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Zuletzt aktualisiert: 29.03.2007 um 06:00 Uhr

Bilder einer rasanten Welt

Gelungener Tapetenwechsel: Die Stadtgalerie Klagenfurt zeigt frische und unkonventionelle Kunst von Jim Avignon und Marie-Claire Baldenberg.

Jim Avignon in der Stadtgalerie

Foto © Stadtgalerie KlagenfurtJim Avignon in der Stadtgalerie

Rund 225.000 Euro muss Kulturstadtrat Albert Gunzer heuer einsparen, um sein Budgetziel erreichen zu können. Wichtigste Stütze bei diesem Vorhaben ist ihm die Stadtgalerie, die sich folgsam einen kostensparenden "Tapetenwechsel" verordnete. Statt Klimt und Schiele werden fortan Graffiti- und Airbrush-Künstler das ehemalige Klagenfurter Siechenhaus bevölkern, was - wie die aktuelle Ausstellung beweist - nicht unbedingt von Nachteil sein muss.

Frisch und unkonventionell. Vor allem Jim Avignon zeigt auf beeindruckende Weise, wie frisch und unkonventionell heutige Kunst sein kann. Geboren "zirka 1967" irgendwo in Deutschland begann der vielseitige Autodidakt als illegaler Graffiti-Künstler in Karlsruhe, um schließlich als pseudonyme Kunstfigur - Avignon war eine Zeit lang seine Residenz als Straßenmaler - "das Lebensgefühl der Generation Techno zum Ausdruck zu bringen" (so Galerieleiterin Beatrix Obernosterer).

Knallig. Avignon tut dies meist auf billigem Papier in zum Teil riesigen Formaten, die er mit sprechenden Titeln versieht wie "Split personality" oder "Whats on TV". Es sind Riesencartoons, die in knallbunter Farbigkeit die Abgründe des Individuums in einer immer komplizierter und schneller werdenden Welt zum Inhalt haben, wobei der Künstler, der auch als Ein-Mann-Band "neoangin" bekannt ist, subversiv gegensteuert: mit malerischer Rasanz (200 Bilder in drei Wochen sind keine Seltenheit) und Preisen, die sich völlig unkommerziell an den jeweiligen Geldbörsen seiner Sammler orientieren: "Cheap Art" im besten Sinne also.

Konsumwelt. Das Thema Konsumwelt kehrt auch in den Arbeiten der 52-jährigen Schweizerin Marie-Claire Baldenberg wieder. Die heute in Australien lebende Künstlerin machte sich vor allem mit der Darstellung von Plastiksackerln einen Namen, die in ihren ausgefeilten Pop-Art-Gemälden Massenkonsum und Ausbeutung (insbesondere der Umwelt) versinnbildlichen. Es sind Symbole für die Janusköpfigkeit der Wohlstandsgesellschaft, die niemand missen möchte, aber den Keim der Selbstvernichtung in sich trägt - eine Kritik, die in der plakathaft-illustrativen Länderserie "Bagflags of the World" leider zur Harmlosigkeit verflacht.

ERWIN HIRTENFELDER

Ausstellung

Jim Avignon und Marie-Claire Baldenberg, Stadtgalerie Klagenfurt; bis 27. Mai; Täglich außer Mo von 10 bis 18 Uhr.

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