Flotte Grüße aus den 50ern
Bizzares Wahres: Die Autorin und Liedermacherin Barbara Stromberger kommt zur "Buchtaufe" nach Kärnten. Das freut nicht nur die Paten.

Foto © KKBarbara Stromberger
Da wäre die Autorennfahrerin aus österreichisch-ungarischem Hochadel, deren letzter Liebhaber ein katholischer Pfarrer aus den Niederlanden war und die mit der Ich-Erzählerin nach Padua flitzt. Oder der im Alter interessant ausschauende Mathematikprofessor (vorher Prädikat: hässlich), dessen Frau am liebsten über Krampfadern am Hoden plaudert.
Verwegene Verstecke. Oder die Einkaufsfahrt in das italienische Grenzstädtchen. Ohne Autobahn war das früher ja eine Tagesreise. Zusatz: "Außerdem war die Zollabfertigung jedes Mal ein ungeheurer Stress für die Damen, denn sie besprachen noch Tage danach aufgeregt die oft verwegenen Versteckvarianten."
Voyeurismus. Wenn Barbara Stromberger heute in (persönlichen und allgemeinen) Erinnerungen aus den 1950er- und 1960er-Jahren kramt, dann ist das ein bisschen so, als würde sie als reife Interpretin auf die Bühne kommen und ihren Jugendhit "Der Mann, der mir so imponiert" singen: Also mit dem Staunen vor der früheren (eigenen) Unbedarftheit. Einem mit den Jahren abgeklärten Voyeurismus. Dem versteckten Kichern über die Schwächen der anderen. Der wissenden Bissigkeit und der unbefangenen Hinrichtung der Biedermänner und der diversen Verklemmtheiten.
"Bizarres Wahres". Als Leser steht man etwas staunend vor dieser rot gebundenen Sammlung von Erzählungen, deren Titel Programm ist: "Bizarres Wahres". Man freut sich am scharfen Witz, wundert sich über die Schrägheit des Alltags, lacht bei treffenden Beobachtungen, ärgert sich über Geschwätzigkeit, und fragt sich mitunter, wie es die Autorin schaffen wird, den Bogen vom banalen Ansatz zur Pointe zu spannen. Das gelingt nicht immer, aber dann wieder sehr gut.
Flasche. Eine Erzählung beginnt so: "Der Irrläufer in meiner erotischen Biographie war ein Mann, der deshalb nicht aus ihr zu löschen ist, weil er mir durch ein spezielles Geschenk immer in Erinnerung bleiben muss." Die Geschichte heißt übrigens "Die Flasche von der Flasche" und auf das hinauf könnte man Barbara Stromberger glatt verzeihen, dass sie "bis ungefähr zwanzig nicht wusste, wie die Panier am Wienerschnitzel haftet".
Features
Buchtaufe
Dienstag, 12. Juni, 19.30 Uhr, Europahaus Klagenfurt.







