Wenn Oper einfach Spaß machen darf
Mozarts "Entführung" tobt durch das alte "Kurhaus": frisch, frech und hochmusikalisch. Vom 29. Juni bis 2. September geht das Sommertraum-Festival am Semmering über die Bühne.

Foto © Sommertraum-Festival
Oper gilt als die teuerste aller Kunstgattungen. Das muss nicht so sein. Das beweist das "Sommertraum-Festival" am Semmering. Mit geringfügigsten Subventionen zeigt man im zweiten Festspielsommer bis September unter anderem gleich zwei Mozart-Opern: "Die Entführung aus dem Serail" und "Don Giovanni".
Das geht nur durch Reduktion. Das Orchester für die Eröffnungsproduktion der "Entführung" ist ein Streichquartett, verstärkt durch Kontrabass und Flöte. Den Triangel schlägt der Dirigent und Arrangeur Vito Cristofaro nebenbei, die Tschinelle nimmt der innige Belmonte Sven Hjörleifsson zur Hand und die Trommel der orgelnde "Osmin" Andreas Kammerzelt. Zum Chor mutiert bei Bedarf das hervorragende Solistenquintett, aus dem "Blondchen" Jay Kim hervorsticht.
Wanderung
Das klingt ein wenig nach Notoperation. Die Befürchtung ist unbegründet. In der Kulisse des verfallenden "Kurhauses" entfaltet sich der Reiz des Singspiels in ungewohnter Unmittelbarkeit, Fröhlichkeit und Frische. Das Publikum folgt den Musikern quer durchs Haus, vom Jugendstil-Speisesaal zum Frühstückszimmer bis zum Musiksalon, ehe der letzte Akt vor der Fassade im Freien verklingt.
Regisseur Alexander Kuchinka hat das Original gekürzt und zur witzigen Odyssee einer Firmenfahrt umgeschrieben. Den Bassa Selim, Besitzer des Nachtclubs "Serail", spielt er auch.
Die Produktion zerstreut jeden Zweifel, ob Oper im Taschenformat funktionieren kann. Die Spiellust und Musikalität des gesamten Ensembles lassen das Fehlen des Orchesterklanges rasch vergessen. Ein Sommervergnügen.








