Politik narrt Kärntens Narren
Viele Faschinggilden haben ihre Nummer schon fertig - da platzen Hypo und FPÖ/BZÖ/FPK in die Trainingsphase. Wie gehen Kärntens Kabarettisten mit die ser Herausforderung um? Und was halten sie überhaupt von dem aktuellen Polit-Theater?

Foto © WeichselbraunMaterial gbit es für Faschingsschreiber genug. Auch die Landesspitze hilft mit.
Das Jahr 2009 war eher flau, was karnevalistisches Material angeht. Viele Monate war fast nichts los. Zum Glück gibt's Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Seine Neger-Witze, die er verharmlosen wollte, indem er tat, als tränke er Kakao aus einer Faschingskostüm-Negerinnenbrust waren ein viel versprechender Anfang - mit fulminantem vorläufigem Ende. Denn Dörfler ist auch beteiligt am Hypo-Debakel und an der BZÖ-Umfärbelung der letzten Wochen. Das setzte Kärntens Faschingsdichter unter kreativen Strom. Nicht der schlechteste Gag: Die neue Partei soll sich "Freiheitliche in Kärnten" nennen, dann hätte man wenigstens mal ein originelles Kürzel. Danke, Gerhard! Und friends . . .
"Wir haben wie immer das Problem, aus traurigen Geschichten etwas Lustiges zu machen", sagt "Professor" Otto Umlauft vom Klagenfurter Stadtgerücht. Das ist heuer besonders schwer, denn: "Man darf eine Karikatur nicht karikieren, man kann aus einer Satire schwer eine Satire machen." In der Tat ist die Realität humoristisch schwer zu überzeichnen. Wer - wie Umlauft - dem Faschings-Treiben therapeutische Wirkung gegen Wirtschaftskrisen-Depressionen attestiert, versucht es wenigstens: "Die letzten wirklichen Optimisten sind die Bankräuber. Weil sie glauben, dass in den Banken noch was zu holen ist."
"Und der Milliardenverlust der Hypo? Diese Milliarden muss man sich einmal vor Augen halten. So viele Nullen haben nicht einmal im Vorstand der Hypo Platz!" Die Katze lässt das Mausen nicht - und Alexander Telesko nicht das Pointen-Feilen. Seit fünf Jahren tritt er nicht mehr als "Apotheker" im Villacher Fasching auf und "muss nicht mehr alle Ereignisse im Hinterkopf auf ihren kabarettistischen Nutzen abfragen". 2010 steht er in einer Piano-Nummer auf der Bühne, aber Dörfler, Hypo und Co. lassen ihm keine Ruhe: "Politiker sollten nur noch den Mund aufmachen, wenn sie etwas zu sagen haben. Bei einigen käme das einem generellen Schweigegebot gleich!"
Oskar Schinogl von der Narrengilde Bad St. Leonhard: "Als Büttenredner wollte ich diesmal die Politik aussparen, aber angesichts der Ereignisse ist das leider nicht möglich." Ihm schwebt ein Spaziergang durch den Schönbrunner Tiergarten vor: "Was ist das für ein Tier mit großem Maul und kleinen Ohren? - Das Hypopotamus, also das Flusspferd: Das große Maul steht für Gier, die kleinen Ohren hören nicht auf die Vernunft - und wenn nötig, taucht das Hypopotamus einfach unter."
Gemischte Gefühle
"Einerseits sind wir enttäuscht über das, was politisch passiert. Andererseits ist das auch gut, weil wir kurzfristig tollen Stoff geliefert kriegen." Seppi Rukavina von der Faschingsgilde St. Veit "muss, wie alle Narren, relativ flexibel sein". Deshalb schreibt er die große BZÖ/FPK-Politnummer für die achtköpfige Gruppe aktuell um. Sie wollen die Politiker-Sprüche "in humorvoller, aber auch bissiger Form verarbeiten - und die Negerwitze des Landeshauptmanns sind sicher dabei".
Peter Michael Kowal von der Faschingsgilde Feldkirchen: "Wir sind anders, denn bei uns geht es in 99,9 Prozent der Nummern um politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Themen aus Feldkirchen." Hypo und FPK wollen sie nur am Rande streifen, "das wird ohnehin vom Villacher Fasching und dem Klagenfurter Stadtgerücht behandelt". Es sei denn, die Polit-Helden sind bei der Sitzung persönlich anwesend - und damit Teil des Feldkirchner Gesellschaftslebens. Kowal: "Wenn Landespolitiker hier sind und uns fällt ein Mega-Sager ein, dann bringen wir ihn auch - aber nicht zwanghaft."












