Lake07-Erfinder Klaus Miklin: "Neue Ideen werden getötet"
Lake07-Erfinder Klaus Miklin fühlt sich nach dem frühen Aus des Festivals von Kärntner Politik in Stich gelassen: Versprochene Gelder seien nie ausgezahlt worden. "Kunst soll eben sittsam und fromm sein."

Foto © WagnerLake07-Veranstalter Klaus Miklin fühlt sich hängen gelassen: "BZÖ-Politiker haben eben mit Rock'n'Roll nichts am Hut. Das ist zu unberechnebar"
Aus der Traum. Lake07-Erfinder Klaus Miklin hat hoch gepokert und hoch verloren. Er wollte aus dem Pirkdorfer See nahe Bleiburg ein zweites Wiesen machen - mit einem sechswöchigen Musikfestival. Am Mittwoch streckte er die Flügel und meldete Konkurs an. Die Bilanz einer Musik-Vision: 50 Gläubiger und Zulieferer fallen um insgesamt 150.000 Euro um. Gegenüber der Kleinen Zeitung erzählt Miklin, wie es soweit kam.
Herr Miklin, was lief falsch?
MIKLIN: Uns ist das Geld ausgegangen, wir haben einfach zu wenig Risikokapital gehabt. Ich musste die Notbremse ziehen. Aber ich stehe weiterhin zu meiner Idee einer Verquickung von Konzerten und Workshops im Südkärntner Raum.
Wann hätten eigentlich Element of Crime gespielt?
KLAUS MIKLIN: Die Plakate hängen noch - nächste Woche.
Und bei wem kann ich mich beschweren weil der Gig geplatzt ist?
MIKLIN: Bei mir. Es wäre nicht fair, jetzt Schuldzuweisungen zu machen und verbrannte Erde zu hinterlassen.
Warum waren die Besucherzahlen so niedrig?
MIKLIN: Fakt ist, wir sind nicht so angenommen worden, wie wir das erhofft haben. Vielleicht hat die Mund-Propaganda zu wenig funktioniert. Viele haben wohl auch auf die großen Konzerte - "Wir sind Helden", "Element of crime" gewartet. So billig war der Eintritt ja auch wieder nicht.
Wie sieht es mit den Außenständen aus? Laut Kreditorenverband fallen rund 50 Gläubiger um insgesamt 150.000 Euro um.
MIKLIN: Ich weiß es nicht. Die kleinen, regionalen Betriebe werden jedenfalls ihr Geld bekommen, auch die Mitarbeiter. Aber es gibt mit einigen Firmen Probleme, ja.
An ein Weiterführen des Festivals war nicht mehr zu denken?
MIKLIN: Ich bin kein Glücksritter. Wahrscheinlich wird jemand anderes mein Konzept weiterführen - aber nicht in Kärnten. Ich wünsche ihm viel Glück.
Wie viel Geld hätte gefehlt?
MIKLIN: 200.000 Euro. So viel wurde uns vom ehemaligen Kärnten-Werbung-Chef Seppi Bucher versprochen, im August 2006. Bucher ist sogar von sich aus mit dem Projekt an die Öffentlichkeit gegangen. Aber im Oktober ist er in den Nationalrat eingezogen. Und Tourismusreferent Gerhard Dörfler (BZÖ) hat gesagt: Ich habe kein Geld. Insofern war er fair: Er hat nichts versprochen, das er nicht eingehalten hat. Aber ich habe mich darauf verlassen, was mir zugesichert wurde.
Dörfler kritisiert, dass es keinen Businessplan gegeben hätte.
MIKLIN: Den Businessplan liegt seit Weihnachten auf. Wir haben ihn gemeinsam mit der Entwicklungsagentur des Landes erstellt.
Andere Töpfe gab es nicht?
MIKLIN: Wir haben gezählte 27 Mal versucht, einen Termin bei Kulterreferent Jörg Haider zu bekommen. Erfolglos. Man weiß als Investor in Kärnten - ich habe immerhin 600.000 Euro aus eigener Tasche gesetzt - nicht, wohin man sich wenden soll. Ich rede nicht nur von Geld - ich habe auch sonst kaum Unterstützung der Kärnten Werbung bekommen - etwa über Ankündigungen oder Newsletter.
Ihr Resümee über die Kulturpolitik in Kärnten?
MIKLIN: Es gibt keine Richtlinien für innovative Kultur-Projekte. Da herrscht eine Art Karaoke-Kapitalismus: Jeder macht dem anderen was nach, aber neue Ideen werden getötet. Es gibt ja tolle Ansätze - wie das Beachvolleyball - aber nur im Raum Klagenfurt. Warum gesteht man das keiner Randregion zu?
Passt ein Rock-Festival nicht in das orange Kulturprogramm?
MIKLIN: Rock'n'Roller sind die BZÖ-Politiker jedenfalls nicht. Da herrscht die Meinung vor, dass die Kunst sittsam und fromm zu sein habe. Aber Rock'n'Roll ist eben unberechenbar. OK, ich bin ja auch kein Volksmusik-Fan, aber ich würde nie etwas gegen "Wenn die Musi" spielt sagen. Bloß, für junge Leute ist das eben nichts.
Features
Die Idee
Klaus Miklin plante am Pirkdorfer See bei Bleiburg ein sechswöchiges Musikfestival. Unter den Stars: Wir sind Helden, Element of Crime, Sportfreunde Stiller.
Kritik
Skeptiker warnten, dass das Projekt viel zu groß angelegt sei. Am Mittwoch kam dann das Aus. Miklins "Event Tourismus Südkärnten GmbH" meldete Konkurs an. Die Bilanz: Rund eine Million Euro Schulden, Außenstände. Auch 500 Fans fallen um die Entschädigung für ihre bereits bezahlten Karten um.





