Kleinode für Kunstsinnige
Altäre aus der Renaissance, Mönche die Kraftplätze aktivierten, Kirchtürme, die über das Land blicken lassen. Peter Lexe erzählt über "Hingucker" der anderen Art.

Foto © ArchivIn den Hügeln von Rosazzo, von Weingärten umgeben, erhebt sich die Abtei von Rosazzo. Von der Terrasse aus bietet sich dem Besucher ein traumhafter Blick über das Land
Der Mesner schloss die riesengroße Pforte auf und hieß uns im Dunkeln – "geradeaus gehen, etwa 20 Meter, dann bleiben Sie bitte stehen, ich werde in der Zwischenzeit das Licht einschalten". Wir tappten uns vorwärts. Sekunden später ging das Licht an. Uns nahm der Anblick beinahe den Atem. Gut inszeniert: Vor uns der prächtige Holzaltar von Giovanni Martini. Über sechs Meter hoch, 3,7 Meter breit und einen Meter tief. 63 Holzfiguren, eine schöner geschnitzt als die andere. Es war im 16. Jahrhundert, also in der Renaissance, als dieser Künstler den Auftrag bekam, diesen Altar zu bauen. Er macht die Bauernstadt Mortegliano im Süden von Udine zu einem Blickfang für kunstsinnige Menschen aus der ganzen Welt. Dieser Altar ist weltberühmt, doch sehen kann man ihn nur an Wochenenden, wenn der Dom für die Allgemeinheit geöffnet ist. Der Weg nach Mortegliano ist die Besichtigung allemal wert.
Friaul Julisch Venetien ist reich an derartigen Hinguckern, an künstlerischen Kleinoden. In Mortegliano sollte auch der Turm des Domes bestiegen werden. Der so genannte Eierturm – er ist der höchste Campanile Italiens. Im Zweiten Weltkrieg hatten sich in der riesigen Kuppel des Domes Flakstellungen der Deutschen Wehrmacht befunden. Die Alliierten bombardierten sie und zerstörten den Kirchturm. Nach dem Krieg bettelte der Pfarrer um Spenden für den Wiederaufbau. Die Bauern spendeten Eier, die der Pfarrer auf Märkten verkaufte. Der Altar des Ratchis und das Taufbecken des Callisto sind ebenfalls zwei kulturgeschichtliche Kleinode. Sie zeigen in einem dem Dom von Cividale angeschlossenen Gebäude das Kunstverständnis der Langobarden. Das war Ende des ersten Jahrtausends nach Christi Geburt und lässt uns heute noch in Erstaunen vor diesen Kunstschätzen stehen.
Wer noch nie die Kraft gespürt hat, die dieser Platz auf seine Besucher abgibt, der versteht nichts von Esoterik. Die Mönche jedenfalls, die im Mittelalter in Friaul Julisch Venetien Klöster erbauten, müssen Esoteriker gewesen sein. Vor allem die Benediktinermönche: In Moggio Udinese errichteten sie auf einem Felsen über dem Fluss Fella eine Abtei. Sie diente später als Sommerresidenz für den Erzbischof von Udine. Ganz klar, hier in den Bergen war es kühl. Vielleicht kam der Erzbischof auch wegen des köstlichen Käses, den die Mönche produzierten. Moggio gilt als die Wiege der Käseproduktion Friauls. Mönche aus Millstatt zogen in die Hügel von Rosazzo, sie errichteten ein Kloster und übten sich im Qualitätsweinbau. Das war um 1000 nach Christi Geburt. Die Abtei von Rosazzo gilt als die Wiege des Qualitätsweinbaus in Friaul. Die Traube Ribolla Gialla und die Pignolo-Traube wurden hier erstmals gezüchtet. Der Blick von der Terrasse des Klosters über das Land ist traumhaft. Auch die Anlage alter Rosenstöcke ist im Frühjahr einen Besuch wert.
>ndere Mönche zogen durch die Tiefebene des Landes, entdeckten ebenfalls einen Kraftplatz und bauten ein Kloster. Es war die kultur größte Klosteranlage des Landes und wurde von Benediktinern geführt. Heute ebenfalls ein Kleinod entlang unserer Besichtigungstour: Sesto al Reghena, toller Platz, wunderschöne Kirche, vom Kloster selbst sind nur mehr einige Gebäude übrig. Über San Vito al Tagliamento wird Sesto am Fluss Reghena erreicht. Viele feine Besichtigungstouren können in Friaul unternommen werden, nur von wenigen war hier die Rede, der Rest wartet auf "Ihre Entdeckung".








