich habe mir den "King Lear" gewünscht, der mir schon seit den 50er-Jahren am Herzen lag, nur dass man dafür die nötige Reife und das Alter braucht. Aber dann wurde ich sehr sehr krank, mir ist die Galle zerplatzt und ich bin gerade noch erwischt worden und hatte noch lange danach keine Kraft mehr. Das habe ich ihm gesagt und er hat das verstanden, denn er war auch schon mit seiner Krankheit sehr stark behaftet.

    Sie haben viel Theater gespielt - und trotzdem kennen die meisten Sie als "Mundl". Stört Sie das?
    Karl Merkatz: Ich spielte den Mundl mit Absolutheit und ich habe nichts dagegen, dass er mir nachhängt. Aber ich habe etwas dagegen, dass man auch im Kollegenkreis klassifiziert wird, eingeteilt wird. Ich habe in meinem Leben so viele andere Rollen gespielt nach dem "Mundl", das hat man nicht ganz registriert.

    Jetzt spielen Sie nochmals den Edmund Sackbauer, der seinen 80. Geburtstag feiert. Freuen Sie sich auf die Dreharbeiten?
    Karl Merkatz: Ja, diese Rolle hat für mich sehr viel bedeutet, ich bin mit dieser Figur in Höhen hinaufgestiegen, die man sich als Schauspieler nicht erträumt. Zumindest ich habe es mir nicht erträumt. Für mich ist dieser Beruf in erster Linie Arbeit und nicht der Weg zum Starruhm. Die Arbeit ist das Wesentliche, das Maß, das man erreicht. Wenn man hundert Prozent erreicht, ist man genial, ich sage immer: 60, 70 Prozent sollten es sein und das billige ich mir zu. Das ist meine Genügsamkeit und das ist, was ich erreichen wollte: ein Werkstück, eine Arbeit so weit zu vollenden, wie ich es vermag.

    MARIANNE FISCHER

    Zur Person

    Karl Merkatz, geb. 17. Nov. 1930 in Wiener Neustadt. Zunächst Tischlerlehre, später nahm er Schauspielunterricht in Salzburg, Wien und Zürich. Berühmt wurde er als Edmund "Mundl" Sackbauer in "Ein echter Wiener geht nicht unter". Großen Erfolg hatte er auch in Filmen wie dem "Bockerer". Seit 1956 mit seiner Frau Martha verheiratet.

    Blunzenkönig

    Der Blunzenkönig: 11. April, 21 Uhr, volxhaus (Südbahngürtel 24, 9020 Klagenfurt). Karten in allen Filialen der Kärntner Sparkasse.

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