Das Schicksal ist ein Scheißkerl
"Gott ist ein Deutscher": Eindringlich präzise dramagraz-Uraufführung bei La Strada.

Foto © DRAMAGRAZ Mercy Dorcas Otieno fesselte als namenslose Afrikanerin
GRAZ. Wenn es am Ende heißt: "Ich mag keinen Schnee! Das ist meine universelle Menschenrechtserklärung", hat das Schicksal, "der Scheißkerl", den Träumen der namenslosen Frau aus Afrika ein stilles Ende bereitet.
"Gott ist ein Deutscher" des ehemaligen Grazer Stadtschreibers Fiston Mwanza ist ein Stück über den Traum vom Exil und die Sehnsucht nach einem besseren Leben. Es ist die theathrale Aufarbeitung jener Bilder aus Lampedusa, die seit Jahren so konsequent vor unsere Augen gespült werden, dass wir sie gar nicht mehr sehen. Und doch ist dieses Stück anders: Es verhandelt die afrikanische Sicht einer jungen starken Frau, die es mithilfe von Schleppern nach Europa schafft, wo sie nach Arbeit sucht, nicht nach Asyl, und auf Ablehnung stößt.
Die Hauptdarstellerin Mercy Dorcas Otieno ist in Nairobi/Kenia geboren. Autor Fiston Mwanza, gebürtiger Kongolese, floh vor fünf Jahren nach Europa. Beide kennen Afrika, beide Europa, das Exil - mit all dessen Fremdheiten. Das ist ein Glücksfall und verleiht der Inszenierung Ernst M. Binders große Authentizität. Die Musik von Josef Klammer, eingefangen in Kenia, und die Videos von kickenden Kindern, zuckelnden Matatus, farbexplodierenden Märkten oder überschwemmten Slums, die den Abend in den Taggerfutter-Werken einleiten und begleiten, unterstreichen das.
"Die Zwangsjackenneurose des Exils schnürt am Ende den Wildenten die Luft ab." Ein poetischer, klarer Text, präzise inszeniert und von einem starken Ensemble und einer ausdrucksstarken Hauptdarstellerin umgesetzt. Die Wahl, den Abend in den Taggerfutter-Werken anzusiedeln, war eine kluge. Fortsetzung erwünscht.
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"Gott ist ein Deutscher". Von Fiston Mwanza, Regie: Ernst M. Binder. Bis 4. August, 20.30 Uhr, Taggerfutter-Werke, Karten: Tel. 0720 733 748.







