Feine Künstlerresidenz im Gesäuse
Das Festival St. Gallen ist ein Paradebeispiel für engagierte, gelebte Regionalkultur: von 18. August bis 1. September unter anderem mit Markus Schirmer, Willi Resetarits und dem Arnold Schoenberg Chor.

Foto © SCURDIAAm Samstag beginnt das Kulturfestival im obersteirischen St. Gallen, Markus Schirmer & Scurdia machen am 1. September den feurigen Abschluss
Die nachhaltigsten drei Bilder, die ich von St. Gallen habe: Der russische Starpianist Alexei Lubimov abends im faszinierenden Solorecital als Feuerkopf am Flügel. Nachts im Gasthaus Hensle als entspannter Wein-Connaisseur. Und morgens munter mit dem ADEG-Sackerl über den Hauptplatz radelnd.
Nicht nur Komponisten waren und sind beim Festival St. Gallen liebend gern "in residence", wie seinerzeit Werner Pirchner oder Kurt Schwertsik und heuer der gebürtige Welser Helmut Schmidinger. Die Sommerresidenz im Gesäuse gilt allen Künstlern, und wer residiert, ist ein König. So fühlen sich jedenfalls alle sofort, die im schmucken obersteirischen Ort am Festival teilnehmen und sich - wie etwa Erwin Ortner, Leiter des Arnold Schoenberg Chores Wien - auch als Stammgäste noch gern mit den Worten verabschieden: "Darf ich nächstes Jahr wiederkommen?"
Sie dürfen. Weil sie Teil einer Künstlergroßfamilie geworden sind, für deren Treffen wiederum eine ansässige Familie seit 26 Jahren sorgt: Die Mitterbäcks, samt ihrem treuen Team. Erich Mitterbäck, früher selbst Gendarm, ist ja einer, der aufpassen muss, bei Verkehrskontrollen nicht ins Röhrchen blasen zu müssen: 1000 Promille Kultur im Blut.
Der mittlerweile 73-jährige Impresario begreift sich aber nicht bloß als Veranstalter: "Unser Festival verstehen wir als Zukunftsarbeit für unseren Lebensraum, für den wir Verantwortung tragen. Dass kulturell etwas passiert und auch ökonomisch und touristisch, ist die eine Seite. Aber im Grunde geht es um Kreativausweitung". Diese geschehe auch das ganze Jahr über mit den Terminen, die sein Kulturkreis Gallenstein anbietet. Unter dem vielsagenden Titel "Über'n Zaun schau'n". Wenn dabei Kooperationen mit den Wirten als Kulturgastgeber oder mit der Volksschule fruchten, wenn Kinder und Jugendliche durch die Kultur infiziert werden und Theatergruppen bilden, ist das Interesse quer durch die Bevölkerung hoch und der Zaun nieder.
Mitterbäck, der als alter Fuchs das am Samstag beginnende Festival mittlerweile "mit Genuss und Gelassenheit" sieht, kann auf unvergessliche Ereignisse mit Weltklasseleuten wie Martha Argerich ebenso zurückblicken wie auf "Familien"-Anekdoten, von fliegenden Cellokoffern über streitende Duopartner bis zum Jodeln bei Sonnenuntergang mit Künstlern aus aller Welt auf der traditionellen "Almpartie". Und dass Kulturenthusiasten in den Regionen viel eher den weiten Weg nach Graz auf sich nehmen als umgekehrt, auch nach St. Gallen, kommentiert er mit Augenzwinkern: "Is immer gleich weit".
Features
Fakten
Erich Mitterbäck (Foto) und sein Team locken mit 14 Terminen zur 26. Auflage des Festivals.
Mit dabei: Willi Resetarits & seine Stubnblues Allstars, Kabinetttheater Wien, Arnold Schoenberg Chor u. a.








